Im Herbst 1998 zeigte Klaus Biesenbach auf der Berlin-Biennale Künstler wie Jonathan Meese, John Bock, Monica Bonvicini und Thomas Demand. Zur gleichen Zeit begann in Leipzig das Comeback der Malerei. In wenigen Jahren hat sich die Kunstszene neu erfunden: Bilanz einer herrlich fruchtbaren Dekade

SILKE MÜLLER

Es war 1998 schon alles da, was die Berliner Kunstszene heute ausmacht, nur hatte noch keiner einen blassen Schimmer, wohin das so führen würde. Berlin war zwar voller Galerien, aber dennoch kein Handelsplatz. Hier wurden Künstler entdeckt, aber Kunst verkaufte sich kaum. Wertschätzung hing ein letztes Mal nicht vom Marktwert ab, ein allerletztes Mal.

Kuratoren rangen um Definitionsmacht, alle wollten das deutsche Kunstwunder ausrufen, jeder forderte das Copyright dafür ein: Klaus Biesenbach erfand die Berlin-Biennale und sorgte nach der Eröffnung der Kunst-Werke und der nomadischen Ausstellung "37 Räume" (1992) für einen weiteren Gründungsmythos der Kunstmetropole Berlin. In Wolfsburg, wo Kunst schon sehr früh als Konzernkapital geschätzt wurde, witterte Kunstmuseumsdirektor Gijs van Tuyl Morgenluft: 1999 öffnete er dort einen bunten Basar mit in Deutschland produzierten Arbeiten, und es kann kein Zufall sein, dass der Titel der Schau klang, als habe VW eine neue Golf-Sonderedition vom Band geschoben: "German Open". In der Tat sahen wir der Geburt einer internationalen Marke zu.

Fast zehn Jahre hatte es gedauert, bis sich aus dem Chaos im Nachwende-Berlin eine hochproduktive, straff hierarchisierte, lückenlos überwachte Kunstszene mit exakten Grenzen zwischen high und low, etabliert und off erhoben hatte. Das Galerienviertel war abgesteckt, die Künstler verteilt: Judy Lybke, Friedrich Loock, Bruno Brunnet und Nicole Hackert, Mehdi Chouakri und Matthias Arndt, Thilo Wermke und Alexander Schröder, alle waren sie schon da. Sogar Tim Neuger und Burkhard Riemschneider - auch wenn sie sich als Zugereiste aus West- Südwest im ersten Anlauf nur bis in den ehemaligen amerikanischen Sektor vorgewagt hatten. Und alle hatten ihre Mannschaften eindeutig erfolgreicher aufgestellt als Berti Vogts, dessen Team bei der Fußball- WM 1998 bereits im Viertelfinale rausflog.

Deutschland war reif für einen Weltmeistertitel, und er sollte auf dem Spielfeld der Kunst gewonnen werden. art mischte damals freudig mit. Schon 1997 riefen wir den "Planet Mitte" aus und stellten die jungen Galeristen in einer großen Fotostrecke samt Situationsbericht vor.

Herrlich unkomplizierte Zeiten! Die meisten waren so Ende 20, Anfang 30, und es ging gerade erst richtig los. Während die etwas Älteren immer von den Achtzigern schwärmten - "Wenn du dich daran erinnern kannst, hast du sie nicht erlebt!" - konnten wir in Berlin einfach die Kunstszene neu erfinden, und weiß Gott, wir erinnern uns heute gern daran.

1998 bezeichnete art die Hauptstadt als "Kunstlabor fürs neue Jahrtausend". Eher tastend als wissend. Nur einer war sich seiner Sache absolut sicher: Biennale-Gründer Klaus Biesenbach. "Die Kunstszene war 1998 wirklich reif für eine größere Ausstellung, Olafur Eliasson, Monica Bonvicini, Jonathan Meese, Thomas Demand, John Bock, Christoph Schlingensief, Ugo Rondinone, Manfred Pernice, Wolfgang Tillmans, alle hatten schon Jahre gearbeitet, und die Ausstellung konnte das gleichzeitig zusammenbringen.

