Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 107
Glänzender Auftritt
Von Susanne Altmann
KRITIK Saniert, erweitert und neu konzipiert: Im wiedereröffneten Albertinum kann die exzellente Sammlung zumindest einen Teil ihre Stärken entfalten
Albertinum. Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart Staatliche Kunstsammlungen Dresden, seit 20.6.2010
Glanzvoll wurde das Dresdner Albertinum wiedereröffnet - und erweist sich als Beispiel für gelungene Museumsarchitektur.
Aus einem bislang vernachlässig ten Innenhof zauberte Architekt Volker Staab eine großzügige Halle mit darüber schwebendem Depot: ein vitales Herzstück und Anlass, die exzellenten Sammlungen neu zu ordnen. "Haus der Moderne" nennt sich das im Juni wieder eröffnete Gebäude jetzt stolz.
Nichtdresdner mag das verwundern, denn die Moderne beginnt hier bereits im frühen 19. Jahrhundert mit Caspar David Friedrich und seinem Kreis. Blickt man jedoch auf die wunderbar gehängte Friedrich- Kollektion von 14 Werken, so wird klar, wie sehr besonders die Malerei der folgenden Jahrhunderte auf diesem zeitlosfrischen Impuls aufbaute. Bis hin zu Gerhard Richter und Georg Baselitz, denen reichlich Platz eingeräumt wurde, klingt die Faszination für die Romantiker nach. Auch mit dem A. R.-Penck-Raum und Werken etwa von Eberhard Havekost oder Thomas Scheibitz wird demonstriert, was die Kunstgeschichte dem Standort Dresden schuldet.
Leider drängen sich dann Arbeiten aus der Zeit zwischen 1945 bis 1989 in nur zwei Gemächern. Hier hätte man sich mehr Übersicht und vor allem mehr ostdeutsche Malkunst - immerhin auch eine lokale Stärke der Sammlung - gewünscht.
Der Raumgewinn durch den Umbau kommt denn auch mehr der Skulpturensammlung zugute, die in kühnem Schwung Wilhelm Lehmbruck mit Tony Cragg verknüpft und wichtige DDR-Künstler wie Her mann Glöckner, Fritz Cremer, Wieland Förster oder Peter Makolies respektvoll inszeniert.
Säle mit Werken von Max Klinger und Ernst Rietschel sowie drei fast magische Schaudepots runden den Parcours des Bestands gelungen ab.
Doch damit nicht genug: Unter dem Titel "Das versprochene Land" öffnet sich ein ganz neuer Ausstellungstrakt, der sich beherzt gegen Dresdens Defizite in der Gegenwartskunst auflehnt. Das bunte Kaleidoskop besteht überwiegend aus privaten Leihgaben und punktet mit allem, was Rang und Namen hat: Unter den gezeigten Werken finden sich Arbeiten von Thomas Struth, Rosemarie Trockel, Sigmar Polke, Gotthard Graubner oder Joseph Beuys. Wenn Auswahl und Kombination hier auch ein wenig improvisiert wirken, so ist wohl der Ort selbst der Coup. Er ist im Wortsinn das "versprochene Land" des Zeitgenössischen, das hier symbolisch in Besitz genommen wird.
Der Katalog ist im Deutschen Kunstverlag erschienen und kostet 29,90 Euro
Bildunterschrift:
Das Büro Staab Architekten hat aus einem Innenhof eine lichte Ausstellungshalle gemacht: Skulpturen "Berserker 1-3" (2007/08) von Stella Hamberg und Neonschriftzüge von Yang Liu
Blick in den Klinger-Saal mit Gemälden und Skulpturen der Jahrhundertwende
