Ausgabe: 04 / 2001
Seite: 131
Kunstförderung a tempo
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Kulturpolitik: Kurz vor den Wahlen schnürt Italiens Kulturministerin eilig Gesetzespakete
Die Italiener wählen im Mai - und je näher der Tag rückt, desto betriebsamer wird Kulturministerin Giovanna Melandri, 39. Die Umfragen lassen einen Sieg der rechten Opposition unter Silvio Berlusconi erwarten. Deshalb verkündet die noch amtierende Kulturministerin beherzt: "Minister kommen und gehen, Gesetze bleiben." Melandri setzt alles daran, die in den drei Jahren ihrer Amtszeit in Angriff genommenen kulturpolitischen Neuerungen abzusichern.
Dazu gehört das jetzt verabschiedete Gesetz, wonach Unternehmer ab sofort Kultursponsoring zu 100 Prozent vom Firmeneinkommen absetzen können. Im Eiltempo hat die Ministerin zudem gesetzlich verankert, dass der Staat den Ankaufsetat für zeitgenössische Kunst von heute sechs auf künftig 16 Millionen Mark pro Jahr erhöht. Mit dem Geld soll die Sammlung des "Nationalen Museums für moderne und zeitgenössische Kunst" in Rom finanziert werden. Die Architektin Zaha Hadid entwirft das neue Museum, das 2004 eröffnet werden soll.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Melandri neue Akzente gesetzt: Im Kulturministerium hob sie eine Abteilung für zeitgenössische Kunst und Architektur aus der Taufe. Das Ministerium, traditionell ein Hort der Archäologie, Denkmalpflege und der klassischen Kunst, soll den aktuellen Tendenzen fortan einen zentralen Stellenwert beimessen. Chef der neuen Abteilung ist der Architekt Pio Baldi. Weitere 24 Chefposten im Kulturministerium hat Melandri neu besetzt, vor allem in den Arbeitsgruppen für Denkmalpflege, Landschaftsschutz und Film.
Der Schlussspurt der Ministerin hat auf der Gegenseite Protest ausgelöst. Die Linke, so warfen rechte Tageszeitungen der Linksdemokratischen Partei PDS vor, wolle vor der sicheren Wahlniederlage noch rasch ihre Leute in Schlüsselpositionen platzieren. Kritisch kommentierten die Medien des Berlusconi-Imperiums auch immer wieder die Besetzung der Biennale-Leitung mit dem "Ausländer" Harald Szeemann aus der Schweiz.
Bildunterschrift: Melandri vor dem Forum Romanum /



