Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 22-32
Wien rockt! - WienerJugendStyle
Von Almuth Spiegler, Peter Rigaud
Ist Wien das neue Berlin? Fast jeden Monat eröffnen Künstler, Kuratoren und Sammler neue Kunsträume, die Szene ist so politisiert, frech und international wie nie zuvor. art-Korrespondentin Almuth Spiegler und Fotograf Peter Rigaud besuchten die wichtigsten jungen Künstler und machten einen Rundgang durch den wilden Underground von Wien
Auf plakativen Collagen wurde der Kapitalismus angeprangert, in Videos die Zeichensprache der Basisdemokratie vorgetanzt, am Schillerplatz ein riesiges Dollarzeichen auf den Boden gezeichnet, die Aula mit widerständigen Installationen besetzt - und der Rektor während einer Pressekonferenz mit Papierkugeln beschossen: Eigentlich brauchte es niemanden zu wundern, dass die Kernzelle der großen Studierenden-Proteste voriges Jahr gerade auf der Akademie der bildenden Künste Wien zu finden war. Die junge Wiener Kunstszene ist so aktiv und politisiert, wie sie es seit der Nachkriegszeit noch nie war. Ob sie nun demonstrieren geht. Oder in den Swingerclub. Als Reaktion auf Christoph Büchels Verlagerung eines Swingerclubs in die heiligen Hallen der Secession hat eine Gruppe Studierender vorwiegend von der Universität für angewandte Kunst Wien spontan die leer stehenden Originalräumlichkeiten des Sexclubs für eine Gruppenausstellung genutzt.
Die Wiener Gemütlichkeit scheint zurzeit tatsächlich von so etwas wie fiebriger Hektik unterlaufen zu werden: Fast jeden Monat eröffnet ein Künstler, ein Kollektiv oder ein Sammler einen neuen Off-Space: in Kellern, Altbauwohnungen, ehemaligen Blumengeschäften, ja sogar im Stammbeisl der Szene, dem "Café Anzengruber", wird eine Biennale organisiert. Jeder günstige Quadratmeter scheint genutzt zu werden, um die Produktion der wachsenden, immer internationaleren Künstlerschaft sichtbar zu machen.
Und, um gemeinsam zu kochen und zu feiern wie in der "Praterstraße 48" oder in Flora Neuwirths "clubblumen". Diskurs wird in Wien zwar schon seit den neunziger Jahren, seit der Konzeptkunst-Welle rund um Heimo Zobernig und Sabine Breitwiesers Generali Foundation, groß geschrieben, für viele Zugereiste sogar außergewöhnlich ernst genommen. Das Essen, vor allem aber das Trinken, wird darüber aber trotzdem nie ganz vergessen.
Im Juni galt als "neuester Space" noch ein charmanter, lichtdurchfluteter Ziegelbau, Teil einer ehemaligen Schmiede in einem Hinterhof im ewig aufstrebenden zweiten Bezirk. Doch das Prädikat kann binnen Tagen wieder weiterwandern. Der Besitzer, Alois Bernsteiner, dagegen ist eines der langlebigsten Faktoten der Wiener Szene, der "Handwerker mit Kunst-Vogel" ist frische 60. Was ihn nicht davon abhält, die junge Szene genau zu verfolgen. Er betreibt gemeinsam mit dem Künstler Martin Vesely sogar noch einen zweiten Kunstraum, einen der beliebtesten Off-Spaces der Stadt, das "Ve.Sch". Ob es wie "fesch" oder "Wäsch" ausgesprochen wird, bleibt so Wienerisch wie offen. Wie das meiste hier vor allem offen bleiben soll in dem dunklen Souterrain- Zwitter aus Kunstraum und Bar im "Rücken der Schleifmühlgasse" (Vesely), immerhin einem der schicksten Wiener Galerienviertel, in dem Georg Kargl, Ga briele Senn, Christine König residieren. Und wo in den vergangenen zwei Jahren schon mehrere kleine Räume angedockt haben. Die junge Fotogalerie "Momentum" etwa. Oder das künstlerbetriebene "flat 1". Ungefähr 15 "Off-Spaces", schätzt Rita Vitorelli, gebe es derzeit in Wien. Was die Künst lerin, Herausgeberin des jungen Kunst magazins "spike" und Kuratorin "sehr sehr viel" findet. Lisa Ruyter, in Wien hängen gebliebene US-amerikanische Malerin, kommt in einer inoffiziellen Liste auf einige mehr (ihren eigenen neuen Raum, den sie im Herbst eröffnen will, noch gar nicht dazugezählt).
