Ausgabe: 04 / 2012

Stelenwald aus lauter Klängen

Ein "riesiges Thema": Musik und Geräusche in der bildenden Kunst

ADRIENNE BRAUN

Man kann Schallplatten abspielen. Man kann sie aber auch verbiegen, verformen, zerschneiden oder bemalen. Künstler haben die gute alte Platte schon ordentlich malträtiert und damit bewiesen: Sie ist mehr als nur ein Tonträger. Das Medienmuseum im ZKM in Karlsruhe hat sich ein "riesiges Thema" vorgenommen, wie es die Ko-Kuratorin Julia Gerlach nennt. Die Ausstellung "Sound Art" widmet sich dieser Spielart.

Rund 70 Videos, Skulpturen, interaktive Environments, akustische Bilder und Installationen führen vor, welche Rolle Musik und Geräusche in der bildenden Kunst spielen.

Den Anfang machen im ZKM die Futuristen, die Geräusche zur Kunst erklärten. "Das Geräusch ist musikfähig geworden", so Gerlach.

Das futuristische Manifest, noch traditionell als Buch verfasst, soll das dokumentieren.

Doch die Schau will auch Hörerlebnisse bieten. So hat der Niederländer Edwin van der Heide Lampen an die Decke gehängt und mit Sound verbunden, so dass der Besucher wie durch einen Stelenwald aus Klängen läuft.

"Das Feld der Klangkunst ist breit", sagt Gerlach, wobei es im wesentlichen um Arbeiten geht, die "visuelle und akustische Komponenten verzahnen". Eine Schlüsselfigur ist für sie der kürzlich gestorbene deutsche Klangkünstler Rolf Julius. Das ZKM zeigt einen Teil seines Ateliers. "Er hat Pigmente, Steine, Klänge, Lautsprecher wie eine Assemblage arrangiert", sagt Gerlach, "und trennt dabei nicht, was klingt und was man sieht." Der US-amerikanische Komponist Alvin Lucier hat Papier auf einen Rahmen gespannt und so vor einem Lautsprecher platziert, dass die Schallwellen es in Schwingungen versetzen und die Klänge hör- und sichtbar sind. Der Brite Max Eastley setzt bei seinen Klangzeichnungen dicke Drähte mit Motoren so in Schwingungen, dass sie über Papier kratzen und gleichzeitig Geräusche und Zeichnungen erzeugt werden. So wird es viel zu hören und zu sehen geben, wobei für Gerlach ein wichtiger Aspekt der Klangkunst deren Gegenteil ist: die Stille.

Der Katalog zur Ausstellung wird erst 2013 bei MIT Press erscheinen

Kasten:

17.3.- 6.1.13 Sound Art. Klang als Medium der Kunst Karlsruhe, ZKM

Bildunterschrift:

La Monte Young, Marian Zazeela und The Just Alap Raga Ensemble:

Live-Performance (2008)

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