Ausgabe: 05 / 2011

Komik und Melancholie

Die Werkschau zeigt 140 Aufnahmen des berühmten Magnum-Fotografen

8.5.-11.9. Elliott Erwitt Oberhausen, Ludwiggalerie, Schloss Oberhausen

Andrea Henkens

Er meine es ernst damit, nicht ernst zu sein, sagt Elliott Erwitt, der vor allem durch seine humorvollen Hundefotos und Momentaufnahmen berühmt geworden ist: "I am serious about not being serious." Als Sohn russischer Emigranten wurde der US-amerikanische Reportagefotograf 1928 in Paris geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Italien und Frankreich. 1939 emigrierte die Familie in die USA, zunächst nach New York, später nach Los Angeles. "Ich wurde zu einem Voyeur, ich streifte durch ganz Hollywood und Santa Monica, setzte mich irgendwohin und fotografierte, was ich sah. Ich wusste ganz genau, dass ich Fotograf werden wollte", sagt Erwitt, der heute mit seiner vierten Frau in New York lebt und seit den siebziger Jahren neben Fotos auch Bücher, Essays, Illustrationen, Werbung und Filme produziert hat. Während seines Studiums an der New School for Social Research lernte er hier die großen Fotografen Edward Steichen, Roy Stryker und Robert Capa kennen, die zu Mento- ren wurden. Capa lud ihn in die Fotoagentur Magnum ein, deren Präsident Erwitt 1968 wurde und wo er bis heute aktives Mitglied ist. Aktuell sind in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen rund 140 seiner Fotografien zu sehen, die Einblick in alle Werkphasen geben. Sie zeigen Hunde, Kinder, Spaziergänger, Nackte, Museumsbesucher oder Liebende - niemand ist vor seinem humorvollen Blick sicher. Mit Porträts von Marilyn Monroe, Che Guevara oder Jackie Kennedy hängt Zeitgeschichte neben komischen Alltagsszenen. Darunter etwa ein Schnappschuss, auf dem eine Bulldogge durch die gewählte Perspektive den Kopf des Menschen ersetzt, auf dessen Schoß sie sitzt.

Der Kuratorin der Schau, Christine Vogt, gefallen besonders die minimalen Fotos, "auf denen eine Struktur erkennbar ist", wie beispielsweise eine Aufnahme von 1975, die einen Vogel auf einer Straßenlaterne und ein Flugzeug im Hintergrund zeigt. Auch die von Erwitt 1995 fotografierten Museumsbesucher, wie sie etwa im Prado in Madrid vor Manets "Olympia"-Gemälde stehen, gehören zu ihren Favoriten.

Zu sehen sind Bilder, über die man lachen kann, ohne dazu aufgefordert zu werden.

Sie transportieren die Komik des Alltags, des Moments, der Gesten und Mienen. Es sind Augenblicke, die es dem Betrachter schwer machen, die Welt ernst zu nehmen, und trotzdem einen Funken Melancholie enthalten.

Zur Ausstellung erscheint ein Booklet (4 Euro)

Bildunterschrift:

Um was für ein Wesen es sich wohl bei Felix handelt? Erwitts "Felix, Gladys und Rover", aufgenommen 1974 in New York

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