Woher aber kommt diese - durch Subventionen von Bund und Stadt zumindest teilfinanzierte - Selbst-Aktivierung der jüngeren Kunstszene in den vergangenen zwei Jahren? "Es setzt sich bei den Hausbesitzern immer mehr durch, dass kulturelle Zwischennutzung attraktiv sein kann", meint etwa Elsy Lahner, die 2007 mit Kuratorin-Kollegin Alexandra Grausam das umherziehende "weisse haus" gegründet hat. Mittlerweile schon eine Institution, für deren Ausstellungsprogramm jährlich 300 Künstler aus 50 Ländern einreichen. Zurzeit logiert man feudal auf zwei Stockwerken eines Innenstadt-Altbaus. An ähnlich nobler Adresse residiert "COCO" ("Contemporary Concerns" - Ausstellungen, Theorie, Bar), ein 2009 von Jung-Kurator Severin Dünser und Künstler Christian Kobald eröffneter kleiner Kunstverein. Hier am Bauernmarkt, einen Steinwurf nur entfernt vom Stephansplatz, stellt der Immobilienentwickler und Sammler Martin Lenikus in zwei renovierungsbedürftigen Häusern jungen Künstlern Ateliers zur Verfügung, eine Art bunte Künstler-WG mit hauseigener Bar sozusagen.
Nur die Stromkosten sind zu zahlen.
Derlei gute Stimmung, ein gut dotiertes staatliches Artist-in-Residence-Programm sowie Lehrbeauftragte wie Monica Bonvicini, Daniel Richter, Pawel Althamer, Diedrich Diederichsen an den Kunstunis locken junge Künstler aus ganz Europa nach Wien, vor allem aus Osteuropa und Deutschland.
Und sie schafften sich ihre Ausstellungsmöglichkeiten eben selbst. Denn die Galerienszene ist für eine 1,7-Millionen-Stadt zwar beachtlich, aber recht unbeweglich.
"Das Verhältnis zwischen den alteingesessenen, etablierten Galerien und den von einer jüngeren Generation geführten ist extrem unausgewogen", meint auch Vitorelli. In den letzten acht Jahren gab es nur vier auf internationalem Niveau arbeitende Neuzugänge:
Layr Wuestenhagen, Andreas Huber, Dana Charkasi und Karol Winiarzyk, der einst bei Thaddaeus Ropac gearbeitet hat und gerade vom trashigeren zweiten Bezirk in das etablierte Galerienkonglomerat Eschenbachgasse übersiedelt. Sein Programm ist auch ein Beleg der neuen Internationalität Wiens - von neun Künstlern, die alle hier leben, kommen nur zwei aus Österreich, die anderen aus Frankreich, Deutschland, Bulgarien, Kanada, der Schweiz. Viele bleiben nach dem Studium einfach hier hängen. Es ist in Wien eben weniger hektisch und geschäftig als in London oder New York, man hat mehr Ruhe zum Arbeiten, und man fühlt sich nicht nur als einer unter Tausenden wie in Berlin, ergibt eine kleine Umfrage.
Ist Wien also die heimliche junge Kunsthauptstadt Europas? Das Potenzial wäre jedenfalls vorhanden. Aber "in Wien wird immer alles gerne heruntergespielt", befindet Esther Stocker. "In Brüssel, wo ich gerade war, sagen sie tatsächlich schon, wir seien das neue Berlin." Ausstellung: "where do we go from here?", bis 29.
