\ VORSCHAU Das Werk des ungarischen Bauhauslehrers, Malers, Bühnenbildners und Ausstellungsgestalters László Moholy-Nagy

SANDRA DANICKE

Unter den Bauhaus-Künstlern war er der Vielfältigste. Ob Malerei oder Skulptur, Fotografie, Grafikdesign oder Bühnenbild - László Moholy-Nagy experimentierte mit all diesen Kunstformen und schuf ein Werk, dessen Bandbreite noch heute seinesgleichen sucht. Sogar Stummfilme hat er gedreht. Dabei hatte der Ungar (1895 bis 1946) ursprünglich begonnen, Jura zu studieren.

Nachdem Moholy-Nagy aber 1915 vom österreichisch-ungarischen Militär eingezogen worden war, entschied er sich anschließend für den Wohnsitz Berlin und eine Künstlerlaufbahn.

Zunächst begann er figürlich, später abstrakt im Stil des Konstruktivismus zu malen.

1923 wurde Moholy-Nagy ans Bauhaus berufen, wo er unter anderem die Metallwerkstatt leitete und schließlich die überwiegende Zahl der Bauhausbücher gestaltete.

Gleichzeitig experimentierte der Künstler, der als einer der wichtigsten Experimentalfotografen des 20. Jahrhunderts gilt, mit Techniken wie Montage, Collage, Mehrfachbelichtungen und Fotogrammen, oder er sorgte mit sogenannten Telefonbildern aus Emaille für Aufsehen - abstrakte Kompositionen, die er mittels Millimeterpapier und Farbtafeln 1922 telefonisch bei einer Schilderfabrik in Auftrag gegeben hatte.

Mit etwa 170 Arbeiten aus allen Werkphasen dokumentiert die Retrospektive in der Schirn-Kunsthalle (Katalog: Prestel Verlag, 29,80 Euro, im Buchhandel 49,95 Euro) das Werk des Multimedia-Künstlers, der 1928 mit Walter Gropius das Bauhaus verließ. Als Bühnenbildner, Ausstellungsgestalter, Typograf und Filmemacher arbeitete er bis 1937 in Berlin und emigrierte anschließend in die USA. In Chicago leitete er zunächst das "New Bauhaus" und eröffnete 1938 sein eigenes Institut, die "School of Design".

Höhepunkt der Ausstellung soll die Realisierung des von Moholy-Nagy bereits 1930 konzipierten, bislang jedoch nie realisierten "Raums der Gegenwart" darstellen, eine Art Gesamtkunstwerk aus bildender Kunst, Design, Film und Architektur.

László Moholy-Nagy Schirn-Kunsthalle, Frankfurt/Main, 8.10.-7.2.2010

Bildunterschrift:

"Komposition A 19" (1927, 80 x 96 cm)

Selbstporträt, entstanden um 1926

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