Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 96

Im Kielwasser der Politik

Von Ute Diehl

KRITIK Italiens neues Vorzeigemuseum für zeitgenössische Kunst

Spazio/Gino De Dominicis/Luigi Moretti MAXXI - Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom, 30.5.-23.1./7.11./28.11.

Mit dem MAXXI ist Rom endlich in der Gegenwart angekommen. Zehn Jahre dauerten die Arbeiten an dem von Zaha Hadid entworfenen Museumsbau. Sechsmal wechselten die Kulturminister. Und 150 Millionen Euro wurden aufgewandt, um den Italienern ihr erstes Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst zu schenken.

Schon während der langen Bauzeit hat das Museum Ankäufe gemacht und bedeutende Schenkungen empfangen. Rund 70 Werke aus der erstklassigen Sammlung, unter anderem von Lucio Fontana, Anish Kapoor, William Kentridge und Mario Merz, sind nun in der Eröffnungsausstellung "Spazio" zu sehen. Hinzu kommt eine wunderbare, von Achille Bonito Oliva kuratierte Hommage an den Künstler, Philosophen und Architekten Gino De Dominicis (1947 bis 1998). Und in der Architekturabteilung des MAXXI erfährt Luigi Moretti (1907 bis 1973), ein Vertreter des mediterranen Rationalismus, eine verdiente Ehrung.

Der Besucher wird gleich beim Hereinkommen vom Bewegungsfluss des Gebäudes erfasst und hat das angenehme Gefühl, im Kielwasser der Kunst dahinzudriften.

Die Furcht, dass vor den verschlungenen Kurven des exzentrischen Ausstellungsbaus jede Hängetechnik versagen müsste, erwies sich als unbegründet. Der für seine Verbalattacken bekannte Kunstkritiker und Ex- Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi wetterte bei der Eröffnung dennoch: "Das ist kein Museum, sondern eine Skulptur, ein Mausoleum für Zaha Hadid". Weil ausgerechnet Sgarbi mit den Ankäufen für das Museum beauftragt wurde, sehen viele für die Zukunft schwarz.

Die Museumsleiterin Anna Mattirolo versuchte gegenzusteuern und ernannte den argentinisch-italienischen Ausstellungsmacher Carlos Basualdo zum Chefkurator des MAXXI. Er habe keine Angst, sagt Basualdo:

"Aber es wird sehr schwierig sein, trotz dieser Einflussnahme durch die Politik gute Arbeit zu leisten." Die Kataloge erscheinen im Verlag Electa und kosten 40 Euro ("Spazio"), 50 Euro (De Dominicis) und 70 Euro (Moretti)

Bildunterschrift:

"Ein Mausoleum für Zaha Hadid", schimpfte Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi