Ausgabe: 12 / 2003
Seite: 149
Spitze Winkel und kühne Durchblicke
Von
Dynamik als Motto: Eine neue Monografie dokumentiert die Entwürfe und Arbeiten der Architektin Zaha Hadid
Kaum etwas verachtet Zaha Hadid so sehr wie den rechten Winkel. Das wird dem Leser schon deutlich, bevor er die Monografie aufschlägt: Von oben nach unten sind die Seiten schräg beschnitten. Die Diagonale ist das Symbol für Bewegung und Energie, und dass die 1950 in Bagdad geborene und seit 1972 in London wirkende Architektin eine äußerst dynamische Diva der Gegenwartsarchitektur ist, sprechen ihr auch ihre Kritiker nicht ab.
Seit sie 1993 das Feuerwehrhaus auf dem Werksgelände der Vitra AG in Weil am Rhein fertiggestellt hat, gilt die inzwischen vielfach ausgezeichnete einstige Mitarbeiterin von Rem Koolhaas als Vordenkerin einer dem Dekonstruktivismus verpflichteten Architektur. Jähe Fluchten, kühne Durchblicke, auch jede Menge spitze Winkel und tote Ecken weist etwa ihr Rosenthal Center for Contemporary Art auf, das im Frühsommer in Cincinnati eröffnet wurde.
Das durchweg zweisprachige Buch dokumentiert nicht nur die Retrospektive, die im Sommer im Wiener Museum für angewandte Kunst gezeigt wurde, sondern erlaubt dem Leser überdies einen Gang durchs Werk bis zu den neuesten Entwürfen. Warum viele der komplexen Projekte Hadids erst nach langer Wartezeit ihre Grundsteinlegung feiern können, wird dabei ebenso deutlich wie die tiefe Verbindung ihrer Entwürfe zur Malerei, die sie in ihrer Anfangszeit praktiziert hat.
Zaha Hadid. Architektur. Hrsg.: Peter Noever. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern. 192 S., 191 meist farbige Abb. 34 Euro
Bild(er):
Bild: Diagonale als Symbol für Energie: 1993 baute Zaha Hadid in Weil am Rhein das Feuerwehrhaus auf dem Werksgelände der Vitra AG



