Ausgabe: 05 / 2011

Schaumgeborenes Nichts

Der in New York lebende Künstler entlarvt mediale Inszenierungsstragien

9.5.-1.10. Paul Pfeiffer München, Sammlung Goetz

Cornelia Gockel

Blassblau spannt sich ein wolkenloser Himmel über den Ozean. Wellen spülen weiße Gischt an den Strand. Aber irgendetwas irritiert an den traumschönen Landschaften, die Paul Pfeiffer in seiner Fotoserie "24 Landcapes" (2000) entfaltet. Sie basieren auf George Barris' letzten Aufnahmen von Marilyn Monroe am Strand von Santa Monica. Doch Pfeiffer hat die Schauspielerin als zentrale Figur digital ausradiert. Zur ück bleibt die überwältigende Naturkulisse, in der sie Barris als schaumgeborene Liebesgöttin in Szene setzte. Paul Pfeiffer beschäftigt sich mit den Inszenierungsstrategien der Mediengesellschaft und legt diese in seinem Werk offen. Bekannte Fotografien und Filmsequenzen verändert er durch digitale Bearbeitung so, dass sie uns vertraut und gleichzeitig fremd erscheinen. Die Sammlung Goetz stellt den 1966 in Honolulu geborenen, auf den Philippinen aufgewachsenen und in New York lebenden Künstler in einer umfassenden Ausstellung vor. Zu sehen sind Videos, Fotografien, Skulpturen und Installationen aus der Zeit von 1998 bis heute, die um Themen wie Pop, Sport und Spielfilm kreisen. Bekannt wurde Pfeiffer durch seine dreiteilige Serie "The Long Count (Rumble in the Jungle)" (2001), in der er die legendären Boxkämpfe von Muhammad Ali thematisiert. Auch hier hat er die zentralen Figuren, die Kämpfenden, mittels digitaler Bildbearbeitung aus den Originalaufnahmen eliminiert und die Aufmerksamkeit auf die Rahmenhandlung gelenkt. Für sein Werk wurde Pfeiffer im Jahr 2000 mit dem mit 100 000 Dollar dotierten Kunstpreis des Whitney Museum ausgezeichnet.

Viele seiner Arbeit zielen auf unser Bildged ächtnis. An einen Horrorfilm erinnert das großformatige, leicht unscharf projizierte Filmbild aus einer Überwachungskamera in der Videoinstallation "Dutch Interior " (2001). Licht fällt durch die Eingangstür in ein Treppenhaus und wirft geisterhafte Schatten an die Wände. Doch ein Blick durch das Spionglas in der Projektionswand legt erneut die Inszenierungsstrategie offen: Das observierte Objekt ist kein Geisterhaus, sondern eine niedliche Puppenstube.

Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag (35 Euro)

Bildunterschrift:

Still aus Pfeiffers Video "Caryatid (2009)", das einen zu Boden gegangenen Sportler zeigt

Abo