Ausgabe: 05 / 2003
Seite: 128
Sammler als Institution
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Kunst lässt sich kaufen, Tatkraft nicht: Umso imposanter die Intensität, mit der sich der Hamburger Jurist Harald Falckenberg, 59, blitzgeschwind ins Hauptfeld deutscher Sammler katapultierte. Über 1200 Werke von rund 80 Künstlern aus zehn Ländern umfasst seine erst Mitte der neunziger Jahre begonnene, vom Start weg für die Öffentlichkeit bestimmte Kollektion aktueller Bilder, Objekte, Videos und Installationen. Schon ab 1996 dokumentierte er ihr Wachstum auf 2500 Quadratmetern einer verwinkelten Gewerbe-Immobilie am Hamburger Flughafen, dem inzwischen abgerissenen "Pump Haus". Über 4500 Quadratmeter verfügt Falckenberg seit 2001 auf dem Fabrikgelände der Phoenix-Werke im Vorort Harburg - Raum genug für ein ebenfalls großzügig präsentiertes "Lager" seiner Bestände, aber auch für Wechselausstellungen mit Werken junger Künstler. Resultat: Ein Privatmann wird Institution.
Auch mit diesem Buch baut Falckenberg als engagierter Essayist aus, was er als unersättlicher Kunstkäufer aufgebaut hat: die Position des ungefragt mitredenden Sammlers, der zwar nicht mit Museen konkurriert, aber sich polemisch erlaubt, der erfolgreichen Documenta 11 eine Dominanz theorielastiger Kontext-Kunst und abgeschmackten "Kolonialstil" vorzuwerfen. Lesenswerter sind seine klug und klar formulierten Bekenntnisse zu Richtungen wie Fluxus, Neo-Dada, Konzeptkunst oder Performance, deren Urheber (Addi Köpcke, Öyvind Fahlström, Emmett Williams) und Nachfolger (Jonathan Meese, John Bock, Jason Rhoades, Mike Kelley, Paul McCarthy) seine Sammlung immer nachhaltiger profilieren.
Harald Falckenberg: Ziviler Ungehorsam. Kunst im Klartext. Verlag Lindinger + Schmid, Regensburg. 184 S. mit 50 Abb. in Schwarzweiß. 17,80 Euro. Besichtigung der Sammlung Falckenberg: Tel. 040/28056088 oder 32506761
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