Der Deutsche baut zur Premiere der neuen Ausstellungsreihe "Monumenta" Häuser in das Pariser Grand Palais PARIS: MONUMENTA. ANSELM KIEFER

Wenn ich auf meinen Reisen Gebäude gesehen habe, habe ich mir immer vorgestellt, wie ich darin arbeiten würde. Ganz in diesem Sinne sehe ich das Grand Palais für eine bestimmte Zeit als mein Atelier an." Der Künstler, der so einnehmend das historische Monument für sich in Anspruch nimmt, ist der Deutsche Anselm Kiefer.

Der Wahlfranzose, der sich vor rund 13 Jahren in der Nähe der Renaissancestadt Barjac im nördlichen Teil der Provence niedergelassen hat, eröffnet eine neue, vom französischen Kultusministerium angeregte Ausstellungsreihe, die den Namen "Monumenta" trägt. Sie ist die jüngste Initiative im Bemühen, der zeitgenössischen Kunst in Paris ein breiteres Darstellungsfeld zu ermöglichen.

Das neue "Rendezvous mit der Kreation unserer Epoche", wie die Veranstalter es nennen, wird von jetzt an jedes Jahr einen lebenden Künstler von internationalem Ruf die Möglichkeit geben, unveröffentlichte Werke in einer Einzelausstellung zu zeigen. Für die kommenden Jahre wurden Richard Serra und Christian Boltanski verpflichtet.

Obwohl der Titel "Sternenfall" bereits darauf hinweist, dass Kiefer hier seine langjährigen Studien des Kosmos verarbeitet hat, will er die genaue Deutung seines Ausstellungstitels den Besuchern überlassen. "Das Wort Sternenfall hat ganz viele Bedeutungen. Es gibt das Märchen Sterntaler, dann Rilke, die entstellten Sterne, und man denkt bei Sternenfall natürlich auch an den Fall der Engel. Es ist ein weites Thema, in dem ich keine Antworten und auch keine Interpretationen vorgeben werde." Jedoch, so gesteht der 62-jährige Künstler ein, will er auch daran erinnern, dass man im Grand Palais den Sternen und auch dem Kosmos ganz nahe ist. Die Kuppelarchitektur der Halle wird er im Ausstellungskonzept aufgreifen. "Ich werde in das Grand Palais Häuser bauen mit jeweils einem Loch für das Oberlicht. Ich benutze die Kuppel des Grand Palais sozusagen als Regendach und erinnere daran, wo wir sind." Die sieben in der Ausstellung gezeigten Betonhäuser, deren Ausmaße bis zu 20 Meter Länge erreichen können, seien ein Abbild seines Anwesens in Barjac, wo Anselm Kiefer inzwischen 45 Häuser für sei ne Werke gebaut hat. "Da ich oft unzufrieden war mit der Platzierung meiner Werke in Sammlungen oder in Appartements, bin ich dazu übergegangen, jedem Bild oder jeder Skulptur ein Haus zu geben.

Ein Bild braucht einen Raum, wo es wirken kann. Es kann nicht einfach zusammengesteckt werden mit anderen Dingen." In der Ausstellung "Sternenfall" werden in manchen Häusern 50 Bilder zu sehen sein, in anderen wird nur ein Bild gezeigt. Ein Haus wird "Palmsonntag" heißen. Dort sieht man ein Bild mit einer großen, abgestorbenen Palme. Ein anderes Bild heißt "Nebelland hab ich gesehen, Nebelherz hab ich gegessen". Kiefer:

"Das ist ein Gedicht von Ingeborg Bachmann.

Dort zeige ich eine große zerfallene Pyramide, unter deren Steinen ein Mensch liegt. Das bin ich selbst in einer meditativen Haltung." Die ausgestellten Werke sieht Kiefer als Spiegelbild der Themen, mit denen er sich aktuell beschäftigt. Gedichte von Ingeborg Bachmann und Paul Celan gehören - wie so oft - dazu, aber auch der Kosmos sowie das Werk "Die Himmelspaläste", benannt nach der altjüdischen Schrift Sefer Hechaloth. "In dem Buch ist die Rede von der Fahrt durch die Paläste und das Hinuntersteigen in das eigene Selbst", sagt Kiefer. "Insofern ist der Sternenfall auch die Darstellung, sich in den Kosmos zu begeben und dabei sich selbst zu erkennen."

Termin: 31. Mai bis 8. Juli. Katalog: 40 Euro.

Internet: www.monumenta.com

BARBARA MARKERT

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