Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 100
Universum en miniature
Von Adrienne Braun
KRITIK Im kleinen Format kann das ganz große Grauen stecken
11. Triennale Kleinplastik Alte Kelter, Fellbach, 12.6.-11.10.2010
Gehen Vater und Kind in den Wald. "Ich fürchte mich", sagt das Kind. Erwidert der Vater: "Du hast gut reden ... Ich muss allein zurück." Gallig ist die Pointe von Via Lewandowskys Objekt "Der Wald", bei dem er Vater und Kind als winzige Figürchen in einen finsteren Wald laufen lässt. Um kleine Formate und Miniaturen geht es bei der Triennale der Kleinplastik in Fellbach. Ulrike Groos hat die Ausstellung unter den Titel "Larger than life - stranger than fiction" gestellt und versammelt Arbeiten zu Themen, die man, wie sie sagt, "nicht in der Großheit fassen kann".
Was klein und oft verspielt daherkommt, wartet häufig mit großem Schrecken auf:
Um Alpträume, Abgründe und Katastrophen geht es. Klara Kristalova hat aus Keramik eine Märchenwelt geschaffen, doch aus den Mündern fließt Gift, Falter setzen sich ins Gesicht. Und wenn die winzige Oma bei Liliana Porter an einem Schal strickt, der so lang ist, dass er sie schon fast erstickt, so steckt dahinter die ganze Tragik des Allzumenschlichen.
Rund 60 Künstler sind vertreten, durch das luftige Arrangement ist es ein angenehmer Parcours durch vielfältige Positionen, Materialien und Medien, vom Trickfilm bis zu einer Installation mit Insekten, die Tessa Farmer unter dem Dachgebälk präsentiert. Ulrike Groos hat interessante Entdeckungen gemacht, wie die gestorbene Objektkünstlerin A. M. Jehle, die ein Buch zur Kulturgeschichte Europas aufgeschnitten und ein Badezimmer aus Blechspielzeug hineingepflanzt hat. Das Spiel mit den Dimensionen rückt manches zurecht: Werner Reiterer hat bei "The Universal Measuring Tape" auf einem Kabel das Alter des Universums markiert - die 13,5 Milliarden Jahre bringen es darauf auf 270 Meter. So wichtig sich die Menschen fühlen mögen: Ihre Geschichte entspricht dabei nur einem einzigen Millimeter.
Der Katalog ist bei Snoeck erschienen, 24 Euro
Bildunterschrift:
Yin Xiuzhens aus Stoff nachgenähte Weltstädte haben in einem Koffer Platz (vorne:
Frankfurt)