Die erste Berlin-Biennale hatte übrigens fast keine Malerei." Auf vielen Doppelseiten hatte Fotograf Jens Ziehe die Künstler auf der Zielgerade zur ersten Berlin-Biennale inszeniert: Monica Bonvicini stand mitten auf dem Potsdamer Platz, auf dem zu jener Zeit noch verheißungsvoll die Kräne in den Himmel wuchsen. Schmal und picklig schaute der junge Jonathan Meese durch einen Perlenvorhang, John Bock hing kopfüber im Türrahmen, Manfred Pernice und Franz Ackermann sah man schon an, dass ihre Kunst kaum in ein Passepartout passen würde (art 10/1998).

Schwer zu sagen, wer von ihnen eigentlich die größte Karriere hingelegt hat. Mit Jonathan Meese, 39, bekam Deutschland auf jeden Fall das, was es, ohne es zu ahnen, am meisten vermisst hatte: einen zeitgemäß umdekorierten Nachfolger von Joseph Beuys, der, in Adidas-Jacke statt Anglerweste und Filzhut, mit schamanenhaften Auftritten eine materialfixierte, ihn und seine Anhänger in okkulter Gemeinschaft vereinende Mission erfüllt. Als er schließlich - und natürlich denken wir an das Gipfeltreffen von Andy Warhol und Joseph Beuys - im April 2007 vom amerikanischen Superstar Matthew Barney zu einem Performance- Duett eingeladen wurde, boten sich Spekulanten bei den folgenden Auktionen gegenseitig in Ekstase. Meese-Ölgemälde erzielten plötzlich sechsstellige Beträge.

Der andere irgendwie schon auf den ersten Blick Fragen aufwerfende Künstler aus dieser Reihe lehrt seit fünf Jahren Bildhauerei in Karlsruhe. John Bock, 44, schreibt die Idee der erweiterten Skulptur fort ins Theatralische - auch hier winkt Beuys aus der Fer ne. Doch sein Format ist nicht die Shakespearesche Königsdramenbühne, es ist das aufklappbare Kasperltheater, eine Welt aus klugen Plänen, Jungsgeräten und Missgeschick:

Buster Keaton im Orgien-Mysterien- Theater.

Das Internet-Lexikon Wikipedia listet ihn unter dem Begriff "deutscher Aktionskünstler", das hat was rührend Gestriges und setzt ihn zumindest begrifflich auf eine Ebene mit Partei-, Kirchen- und Opernhausgründer Christoph Schlingensief. Doch Bock ist kein Mann für Bayreuth, den Außenminister oder die "Tagesschau". Sein Wirken ist durch und durch antimonumental.

Dass seine dadaistischen Performances mit ihrem ureigenen Kosmos aus Budenarchitektur, absurden Apparaten, ekligen Flüssigkeiten, pseudowissenschaftlichen Formeln, hübschen Assistentinnen und künstlerischem Tatendrang durchaus ein breites Publikum unterhalten können, überraschte 2002 auf der Documenta 11. Da war er gerade mal "drei Jahre im Kunstbetrieb", wie er in einem Interview mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger erzählt - und so weit ab davon wie heute, aus dem Listenplatz im Ranking der meistgefragten Künstler irgendetwas Anstrengendes für sich abzuleiten.

Um 1998, als mit der Biennale die Aufmerksamkeit für sein Werk wuchs, musste er zumindest "nicht mehr den Kitt aus den Fenstern fressen". Wie sich sein Werk bis heute verändert hat? Bock: "Es wurde leckerer, aber mit hartem Biss in die Kruste. Marmelade gibt's bei mir nicht!" Dieser herzhafte Trip führt John Bock bis heute in große Institutionen und bedeutende Sammlungen. Wie kaum ein Zweiter seines Bekanntheitsgrads haben er beziehungsweise sein Galerist Martin Klosterfelde es dabei verstanden, eine Firewall gegen Spekulanten um das Werk hochzuziehen:

Im Auktionsgeschäft spielen Bock-Arbeiten eine unbedeutende Rolle. Vielleicht auch deshalb, weil sich niemand freiwillig wieder von ihnen trennt.

Der kollektiv zutreffende Begriff, ja geradezu die Gattungsbezeichnung für all das, was Meese und Bock so schaffensfreudig seit über zehn Jahren in die Welt entlassen, stammt ausgerechnet vom ruhigsten, in Deckung gegangenen Kollegen Manfred Pernice, 46. Seit fünf Jahren Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien, gab er vor einiger Zeit über seine Arbeit zu Protokoll, es handele sich um "einen Unsinnszusammenhang, eine unerträgliche Zumutung von Einzelaspekten". Das ist bisweilen nicht von der Hand zu weisen, aber als Definition taugt es auch zur Beschreibung von Meyers Lexikon.

Pernice, der mit seinen Installatio nen von vorgefundenen Dingen, Baustoffen und Architekturfragmenten eine große Nähe zur populären Abbruchästhetik des Nachwende- Berlin aufweist, wird bis heute als Spanplatten-Künstler abgestempelt. Das ist ungefähr genauso zutreffend wie die Aussage, Miles Davis habe Trompete ge spielt. Virtuosität gilt als verpönt, doch anders ist es kaum zu bezeichnen, wie Pernice seine Antiformen in immer feiner ausdifferenzierte Verhältnisse zueinander und zu den sie umgebenden Situationen montiert. Skulptur, die immer schon die Unmöglichkeit mitdenkt, etwas Neues, gar Schönes in diese Welt zu setzen. Und es dennoch schafft.

Die Erkenntnis, dass die Auseinandersetzung mit der schönen Form nicht zwingend schöne Formen hervorbringt, verwandelte Tobias Rehberger, 43, der bei Thomas Bayrle und Martin Kippenberger an der Frankfurter Städelschule studiert hat, in seine persönliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Seit 2001 ist er selbst Professor und stellvertretender Direktor an seiner einstigen Ausbildungsstätte.

Seine Gratwanderung zwischen Kunst und Design führte ihn zuletzt auf die venezianische Biennale, wo er für seine Gestaltung der Cafeteria einen Goldenen Löwen erhielt. Zwar möchte man sich in diesem Raum keine Minute aufhalten, aber es bräuchte ja auch keinen Künstler, um einen beschaulichen Ort zum Kaffeetrinken herzustellen; zumal in Venedig.

Rehberger ist wohl einer der etabliertesten Vertreter der kontextorientierten Kunst - eine Strömung, die bis auf wenige herausragende Vertreter verdunstete - und zwar proportional zum ansteigenden Aktienindex von dinghaft handelbarer Kunst made in Germany. Um 2000 herum war Schluss mit Kinder einbeziehen, Ausstellungsbesucher bekochen, Tauschbibliotheken installieren.

Plötzlich ging es um knallharte Markenstrategien, Galerieexpansion, aggressive Produktplatzierung, Preispolitik. Werke waren plötzlich "Blue Chips" - hochdotierte Aktien ohne Ironie. Okay, Tino Seghal durfte 2005 im deutschen Biennale-Pavillon in Venedig noch mal Aufseher singen und tanzen lassen. Doch im selben Raum störten 3-D-Aktien von Thomas Scheibitz die immaterielle Manifestation.

Scheibitz, 41, wurde zunächst als Maler be kannt und teuer, nach der Jahrtausendwende, als Malerei aus dem Osten Deutschlands eine Art Dax des deutschen Kunstmarkts bildete: Aus Dresden kamen Schei bitz, Frank Nitsche und Eberhard Havekost, aus Leipzig im Windschatten von Neo Rauch unter anderen die Maler Tilo Baumgärtel, Christoph Ruckhäberle, Matthias Weischer und David Schnell.

Die Ironie der Geschichte: Nicht die urbanen, multinationalen, am ins Endlose erweiterten Kunstbegriff operierenden Berlin- Mitte-Künstler haben diesen Superboom der deutschen Kunst entfacht, sondern die mit Paletten und Staffeleien hantierenden Anti-Beuysianer in Leipzig. Arno Rink, Malereiprofessor, Akademierektor und Lehrer von unter anderen Neo Rauch, drückte es gegenüber der "New York Times" einmal so aus: "Wenn sie nach einem Vorteil (der Teilung Deutschlands, Anm. d. Red.) fragen, so könnte man sagen, es ermöglichte uns, die Tradition von Cranach und Beckmann fortzuführen.

