Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 121
Moss your City
Von Till Briegleb
Ökologisch korrekt und extravagant: Moos auf Wand und Dach
KOLUMNE: AUSSER HAUS
Dachpflege ist die Pediküre des Hauses. Statt Hornhaut lagern sich auf den Dachpfannen Moose und Flechten ab, und die müssen als Dreck entfernt werden.
Der alte deutsche Sittenfluch, dass äußere Sauberkeit innere Werte anzeigt, machte Moos zum Feind der Vorstadt. Doch das 450 Millionen Jahre alte Naturkissen bekommt seit einigen Jahren neue Wertigkeit in Architektur, Kunst und Design. Olafur Eliasson hat 1994 eine Mooswand als Kunstwerk gepflanzt. Heute gelten vertikale Moosflächen an Fassaden als Zeichen von Extravaganz. Als Dachbegrünung ist Moos-Sedum-Bewuchs die Visistenkarte ökolo gischen Bauens. Mit gereinigtem Regenwasser bedüngt, vermehren sich Moose in den Fugen eines Pumpwerks in Köln von ASTOC, der Spanier Antón García-Abril hat einen moosbewachsenen Betonbrocken als Ferienwohnung ausgehöhlt, und die norwegischen Architektinnen von Pushak bauen Raumteiler aus den Landalgen und predigen: "Moss your City" - damit ist nicht Kate Moss gemeint. Die wäre die richtige Kundin für Hafsteinn Juliusson. Der Isländer entwirft Silberringe als Fingerbeete für Moos.
Da ist dann eher Maniküre gefragt.
Bildunterschrift: art-Autor
Moos-Architektur von Pushak
