Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 18-19

Generation Gursky

Von Michael Kohler

INTERVIEW WILLY GURSKY

In der Meisterklasse von Bernd Becher lernte Andreas Gursky, wie man ein Künstler wird. Das Handwerk brachte ihm sein Vater bei. Willy Gursky floh 1955 aus der damali gen DDR in den Westen, ließ sich in Düsseldorf nieder und wurde schnell zu einem gefragten Porträt- und Werbefotografen. art sprach mit dem 88-jährigen Willy Gursky über ein Leben zwischen Auftragsarbeiten und künstlerischer Fotografie, die verblüffende Entwicklung seines Metiers und über seinen berühmten Sohn. art: Es gibt jetzt die dritte Generation von Fotografen in Ihrer Familie.

Willy Gursky: Dass ich Fotograf werden würde, stand von Anfang an fest, da mein Vater diesen Beruf ausübte und ich schon als Kind immer wieder in sein Studio hineingeschaut habe. Allerdings habe ich dann zunächst in Leipzig Malerei studiert. Das hat meine Handschrift geprägt, vor allem bei der Lichtsetzung.

Wie sah die Arbeit Ihres Vaters aus?

Mein Vater, Hans Gursky, hat vor allem Landschafts- und Industriefotos gemacht. Seine Bildauffassung war so wie bei Andreas und auch bei mir: einfach und klar.

Haben Sie den Familienbetrieb übernommen?

Nein. Ich ging an die Bayerische Staatslehranstalt für Lichtbildwesen, dort hat man etwas ganz anderes gelehrt, als mein Vater machte. Sein Geschäft war mir auch zu klein. Ich wollte ein größeres Studio aufbauen und hatte später auch immer sechs bis acht Mitarbeiter.

Ihr Sohn hat erzählt, dass er im Studium kaum technis Hilfestellung erhalten hat und sehr froh darüber war, bei Ihnen nachfragen zu können.

Andreas kommt auch heute noch häufig mit seinen neuesten Bildern und fragt mich nach meiner Meinung. Wir tauschen uns weiterhin rege aus. Dafür bin ich ihm dankbar.

Sind Sie ein wenig neidisch, dass Ihr Sohn in einer Zeit arbeitet, in der die Fotografie eine neue Wertschätzung erfährt?

Nein, ich bin froh, dass er den Weg gegangen ist. Er zählt zu den weltbesten Fotografen, und da bin ich schon sehr stolz.

Das hält auch jung, wenn man das erleben darf. Im Übrigen kann ich ja auch gar nicht, was er macht, und er kann nicht, was ich mache. Meine Porträts sind einfach nicht sein Metier.

Hätten Sie sich in Ihrer Zeit einen freundlicheren Kunstmarkt für die Fotografie gewünscht?

Das ging ja erst Mitte der achtziger Jahre los. Andreas ist mit der Becher-Schule in den Kunstmarkt hineingewachsen. Seine Bilder waren zunächst auch klein, und er war froh, wenn er etwas für ein paar Hundert Mark verkaufen konnte. Die Karriere, die er dann gemacht hat, verdankt er seinem Wollen und Fleiß. Seine Zielstrebigkeit und seine Vorstellungskraft haben ihn da hingebracht.