Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 121

Fälschung mit Folgen

Von Stefan Lddemann

BETRUG Im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus wurde eine Fälschung entdeckt - nun überprüft das Museum alle jüngeren Neuerwerbungen

STEFAN LÜDDEMANN

Das "Stillleben mit Puppe und Pampelmuse" zierte bis vor kurzem die Sammlung des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses. 1943 datiert, sollte das Bild aus der letzten Lebensphase des 1944 in Auschwitz ermordeten jüdischen Malers Felix Nussbaum stammen - so das Zertifikat eines amerikanischen Kunsthändlers.

200 000 Euro zahlte die Felix-Nussbaum- Foundation 2007 für das Werk, das sie dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Das Problem: Das Gemälde ist gefälscht.

Dem Fälscher und seinen Helfern wird derzeit vor dem Berliner Landgericht der Prozess gemacht.

Eine "Vertrauensperson" des 52-jährigen, geständigen Angeklagten, so Justizsprecherin Petra Carl, gab den entscheidenden Tipp. Kriminaltechniker untersuchten daraufhin das Bild - und fanden Farben, die Nussbaum nicht verwendet haben konnte.

Doch damit ist die Angelegenheit für das 1998 eröffnete Nussbaum-Haus, in dem mit rund 180 Werken das nahezu gesamte bekannte Werk des in Osnabrück geborenen Malers verwahrt wird, nicht erledigt: Jetzt werden alle jüngeren Erwerbungen des Museums auf ihre Provenienz hin untersucht. Denn das gefälschte Nussbaum-Stillleben soll auch für Fachleute kaum als Fälschung erkennbar gewesen sein, so Osnabrücks Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski. "Das Museum trifft keine Schuld", versichert sie und beruhigt: Nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen "haben wir keinen Anlass zu glauben, dass wir noch weiteren Fälschungen aufgesessen sind". Am Hauptteil der Sammlung - weit über 100 Bilder - bestehen ohnehin keine Echtheitszweifel.

Dieses Konvolut gelangte um 1970 aus belgischem Privatbesitz nach Osnabrück.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die in dem Kunstbetrug ein Zeichen gestiegener Wertschätzung für Nussbaums Werk sehen.

Hatte der Fälscher aus Berlin doch neben Arbeiten Martin Kippenbergers noch einen zweiten Nussbaum gefälscht und für 320 000 Euro an einen Privatmann verkauft. "Es lohnt sich jetzt offenbar, Nussbaum zu fälschen", so Sven Jürgensen, Sprecher der Stadt Osnabrück.

Bildunterschrift:

Brillante Nussbaum- Fälschung:

"Stillleben mit Puppe und Pampelmuse"