August in der Wiener Secession. Katalog: Deutsch/ Englisch, 25 Euro
Judith Fegerl Die Steckdosen im Kunstraum Niederoesterreich hat Judith Fegerl, 33, schon herausgenommen, die Elektrokabel kringeln sich wie Tentakel aus den Löchern.
Den Kabelsalat aus den Bodendosen - Anschlüsse für Internet, Video, Audio - hat sie adrett gebündelt und kurzgeschlossen.
Damit die darin noch gefangenen Datenreste "ein bisschen miteinander spielen" können, wie sie es ausdrückt.
Noch nie war dieser Hightech- Raum für junge Kunst so nackt, das Versorgungssystem der Kunst so bloßgelegt. "Self" heißt Fegerls jüngste Ausstellung deshalb auch zu Recht - und betont so den Raum als hybrides Wesen mit Adern, Charakter, Seele vielleicht gar. Hybride Kombinationen sind die Spezialität dieser Feinmechanikerin unter den jungen wilden Wiener Maschinenbauern und Bastlern. In New York lässt sie gerade das Austrian Cultural Forum mit Tausenden LEDLampen in den Fenstern nervös blinzeln. Ihre Strickmaschine windet in Zeitlupe eine künstliche Nabelschnur. Und in einer der ersten Arbeiten der ehemaligen Studentin von Peter Weibel und Peter Kogler ließ sie einen von der Decke hängenden Haarschopf wunderschön zu Berge stehen. Kein Wunder bei einer angelegten Spannung von 400 000 Volt.
Nilbar Güres Seit zehn Jahren lebt Nilbar Güres, 32, in Wien. Sie kam aus der Türkei für das Kunststudium an der Akademie hierher. Die gravierenden bürokratischen und soziokulturellen Probleme, auf die sie dabei in Österreich stieß, würden diesen Rahmen sprengen. Jetzt scheint sie es aber erst einmal geschafft zu haben - Istanbul- und Berlin-Biennale, "Junge Szene" in der Wiener Secession.
In ihrem Atelier im zweiten Bezirk hängt eine ihrer zartbunten Stoffcollagen mit heftigem Inhalt, Titel: "Self Defloration" - Selbstentjungferung. "Man braucht eben nicht immer Männer dazu", sagt sie. Für abschätzige bis schockierte Blicke im Hintergrund ihrer Performance- Videos sind Männer aber nicht verzichtbar - etwa wenn Güres in enorm engem Trikot durch Istanbul spaziert. Oder einen Strip als Braut hinlegt - unter dem Gewand kommt ein Boxer-Outfit zum Vorschein. Es gab zwar Probleme mit Geschäftsleuten und der Polizei, aber auch positive Reaktionen, vor allem von Frauen. "Unknown Sports" heißt diese provokativhumorvolle Serie, die sich durch Fotografie, Performances, Collagen zieht. Ein Fototriptychon etwa zeigt eine verschleierte Frau beim akrobatischen Haarentfernen mit Wachs auf einem Sprungpferd im Turnsaal. Komischer hat dieses intime Ritual wohl noch niemand dargestellt.
Constantin Luser Es ist eines der schönsten Barockhäuser in der Wiener Innenstadt. Einmal quer durch den Hof des Hildebrandthauses - und schon steht man im zweigeschossigen, turmartigen Atelier von Constantin Luser, 34. Vorher traf man sich hier zum Go-Spiel. Jetzt arbeitet hier der manische Zeichner und Instrumentenbauer unter den jüngeren Wiener Künstlern - und zwar an seinen neuen Collagen. Bei einem Linzer Buchhändler hat er ein Universallexikon aus der Nazizeit gefunden. Nur neun Bände, bis "S", waren erschienen, erzählt er. Jetzt löst er in Feinarbeit die Illustrationen heraus und verdichtet sie zu fantastischen Gedankengebilden.
"Opas Sicht mit neuer 3-D-Brille", meint der Grazer nachdenklich. In ihrem Wuchern sind die neuen Collagen aber gezügelter als die verschachtelten Zeichnungen, die Luser täglich in sein "Buch der Klarheit" wirft: Wundersame Systeme voll von Splittern aus Alltag und Traumwelt; sechs große, acht kleine Bücher sind es bereits. Doch hin und wieder muss er ausbrechen aus dem Format. Dann zieht Luser die Zeichnungen über ganze Wände. Oder baut Skulpturen aus Instrumenten. Ein "Vibrosaurus" aus Blechblasinstrumenten war es 2007. Für den Innenhof der Technischen Universität in Graz konstruiert er gerade "die nächste Evolutionsstufe": eine siebeneckige "Molekularorgel" mit 14 Trompeten, 14 Posaunen und sieben Tuben.
Mahony Die Situation versprüht den globalen Charme einer Künstlergruppe im 21. Jahrhundert: Mit einem Deutschen, einem Wiener und einem Laptop, der per Skype eine dritte Künstlerin aus Buenos Aires zuschaltet, sitzt man in einem schön schäbigen Atelier in Wiens nobelster Lage, mit direktem Blick auf den Stephansdom. Basislager des "Ateliers in Bewegung" der Künstlergruppe "Mahony", frisch geschrumpft - Andreas Duscha machte sich nach acht gemeinsamen Jahren selbständig. Künftig reist man eben als Trio. Denn ums Reisen, um "Expeditionen" drehte es sich hier in den vergangenen zwei Jahren: Die ehemaligen Studierenden von der Universität für angewandte Kunst Wien Clemens Leuschner (1976, Göttingen), Stephan Kobatsch (1975, Wien) und Jenny Wolka (1978, Köln) waren auf "Odyssee 500": Von Deutschland nach Brasilien setzten sie mit dem Containerschiff über, erforschten während eines Mexiko-Stipendiums Robert Smithsons Hotel-Ruine "Palenque", organisierten bei der "Biennale am Ende der Welt" in Ushuaia ein Kartoffelessen oder folgten "Fitzcarraldo" mit dem Schiff in den Dschungel. Sie beschallten ihn aber nicht mit Caruso-Arien vom Plattenspieler, sondern wählten den umgekehrten Weg, zeichneten Regenwald- und Weltempfängergeräusche auf und brachten sie in die Kunsthalle Wien. Es sind meist so schräge Abenteuergeschichten zwischen Science und Fiction, die am Beginn einer "Mahony"-Recherche stehen. Und dann zu multimedialen Installationen verarbeitet werden. Etwa wenn, wie jetzt bei der "Triennale Linz 1.0", mit aneinandergereihten Sternspritzern der Meteoriteneinschlag rekonstruiert wird, der 1938 das Dach einer Scheune in Illinois traf und im Sitz eines darin geparkten Autos endete. Angeblich.
Anna Witt Ein eigenes Atelier hat Anna Witt nicht, sie wohnt und arbeitet in einer WG nahe dem Donaukanal. Nur manchmal werde es etwas eng, wenn sie in ihrem Zimmer eine Installation ausprobiere, erklärt sie. Was nicht so oft vorkommt, findet das Werk der 1981 in Wasserburg am Inn geborenen Künstlerin doch vor allem im öffentlichen Raum statt. Etwa, wenn sie Passanten bittet, sie wie in der Sicherheitsschleuse am Flughafen abzutasten. Und mit ihnen dasselbe tut. Ein unfreundlicher Akt wird so zu einem freiwilligen Kennenlernen. Das Sicherheitsthema entstand noch in Witts Zeit in München. Dann zog sie nach Wien, wo sie auf der Kunstakademie bei Monica Bonvicini studierte. "Berlin wäre eine Mainstream-Entscheidung gewesen", erklärt sie. Bei der Berlin-Biennale ist sie trotzdem vertreten, unter anderem mit der seltsam-komischen Nachstellung ihrer eigenen Geburt. Heute interessiere sie sich mehr für die individualisierte Gesellschaft und wie man sie als Einzelperson ändern kann. In einem Wiener Einkaufszentrum etwa bat sie Menschen, vor der Kamera einen radikalen Gedanken zu fassen - und ihn niederzuschreiben: "Geld hat keinen Wert mehr" oder "Berühmtheit wird abgeschafft", kann man im Film dann lesen.
Christian Eisenberger "Ich bin ein Täter, kein Zuhörer." Mehr ist aus Christian Eisenberger, 32, an diesem Morgen in seinem bis zur Decke voll geräumten Wiener Gassen-Atelier über sein abgebrochenes Kunststudium nicht herauszukriegen. Wozu auch?
Es war hart, aber er hat es geschafft: Jahrelang ist man in Wiener Straßen auf seine grob bemalten Pappfiguren gestoßen, ohne zu wissen, von wem sie sind - Flüchtlingsgruppen, Aliens, Charlie Chaplin, fette Frauen, magere Skelette.
"Urex" stand hin und wieder kryptisch darauf. Und eine Zahl. "Bei 1400 habe ich angefangen zu nummerieren, jetzt bin ich bei 9575." Mit der Street Art habe er aber eigentlich abgeschlossen - klar, dass gerade jetzt die Nachfrage plötzlich steige. Aber der Wiener Ruhm sei wie die Wiener Melange, sagt der ständig lauernde Rebell. Wobei Wiener Charme nicht unbedingt die herausragendste Eigenschaft Eisenbergers ist. Verkleidet als Clown mit Sprengstoffgürtel lässt er auf Vernissagen schon einmal die Hosen herunter. Er verpasst Betonblöcken zarte Rehfüßlein. Bastelt wackelige Türme aus Sperrholz, die er mit Klebeband-Larven seiner Selbst und Neon-Selbstmordschlingen spickt. Baut am Waldboden das Berliner Holocaust-Denkmal aus Zuckerwürfeln nach und filmt, wie Ameisen es abtragen. Träumt von einer fußballfeldgroßen Mausefalle. Was das alles soll?
"Es ist, was es ist", sagt er. Hauptsache authentisch.
Esther Stocker Das hätte man von Esther Stocker, 36, nicht erwartet: Erstens ein Atelier in einem der bürgerlichsten Wiener Bezirke, der Josefstadt. Ein geräumiges Straßenlokal, bei dem vor allem wichtig war, dass die Heizung funktioniert, sagt sie fast entschuldigend. Und zweitens - eine große hellgelbe Leinwand! Mitten im Reich der Schwarzweiß-Königin! Mit ihren abstrakten Rasterbildern hat sich die Südtirolerin in den vergangenen Jahren nicht nur einen Namen machen können, sondern ist zur Marke geworden. Eine Arbeit von Stocker erkennt man sofort - etwa in der Ankaufsausstellung des Wiener Museums moderner Kunst, in der sie zu den jüngsten Künstlern zählt. Stocker, die in Wien bei Österreichs aktueller Venedig-Biennale-Kommissarin Eva Schlegel studiert hat, beschränkt sich eben nicht nur auf die Leinwand: Ihre schwarzweißen, grauschattierten Systeme dehnt sie auch auf ganze Räume aus. Wobei sie fast zu viele dieser begehbaren Installationen zuletzt gemacht habe, meint sie. Sie sollten als "Krücke" dienen, für viele im wahrsten Wortsinn den Zugang zu ihrer abstrakten Malerei erleichtern. Doch die Nuancen, die subtilen Verschiebungen in den strengen Rastersystemen Stockers, sind im Dreidimensionalen schneller ausgeschöpft. Die nächste Herausforderung heißt also: Farbe. Erst einmal Gelb, die Lieblingsfarbe.
