Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 116
Arnaults neues Jagdrevier
Von Ute Diehl
MUSEUMSMÄZEN Das neu eröffnete MAXXI in Rom sucht dringend einen Förderer: die Chance für den französischen Milliardär Bernard Arnault, seinen Rivalen François Pinault zu übertrumpfen
Drei Tage lang wurde die Eröffnung des MAXXI in Rom gefeiert.
Doch kaum ist das Fest vorüber, taucht die Frage auf, wie der eigenwillige 150 Millionen Euro teure Bau von Zaha Hadid in Zukunft unterhalten werden soll. Im öffentlichen Haushalt stehen dem neuen Nationalmuseum für Gegenwartskunst, das als Stiftung verwaltet wird, 2,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.
Damit lassen sich nicht einmal die laufenden Kosten für das 29 000 Quadratmeter große Haus decken. Zwar sind schon einige Helfer da, wie die Telecom Italia, der Leuchtenhersteller Zumtobel, der Stromnetzverteiler Terna, aber die große Stifterfigur, die es dem Museum erlaubt, bedeutende Projekte zu verwirklichen, fehlt noch.
Doch schon naht Rettung in Gestalt des Franzosen Bernard Arnault, dessen Konzern LVMH (Louis Vuitton, Moet, Hennessy) auch im römischen Modehaus Fendi die Mehrheit hält.
Pio Baldi, Stiftungspräsident des MAXXI, verriet: "Die Verhandlungen mit den Fendi-Schwestern und Arnault stehen vor dem Abschluss." Das MAXXI wird Arnault auf dem silbernen Tablett serviert. Welchen Einfluss aber der Kunstfreund und Sammler Arnault auf die Museumspolitik ausüben könnte, bleibt abzuwarten.
Wenn Privatsammler öffentlichen Instituten in Italien zu Hilfe eilen, kommen selten lebendige Kunstzentren heraus. Davon zeugen die Häuser des französischen Milliardärs François Pinault in Venedig.
Palazzo Grassi und Puntadella Dogana, unter großer Medienaufmerksamkeit eröffnet, stagnieren. Leiterin Monique Veaute sah in ihrer Arbeit keinen Sinn mehr und gab auf.
Seit Jahren rivalisieren Bernard Arnault und François Pinault, der auch das Auktionshaus Christie's besitzt, um Mode und Kunst. Oft war Arnault der Verlierer. Auf der jüngsten "Power 100"-Liste des britischen Magazins "Art Review", auf der die Einflussreichsten der Kunstwelt stehen, fiel er auf Platz 49 zurück, Pinault ist auf Platz 6. Doch Arnault besitzt eine der größten Sammlungen zeitgenössischer Kunst und Unternehmen wie Louis Vuitton, die in der Kunstszene aktiv sind. Gerade ist Vuitton dabei, im Zentrum von Rom einen Espace Culturel nach Pariser Modell zu eröffnen. Damit markiert Arnault schon mal Italiens Hauptstadt als sein Terrain. Als Top-Mäzen des MAXXI könnte er klar über Pinault triumphieren.
Bildunterschrift:
Rivalen: die Kunstsammler François Pinault (oben) und Bernard Arnault
