Ausgabe: 04 / 2012

Viel Lärm um Dürer

MUSEEN Bayrische Politiker blamierten sich im Streit um die Ausleihe von Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock"

Boris Hohmeyer

Museumsalltag: Für die im Mai startende Ausstellung "Der frühe Dürer" (ab 24. Mai, großer Bericht in der nächsten Ausgabe) hätten die Kuratoren des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gern das "Selbstbildnis im Pelzrock" aus der Münchner Alten Pinakothek geholt.

Die Kollegen dort lehnten ab. Dergleichen geschieht hundertfach, die Öffentlichkeit hört nichts davon. Dieser Fall aber geriet zum Politikum. Der Nürnberger Bürgermeister Ulrich Maly bat den bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer um Hilfe, Landesfinanzminister Markus Söder - nicht zuständig, aber gebürtiger Nürnberger - kündigte vollmundig an, die Bedenken würden "von den staatlichen Stellen überstimmt", und schließlich forderten alle Fraktionen im Landtag die Herausgabe des Gemäldes. Alte Gräben zwischen den Landesteilen brachen auf; fränkische Patrioten klagten, das Bild sei 1805 als "Beutekunst" nach München gekommen, was Kunsthistoriker bezweifeln. Doch Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, blieb hart: Das Selbstporträt dürfe den Schaubestand nicht verlassen. Wie richtig das war, zeigte sich Wochen später. Eine gemeinsame Untersuchung durch Münchner und Nürnberger Restauratoren ergab, die Holztafel sei "fragil, das Schadensbild der Malschicht weit fortgeschritten", ein Transport in die Heimatstadt Dürers nicht zu verantworten; dort zog man das Leihgesuch zurück.

Auch ohne diesen Befund hätte Schrenk kaum nachgeben können, sobald die Politik sich erst einmal eingemischt hatte:

Denn gelänge es Regierung und Parlamentariern, sich als Museumslenker zu profilieren, bliebe das kein Einzelfall. Dass über die Bestände nur die verantwortlichen Fachleute entscheiden dürften, betonten Stellungnahmen vom Verband der Restauratoren, aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - wobei letztere selbst schon in der Kritik standen, weil sie sich fragile Werke wie Raffaels "Madonna von Foligno" und Matthias Grünewalds "Stuppacher Madonna" hatten schicken lassen.Im Fall Dürer hat die Autonomie der Museen gesiegt.

Verloren haben die Politiker, die im bayerischen Vorwahlkampf lernen konnten, warum sie bei Ausstellungsplanungen normalerweise keiner fragt.

Bildunterschrift:

Bleibt an seinem Platz in der Alten Pinakothek:

Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" von 1500

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