Zenita Komad Als "It-Girl" der österreichischen Kunstszene wurde sie schon beschrieben. Jedenfalls ist Zenita Komad, 30, eine auffällig begabte Netzwerkerin. Was sie zur Verwirklichung ihres "Zenita Universe" auch sein musste: Mit 16 schon verließ sie die Schule in Kärnten und ging nach Wien, wo sie bald in der Klasse von Franz Graf auf der Akademie der bildenden Künste landete. Es entstanden erste Schriftbilder mit philosophisch- augenzwinkernden Sprüchen - "Back in a Minute Godot" steht da etwa. Die Sprache zieht sich bis heute durch ihre Malerei. "Eigentlich wollte ich Schriftstellerin werden", erklärt sie. "Aber ich war nie zufrieden." Mit 25 stellte die Tochter einer Opernsängerin dafür eine performanceartige "Schachoper" auf die Beine, konnte Komponist, Librettist, Sängerin und Star-Schauspieler Ignaz Kirchner zur Mitarbeit begeistern. Jetzt arbeitet sie wieder an einer Oper, recherchiert dafür im Labor des Molekularbiologen Giulio Superti- Furga: Die Idee des künstlichen Menschen fasziniert sie. Andererseits lässt sie das Material der glücklichen Kindheit, der Sand, nicht mehr los, seit sie voriges Jahr in Mumbai ein überschaubares, da niedriges Labyrinth aus ihm formte. "So ist man dem Labyrinth, dem Leben, nicht mehr ausgeliefert", erklärt sie. In der Folge entstanden objektartige, mit Sand überzogene Schriftbilder. Allerdings schwer zu entziffernde - denn "Schön Malen kann jeder". Das "nicht" hat sie klein in Rot dazu-gekritzelt. Ratio und Emotion, Komad schafft es tatsächlich, dass sie sich in ihrer Kunst küssen.
Die besten neuen Kunsträume und jungen Galerien Kunstverein das weisse haus: Wollzeile 1, www.dasweissehaus.at COCO Kunstverein: Bauernmarkt 9, www.co-co.at Kunstraum Bernsteiner: Schiffamtsgasse 11, www.friendsandart.at Ve.Sch: Schikanedergasse 11, http://vesch.org clubblumen: Johannagasse 42, www.clubblumen.at Praterstraße 48: Praterstraße 48/17 (Innenhof), www.praterstrasse48.at Saprophyt: Webgasse 29, www.saprophyt.net Layr Wuestenhagen: An der Hülben 2, www.layrwuestenhagen.com Andreas Huber: Schleifmühlgasse 6-8, www.galerieandreashuber.at Winiarzyk: Nibelungengasse 8, Eingang Eschenbachgasse 7, www.winiarzyk.com Dana Charkasi: Fleischmarkt 11, www.dana-charkasi.com Momentum: Schleifmühlgasse 1, www.momentum.co.at
Bildunterschrift:
Kreativer Kurzschluss:
Judith Fegerl in ihrer Ausstellung "Self" im Wiener Kunstraum Niederoesterreich
Constantin Luser hat auf einem Dach der Technischen Universität Graz eine "Molekularorgel" installiert
Nilbar Güres in ihrem Atelier.
Die Collage "Penis" wurde nach den Aufnahmen zerstört
Clemens Leuschner und Stephan Kobatsch mit einer Maske von Jenny Wolka. Das dritte Mitglied von Mahony weilt derzeit in Argentinien
Fallübung vor der eigenen Kamera:
Selbstinszenierung von Anna Witt auf dem Bahnhof Praterstern
Christian Eisenberger in seinem Atelier, um seinen Hals das Objekt: "blow up +/- 3 %"
Esther Stocker ist die schwarzweiße Königin von Wien, jetzt entdeckt sie die Farbe
Zenita Komad vor einem ihrer rätselhaften Zeichenbilder und dem Handschuhobjekt "Right"
Fast jeden Monat ein neuer Off-Space: in Kellern, Blumengeschäften, ja sogar im Stammbeisl der Szene
Der nichtkommerzielle Kunstraum "COCO" residiert gleich beim Stephansplatz
Performance von Ludwig Kittinger und Fernando Mesquita im "Ve.Sch"
Ausstellung von Markus Guschelbauer im Kunstraum "das weisse haus"
Die neue Galerie Winiarzyk in der Eschenbachgasse beim MuseumsQuartier
Es ist weniger hysterisch als in London - und man fühlt sich nicht nur als einer unter Tausenden wie in Berlin