Es behütete die Kunst vor dem Einfluss von Joseph Beuys." 1997 gewann der Maler Neo Rauch den Preis der "Leipziger Volkszeitung" und, verbunden damit, eine Ausstellung im dortigen Museum der bildenden Künste. 2000 stellte er in der Galerie Zwirner in New York aus.

Der internationale Erfolg sorgte für eine - durch den Verstärker Judy Lybke ausgelöste - Rückkopplung an die Hochschule in Leipzig, kurz darauf waren die Maler der "Neuen Leipziger Schule" für Fachleute wie Joachim Pissarro, Kurator für Malerei und Skulptur am New Yorker MoMA "plötzlich das heißeste Ding auf der Welt".

So heiß, wie die Aktien der "New Economy", des "Neuen Marktes", um das Jahr 2000 kochten. Das Geld schien plötzlich aus dem Nichts zu kommen, und mit dem Platzen der Internetblase um 2001 wanderte das Kapital erst recht in die Galerien und Auktionshäuser: Den neuen Reichen hatte die Kunst das dringend benötigte Sozialprestige verschafft. Und nach dem Internet-Boom galten "Wandaktien" plötzlich als besonders wertbeständig, verglichen mit Beteiligungen an Dotcoms.

Heute, nach dem nächsten und folgenreicheren wirtschaftlichen Einbruch, sortiert sich das Geschäft wieder einmal völlig neu. So mancher Großkünstler muss sein mittelständisches Mal-Unternehmen seit Beginn der Wirtschaftskrise auf die ursprüngliche Ich-AG zurückschrumpfen, so mancher Galerist sitzt auf einem vollen Lager und einem Stapel unbezahlter Rechnungen, und viele Möchtegern-Sammler haben sich anderen Hobbys zugewandt.

Karrieren, die weniger hitzig ans internationale Marktgeschehen gekoppelt waren, verlaufen natürlich auch unbeeindruckter von den Fieberkurven der Weltwirtschaft.

Monica Bonvicini, 44, und Franz Ackermann, 46, arbeiten mit großer Beständigkeit und auf zuverlässig ästhetischem Niveau an ihren Themen - bei Bonvicini, die Performative Kunst und Bildhauerei an der Wiener Akademie lehrt, ist es der weibliche Blick auf die männliche Konnotation von Architektur und das soziale, gesellschaftliche und politische Verhältnis von Körper und Raum, und bei Ackermann die unheilvolle Kombination von Tourismus und Terrorismus.

Die inhaltliche Orientierung ermöglicht beiden einen Spagat zwischen sich selbst fortschreibender Ästhetik und permanenter thematischer Aktualität.

Ackermann lehrt seit 2001 an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, ist als Künstler ein Reisender mit leichtem Gepäck und hat mit seinen raumfüllenden Installationen aus Wandgemälden, Aquarellen und Objekten eine Werk-Identität entwickelt, die Kuratoren und Sammler gleichermaßen schätzen. Bonvicini, die so radikal Architekturkritik und Feminismus zusammenbringt und mit ihren fetischhaften Materialien und Objekten die Ästhetik der Minimal Art skandalisiert, stellt seit 2002 so zuverlässig immer irgendwo eine Arbeit aus wie die "Tagesschau" Nachrichten sendet. Mithin eine Institution.

Auch die Karriere von Klaus Biesenbach, 43, lohnt einen zweiten Blick: Mitte der Neunziger baut er seine persönliche Achse Berlin - New York auf, organisiert Ausstellungen im P.S.1 und in den Kunst-Werken, sorgt für eine überdurchschnittliche Präsenz der Berliner Kunstszene in der Hauptstadt des Kunsthandels. Der Ausbau und internationale Ruf der Kunst-Werke sind sein Werk; die Biennale verliert schnell an Renommee, als er sie schon in der zweiten Auflage an Gastkuratoren abgibt; die Aura der Kunst-Werke verblasst, als Biesenbach 2004 ganz nach New York geht. Dort, am Museum of Modern Art (MoMA), wird er Chefkurator der neu gegründeten Abteilung für Film und Medien. Nach oben ist da nicht mehr viel Luft. Aber vielleicht zur Seite, geografisch betrachtet - in Richtung Berlin?

