Ausgabe: 07 / 2001
Seite: 115
Ultimatum für neuen Direktor
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Finanzen: Der neue Chef des Londoner Victoria und Albert Museum, Mark Jones, soll den Besucherschwund stoppen - und muss gleichzeitig Geld sparen
Unter solchen Bedingungen hat wohl noch kein Museumsleiter sein Amt angetreten: Großbritanniens Kulturminister Chris Smith setzte dem neuen Direktor des Victoria and Albert Museum eine sechsmonatige Galgenfrist. Bis Oktober hat Mark Jones Zeit, die Aufgabe des Londoner Kunstgewerbemuseums neu zu definieren und ein schlüssiges Konzept für die Zukunft zu entwickeln.
Das nach der Londoner Weltausstellung von 1851 auf königliches Geheiß gegründete Victoria and Albert Museum gehört zu den großen Kunstgewerbemuseen der Welt. Sein Dilemma ist jedoch, dass sich unter den vier Millionen Exponaten im viktorianischen Prachtbau nicht nur Möbel, Mode und Schmuck befinden, sondern auch große Kunst - von mittelalterlichen Plastiken über Gemälde der englischen Romantiker William Turner (1775 bis 1851) und John Constable (1776 bis 1837) bis hin zur besten Sammlung italienischer Kunst außerhalb Italiens.
An der Aufgabe, aus diesem Sammelsurium ein stimmiges Museum zu machen, sind die letzten beiden Direktoren kläglich gescheitert. Der Besucherschwund begann schon im Jahr 1986, als zum ersten Mal Eintritt verlangt wurde. Fast über Nacht blieb die Hälfte der Besucher fern, 1999 war mit 1,2 Millionen Gästen ein vorläufiger Tiefstand erreicht. Im Februar dieses Jahres zog der Rechnungshof eine vernichtende Bilanz: Bei einer jährlichen Subvention in Höhe von gut 30 Millionen Pfund entfielen 24 Pfund auf jeden Besucher. Als Vergleich zog die Behörde die National Gallery heran: Dort sind es nur 5 Pfund pro Kopf.
Mark Jones erste Amtshandlung soll dazu beitragen, die Talfahrt zu bremsen: Die "Spirale", der von Daniel Libeskind entworfene futuristische Erweiterungsbau, wird vorläufig auf Eis gelegt. Der Architekt arbeitet statt dessen an einem Entwurf, der preiswerter ausfallen soll.
Von der Eröffnung eines für 31 Millionen Pfund renovierten Flügels, in dessen 15 Räumen ab November britische Kunst von 1500 bis 1900 zu sehen sein wird, erhofft man sich dagegen erheblichen Auftrieb. Außerdem entschieden die Regierung und der Direktor, dass der Eintritt ab Herbst wieder frei sein soll.
Internet: www.vam.ac.uk
Bildunterschrift: Direktor Mark Jones / Gähnende Leere: Skulpturensaal im Londoner Traditionsmuseum Victoria and Albert /
