Ausgabe: 04 / 2012

Pionier aus dem Hintergrund

Der venezianische Maler, ein Meister voll Menschlichkeit und Sensibilität

Petra Bosetti

Er war zu Lebzeiten ein großer Anreger der venezianischen Frührenaissance, der Neuerungen in die Malerei einführte und gleichberechtigt neben Renaissance-Heroen Giovanni Bellini oder Vittore Carpaccio stand. Die sind heute allerdings populärer als Giovanni Battista Cima (um 1460 bis 1517/18), der nach seinem am Fuß der Dolomiten gelegenen Heimatort Conegliano benannt wird. Das Musée du Luxembourg in Paris erinnert nun mit einer Werkschau an den Maler, in deren Zentrum vor allem große Altarbilder stehen, die bisher nie au- ßerhalb Italiens zu sehen waren. Cima hatte seine provinzielle Heimatstadt 1489 verlassen, lebte zunächst drei Jahre in Vicenza und ließ sich dann in Venedig nieder. Nach einer Lehre bei Bartolomeo Montagna geriet er unter den Einfluss von Antonello da Messina und Giovanni Bellini. Schon bald löste sich Cima von der vorherrschenden monumentalen Strenge seines Lehrmeisters Montagna. Die Heiligen, Madonnen und Christuskinder stellte er stattdessen mit inniger Sensibilität und tiefer Menschlichkeit dar, in den Gesichtern spiegeln sich Gefühle und Stimmungen wider.

Auch überwand Cima den üblicherweise hermetischen Bildgrund und bettete die religiösen Szenen in sorgfältig gestaltete Hintergründe ein, die weite und detaillierte Einblicke in blühende Landschaften und die meist sonnendurchflutete Atmosphäre erlauben.

Auch auf dem Gebiet der Maltechnik gehörte Cima zu den Pionieren: Er benutzte statt der wasserlöslichen Tempera die Ölfarben, mit denen vor allem der Flame Jan van Eyck (um 1390 bis 1441) im 15. Jahrhundert eine künstlerische Revolution angeregt hatte.

Der Katalog zur Ausstellung kostet 39 Euro

Kasten:

5.4.- 15.7.

Cima - Meister der venezianischen Renaissance Paris, Musée du Luxembourg

Bildunterschrift:

Bild voll Sensibilität und Menschlichkeit: "Madonna mit Kind" (1504, 66 x 57 cm)

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