Biesenbach, der Mann mit Mission, polarisierte in den Neunzigern, seine Kontakte zu Politikern vom ehemaligen Kultursenator Berlins Peter Radunski bis hin zur damaligen Vize-Präsidentin des Bundestages, der Grünen Antje Vollmer, wurden kritisch beäugt, seine Erfolge riefen Neider auf den Plan, sein Desinteresse an der marktstarken Malerei missfiel etlichen Galeristen. Doch einen überzeugenderen und wirkungsvolleren Promoter für deutsche Kunst und die Kunstmetropole Berlin hat es seit den Neunzigern nicht gegeben. Dafür müsste ihm Kulturstaatsminister Bernd Neumann eigentlich ein Sonderhonorar nach New York überweisen - oder ihn besser noch nach Berlin zurücklocken:

Vielleicht mit der Gründung der von Biesenbach eingeforderten Institution:

"Heute gilt Berlin als die Stadt mit den meisten Künstlerateliers und der größten Kunstproduktion weltweit neben New York.

Produktionsmittel, Ateliers et cetera sind immer noch superpreiswert, und die Lebensqualität ist hoch. Was fehlt ist eine Kunsthalle, die etwas zentraler als die Kunst-Werke als Schaufenster funktioniert, wo aber die Kunst noch nicht wie im Hamburger Bahnhof in der Sammlung geparkt ist." Silke Müller war von 1994 bis 2006 art-Redakteurin, zuletzt stellvertretende Chefredakteurin, und leitet heute das Kulturressort des "Stern"

FOTOS: JENS ZIEHE

Bildunterschrift:

September 1998 Die italienische Künstlerin Monica Bonvicini posiert für art am Potsdamer Platz - zu dieser Zeit noch im Bau

September 2009 Bonvicini ist mittlerweile international berühmt und lebt noch immer in Berlin. Der Potsdamer Platz ist längst fertig gebaut

Unter dem Titel "Planet Mitte" berichtete art im November 1997 über die jungen Galeristen im Berliner Scheunenviertel. Von oben:

Nicole Hackert und Bruno Brunnet, "Contemporary Fine Arts"; Alexander Schröder (vorn) und Thilo Wermke, "Galerie Neu"; Gerd Harry Lybke, "Eigen + Art"

Fast zehn Jahre dauerte es, bis sich aus dem Chaos des Nachwende-Berlin eine hochproduktive, straff hierarchisierte Kunstszene mit exakten Grenzen zwischen high und low erhoben hatte

Oben: Friedrich Loock sitzt 1997 im Fenster seiner "Wohnmaschine" in der heute legendären Auguststraße in Mitte; Burkhard Riemschneider (links) und Tim Neuger, Gründer von "neugerriemschneider", residieren in dieser Zeit noch in Charlottenburg

Im Vorfeld der Berlin-Biennale 1998 porträtierte art die teilnehmenden Künstler - damals waren die meisten Ende zwanzig, Anfang dreißig. Von oben: der Maler Franz Ackermann, der Performancekünstler John Bock und der Installationskünstler Tobias Rehberger, der 2009 einen Goldenen Löwen auf der Venedig-Biennale gewann

Eine Generation auf dem Sprung: Manfred Pernice ließ sich für art auf dem SFB-Gebäude (heute RBB) porträtieren, Jonathan Meese in einer seiner von Bildern gefluteten Rauminstallationen

Heute, in der Krise, sortiert sich das Geschäft wieder einmal völlig neu. So mancher Großkünstler muss sein mittelständisches Mal-Unternehmen nun wieder auf die ursprüngliche Ich-AG zurückschrumpfen

Erweitertes Kuratorenteam der ersten Berlin-Biennale. Von links: Klaus Biesenbach, Ulrike Kremeier, Hans-Ulrich Obrist, Nancy Spector, Douglas Gordon, Miriam Wiesel, Jens Hoffmann, Daniel Haaksman

"Heute gilt Berlin als die Stadt mit den meisten Künstlerateliers und der größten Kunstproduktion weltweit neben New York", sagt der Pionier Klaus Biesenbach

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