Ausgabe: 12 / 1994
Seite: B9

MIT ''BEUYSNOBISCUM'' GESTAERKT IN DIE ''ARENA''

Von Alfred Nemeczek

MIT ''BEUYSNOBISCUM'' GESTAERKT IN DIE ''ARENA'' Harald Szeemann (Hrsg.): Joseph Beuys.Kunsthaus Zürich. 316 Seiten, 24 Abbildungen in Farbe, 209 in Schwarzweiß. 60 Franken Rainer Rappmann (Hrsg.): Petra Kelly - Joseph Beuys.Diese Nacht, in die die Menschen.".FIU-Verlag, Wangen. 148 Seiten, 53 Abbildungen in Schwarzweiß. 28 Mark Götz Adriani, Winfried Konnertz, Karin Thomas: Joseph Beuys.DuMont Buchverlag, Köln. 216 Seiten, 176 Abbildungen in Schwarzweiß. 98 Mark Lynne Cooke, Karen Kelly (Hrsg.); Joseph Beuys Arena -wo wäre ich hingekommen, wenn ich intelligentgewesen wäre' Cantz Verlag, Ostfildem. 294 Seiten, 150 Abbildungen. 98 Mark

Betrachtet man die titelreiche Beuys-Bibliografie, drängt sich der Verdacht auf, daß man den Kenner des 1986 gestorbenen Künstlers wohl suchen muß, der noch kein Buch über den singulären Bildhauer, Ideengeber und Hoffnungsträger verfaßt hat.Werk und Wirkung von Joseph Beuys erweisen sich als derart stark, daß sie Autoren, Museen und Verlage bis heute herausfordem - und zu Höchstleistungen treiben.

Das gilt für die jüngst erschienenen, in ART 5/1994 angezeigten Arbeiten von Uwe M.Schneede ("Die Aktionen") und Gerhard Theewen ("Die Vitrinen"), und das gilt auch für das Katalogbuch zu Harald Szeemanns grandioser Beuys-Ausstellung (ART 2/1994) in Zürich, Madrid und Paris.Das darin enthaltene Begriffslexikon "Beuysnobiscum" (20 Autoren zu Stichworten von "Akademie" bis "Zukunft") zum Beispiel führt tief hinein in die Bilder- und Gedankenwelt des Künstlers, Lehrers und Lebensreformers, der ja zeitweise auch Politiker der Grünen war. Diesen Seitenaspekt akzentuiert der eher marginale Band über Beuys und Petra Kelly mit Dokumenten von gemeinsamen Wahlkampfauftritten und einem Kelly-Vortrag über den Künstler beim Düsseldorfer Symposium "Paralleles Denken" (1992).Und da beide nicht mehr leben, ergibt sich für Gerald Häfner die Chance zum Essay "Der Tod im Leben von Petra Kelly und Joseph Beuys". In neuer, "überarbeiteter und erweiterter" Auflage ist jetzt die Werk- und Lebensdokumentation "Joseph Beuys" erschienen, die Beuys 1964 selbst begonnen und mit den Autoren Götz Adriani, Winfried Konnertz und Karin Thomas erstmals 1973 zum Buch ausgebaut hat.Sie ist tatsächlich reichhaltiger und detaillierter als die vervollständigte Taschenbuch-Version von 1981 " endet aber mit dem Tod des Künstlers.Einen Anhang mit Zeugnissen zur Wirkungsgeschichte des Werkes seit 1986 haben die Verfasser sich versagt, was mancher Leser bedauern wird. Zum Schluß der Hinweis auf"Arena", das herrliche Katalogbuch zu einer Installation aus 100 gerahmten Bildtafeln mit 264 (bisweilen verfremdeten) Fotos, die Beuys 1972 im Sinne eines Werklaufs arrangiert hat.Jede Kombination von zwei bis vier Fotos verweist auf einen zurückliegenden Auftritt, eine Ausstellung, ein Objekt oder eine Aktion.Die Arbeit von Jahrzehnten wird zum Konzentrat einer Lebensleistung, das begeistert, aber auch beunruhigt, zu denken gibt, Fragen aufwirft.Die erste authentische "Arena"-Ausstellung in diesem Sommer (Kuppel der Hamburger Kunsthalle) war an Intensität kaum zu übertreffen.Und so packend ist auch dieses Buch, das alles in perfektem Druck dokumentiert und jeder Anspielung, jedem Bezug, jeder Frage nachgeht, um den Betrachter über die Bilder ins Bild zu setzen.