VORSCHAU Stille Bildtableaus im Stile Alter Meister, dazu schwarzweiße Architekturbühnen von Beate Gütschow beschäftigen sich mit Bildlügen

Beate Gütschow - place(ments) Staatliche Kunstsammlungen, Lipsiusbau, Dresden, 11.10-17.1.2010

SUSANNE ALTMANN

Fotografie ein Beweis für die Wirklichkeit?

Was für ein Ammenmärchen! Im Zeitalter digitaler Manipulation kann jedes Abbild eine Lüge sein. Das klingt pessimistisch und resigniert. Doch für Beate Gütschow beginnt hier erst das Abenteuer. Ihre kunstvollen Bildlügen sind Fiktion, Erzählung, Erfindung. Aus unzähligen Fragmenten fügt sie stille Bildtableaus zusammen, denen man ihre Künstlichkeit auf den ersten Blick kaum ansieht. Arkadische Landschaften atmen den malerischen Geist des 17. und 18. Jahrhunderts und kalte Betonwüsten wiederum den unserer globalisierten Gegenwart.

Es sind winzige Irritationen, wie ein blauer Müllbeutel oder eine allzu pittoreske Baumgruppe, die erste Zweifel auslösen. Das ist durchaus beabsichtigt, denn der Künstlerin geht es nicht um heile Welten, sondern vielmehr um deren Unmöglichkeit. Erst recht, wenn sich zu den farbigen Landschaftsbildern wie ein Kontrastprogramm ihre schwarzweißen Architekturbühnen gesellen. Eine leicht hysterische Überhöhung von Bauformeln der Moderne weist auf geplatzte Utopien hin; auf Stadtideale von Le Corbusier etwa, die sich zwar am menschlichen Maß orientierten, aber an den menschlichen Sehnsüchten scheiterten.

Ebenso muss jeder halbwegs sensible Betrachter beim Anblick von scheinbar intakter Natur heute deren Zerstörung mitdenken.

In der umfangreichen Werkschau im Dresdner Lipsiusbau treffen genau diese Gegenwelten aufeinander (Katalog: Hatje & Cantz, 27,80 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro).

Beate Gütschow gebietet über ein gewaltiges Bilddepot, das aus zunächst analog auf ge nommenen Motiven entsteht und aus dem sie Versatzstücke digital komponiert.

Die Nähe zur Malerei ist unübersehbar.

Zumal weil Gütschows klassische Vorbilder, besonders für Landschaftsserien, ebenfalls in Dresden zu betrachten sind: ähnliche Fiktionen von Claude Lorrain oder Antoine Watteau.

Bildunterschrift:

Beate Gütschows C-Print "LS # 10" (2001, 116 x 169 cm) erinnert an ideale Landschaften der klassischen Malerei

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