Ausgabe: 05 / 2011

Angriff auf ein Imperium

Protest Auf der Großbaustelle des Guggenheim Museum in Abu Dhabi sollen ausbeuterische Arbeitsbedingungen herrschen - Künstler rufen zum Boykott auf

Claudia Bodin

Wiederholt hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch seit 2009 die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf der Großbaustelle des Guggenheim Museum in Abu Dhabi angeprangert. Die palästinensisch-amerikanische Künstlerin Emily Jacir und ihr libanesischer Kollege Walid Raad organisierten einen Protest und forderten schon 2010 das Museum auf, beim Bau der imposanten arabischen Zweigstelle für die Wahrung der Menschenrechte zu sorgen. Treffen mit Guggenheim-Direktor Richard Armstrong wurden abgehalten. Doch als die Künstler das Gef ühl hatten, dass sich die Situation der Arbeiter nicht deutlich verbesserte, nutzten sie die jüngste Kunstmesse Art Dubai, um das Guggenheim öffentlich mit schlechter Publicity zu blamieren.

Inzwischen haben mehr als 1000 Kunstschaffende wie die aus dem Nahen Osten stammenden Künstlerinnen Shirin Neshat und Mona Hatoum sowie westliche Vertreter wie Barbara Kruger, Thomas Hirschhorn, Hans Haacke oder Katharina Sieverding einen Boykott-Aufruf unterzeichnet. "Denn Künst- ler sollten nicht darum gebeten werden, ihre Arbeiten in Gebäuden auszustellen, die auf dem Rücken von ausgebeuteten Arbeitern errichtet wurden", erklärt der in New York lebende Medienkünstler Raad. Von Jobvermittlungsgeb ühren in Höhe von bis zu 4100 Dollar, die viele der aus den ärmsten Gegenden Bangladeschs, Indiens, Pakistans und Sri Lankas kommenden Gastarbeiter in Abu Dhabi abzahlen müssen, ist die Rede, von Niedriglöhnen und von 12-Stunden-Schichten unter extremen klimatischen Bedingungen. Die Künstler fordern nun die Rückzahlung dieser Gebühren an die Arbeiter und den Einsatz von unabhängigen Beobachtern zur Wahrung der Menschenrechte. Bis dahin weigern sie sich, der Guggenheim-Filiale Werke zu leihen und wollen Ankäufe verhindern.

Dieser Boykott könnte die Guggenheim Foundation, die gerade die Sammlung für Abu Dhabi aufbaut, schmerzlich treffen. So reagiert die Museumsspitze mit einer langen Erklärung und pries angebliche Verbesserungen der Situation. "Fundamentale Veränderungen der seit Jahrzehnten in den Emiraten üblichen Arbeitspraktiken sind durch ausdauernde, hartnäckige Bemühungen erreicht worden", versichern Armstrong sowie seine Stellvertreterin Nancy Spector. Gleichzeitig warnen beide: Die üble Publicity würde diesen Fortschritt nur gefährden und schlechtes Licht auf das Guggenheim werfen. Neben der von Frank O. Gehry entworfenen Guggenheim -Filiale werden auf der zur Stadt Abu Dhabi gehörenden Saadiyat-Insel von Architekten wie Zaha Hadid, Norman Foster und Jean Nouvel vier weitere Museen und andere Gebäude errichtet. Anders als die Künstler aber scheinen sich die Baumeister an den Bedingungen, unter denen 15 000 Arbeiter hier schuften, nicht zu stören.

Bildunterschrift:

Extreme klimatische Bedingungen: Baustelle auf Saadiyat, Abu Dhabi

In großen Containersiedlungen sind die Gastarbeiter untergebracht

Schon 2013 soll die von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim-Filiale (links vorn/Simulation) auf der Saadiyat-Insel fertig sein

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