Ausgabe: 04 / 2000
Seite: 97-98

Der Traum von einer Stadt im Licht

Von Kia Vahland

AUSSTELLUNGEN IM APRIL - HÖHEPUNKTE DES MONATS: INFORMATIONEN, VORSCHAU, KRITIKEN & TERMINE / Köln: "light-heeled, light-handed"

Zunächst ist die Welt noch hell und freundlich. Die Gärten und Fassaden der weißen Villen über Los Angeles sind von der gleißenden Sonne Kaliforniens erleuchtet; die Innenräume und Terrassendächer hat der Architekturfotograf Julius Shulman, 89, mit dem Blitz aufgehellt - so stehen die Häuser klassisch moderner Architekten wie Richard Neutra im besten Licht. Unvorstellbar, dass in dieser Idylle der fünfziger Jahre jemand eine Tür knallen oder auf den Rasen trampeln könnte.

"Mich reizt die Doppelbedeutung von "light` als Licht und leicht", sagt Lynne Cooke vom New Yorker Dia Center for the Arts, Gastkuratorin der Ausstellung "light-heeled, light-handed" - leichtfüßig, mit leichter Hand. Sie hat mit Shulman, dem 62 Jahre alten Ed Ruscha und dem 48-jährigen James Welling Künstler dreier Generationen zusammengebracht, die sich alle auf den Mythos vom leuchtenden Los Angeles beziehen.

Shulman inszeniert das kalifornische Lebensgefühl der Nachkriegszeit, zu dem außer dem Rückzug ins wohlgestaltete Heim die Freiheit der Straße gehört. Seinem nostalgischen Schwarzweiß-Foto "Union Oil Gas Station" von 1949 hat Cooke die kühlen, pastellfarbenen Tankstellen-Siebdrucke von Ed Ruscha gegenüber gestellt. Sie entstanden 1969 - aus der Artigkeit ist Pop Art geworden.

Doch schon im nächsten Saal ist es vorbei mit der unerträglichen Leichtigkeit des Lichts. Ruschas Acrylbild "B-House" von 1989 hat keine sonnigen Farben mehr. Wie bei Shulman ist eine elegante Villa von Richard Neutra zu sehen, aber sie steht im Dunkeln und verschließt sich dem Betrachter zudem durch ein verschnörkeltes rotes "B" vor der Fensterfront. Im grellen Licht dahinter verbrennt jede Illusion vom Familienglück durch ästhetische Architektur. Ruscha ironisiert Shulmans Ideale so treffsicher, als seien die Bilder füreinander geschaffen.

James Welling dagegen steht in dieser Ausstellung ganz in dem Schatten, den Ruscha auf Shulmans Bilder vom glänzenden L. A. geworfen hat. Die spießigen Vorstadthäuschen auf seinen Fotos sind einfach nur düster; die Stadt hat für Welling ihre Leuchtkraft verloren. Dafür macht sich der jüngste der drei Künstler anderswo auf die Suche nach neuen Lichtquellen und findet eine Neonreklame in Brüssel und eine runde Lampe in Paris. Leichthändig soll das sein - leichtgewichtig wirkt es im Vergleich zu Shulmans und Ruschas beziehungsreichem Licht- und Schattenspiel.

"light-heeled, light-handed", Kölnischer Kunstverein, bis 2. April. Nach der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Bildunterschrift: Julius Shulman: "Residential Building" ("Wohngebäude") von 1966 / Leuchtreklame: Fotoarbeit "Brüssel" (1996) von James Welling /