Ausgabe: 08 / 2005
Seite: 93

Duell der Macher

Von Almuth Spiegler

PRAG: ZWEI BIENNALEN

, art-Korrespondentin in Wien, besuchte die miteinander konkurrierenden Prag-Biennalen. Das Duell zweier Ausstellungsmacher beschert Prag in diesem Jahr gleich zwei Biennalen. Vor zwei Jahren organisierten Giancarlo Politi, Herausgeber des Kunstmagazins "Flash Art", und seine Partnerin Helena Kontova die erste Prag-Biennale gemeinsam mit Milan Kniziak, dem umstrittenen Direktor der Nationalgalerie. Ein wüster Streit zwischen den beiden führte aber dazu, dass dieses Jahr jeder seine eigenen Wege ging.

Das klang erst einmal - überhörte man die gegenseitigen Beschimpfungen im Vorfeld - recht vielversprechend, sorgt die Erinnerung an die erste chaotische Ausgabe doch nach wie vor für verzweifelte Seufzer. Also zweiter Anlauf, um Prag in die Landkarte der zeitgenössischen Kunst einzuschreiben. Ein Wettrüsten begann, bei dem die Qualität auf der Strecke blieb. Kunstvermittlung scheint in Tschechien ein Fremdwort zu sein.

Politi und Kontova mieteten sich Ende Mai in einer baufälligen ehemaligen Fabrikhalle ein und boten für ihre "Prague Biennale 2" 15 Kuratoren und Werke von rund 200 Künstlern auf. Drei Wochen später eröffnete Kniziak in der Nationalgalerie seine "International Biennale of Contemporary Art" (IBCA) mit 26 Kuratoren und 400 Künstlern. Beide Veranstaltungen setzen einen Schwerpunkt auf Malerei - Kniziak auf die tschechische, Politi und Kontova unter dem Motto "Expanded Painting" auf den aktuellen Markttrend der gegenständlichen Malerei, den sie durch eine unüberblickbare Masse unterschiedlichster Qualität illustrieren. Zwischen stoisch aneinander gereihten Bildern vor allem junger Künstler finden sich auch völlig unmotiviert eine gepunktete Leinwand von Damien Hirst oder eine aufgeschlitzte von Maurizio Cattelan, beide aus den neunziger Jahren. Der Katalog macht das Kalkül klar: Die Arbeiten stammen aus Politis Privatsammlung. Fehlen dürfen hier natürlich nicht die jungen Leipziger wie David Schnell oder der Berliner Martin Eder. Ein Blick nach oben zu der teilweise mit Plastikplanen verhängten Decke lässt angesichts der sensiblen Leinwände aber nicht nur angereiste Galeristen für einen trockenen Sommer beten.

Da bleibt nur die Flucht zur Konkurrenz-Biennale. Die zeigt die "neue tschechische" und die "neue slowakische Szene", wo weniger marktkonforme, aber umso originellere Kunst zu sehen ist. Mit der Wasserdichte ist es aber auch in der Nationalgalerie, einem ehemaligen Messepalast, nicht gut bestellt: Beim verregneten Prag-Besuch tropfte es munter in die Hallen. Ebenso munter mischen sich hier auch die kleinen Gruppenausstellungen, zum Teil einzelnen Ländern und zum anderen Themen wie "Geisterjäger" gewidmet, zu einem schwer nachvollziehbaren Brei, in dem auch das Gesamtkonzept "A second Sight" ("Ein zweiter Blick") untergeht.

Trotzdem ist hier der BiennaleGedanke größer gedacht, können hier vor allem unter den überwiegenden Videoinstallationen - wenn sie gerade funktionieren - Entdeckungen gemacht werden.

Am besten traf es Kurator Adam Budak, der seine "Manipulations"-Schau mit Arbeiten etwa von Markus Schinwald, Runa Islam und Julian Rosefeldt geschlossen in der Außenstelle im Palais Kinsky unterbringen konnte. Das Duell der Biennalen ging diesmal jedenfalls zu Gunsten von Kniziak aus. Er bewies zudem die Fähigkeit zur Selbstironie. Zur Pressekonferenz trug er eines der T-Shirts, die sein Konkurrent hatte verteilen lassen: "Boycott Milan Kniziak & National Gallery Prague".

Termin: Prag Biennale 2, bis 15. September. Katalog: in Englisch, 50 Euro. Internet: www.praguebiennale.org

Termin: IBCA, bis 11. September. Katalog: in Englisch, 50 Euro. Internet: www.ngprague.cz/biennale

Bild(er):

Bild: Diktator im Aquarium: "Hai-Saddam-Körper" (2005) von David Cierny. Rechts: Susanne Simonson: "Unvollendete Sympathie" (2004, 90 x 80 cm)