Ausgabe: 08 / 2010
Seite: 105
Glücksparade
Von Almuth Spiegler
KRITIK Unerträglich großer Auftritt für nordkoreanische Propagandakunst
Blumen für Kim II Sung MAK, Wien, 19.5.-5.9.2010
Mein wunderbares Vaterland, mögest du für alle Zeiten gedeihen!", prangt als Slogan am Beginn der Ausstellung, die "Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea" versammelt.
Darüber zeigen die Diktatoren Kim Il Sung und sein Sohn Kim Jong Il grinsend Zähne. Das Lachen geht weiter: Es folgt eine großformatige Bilderparade penetrant glücklicher Straßenarbeiterinnen, glücklicher Schulkinder, idyllischer Landschaften - gegenständlich gemalt, knallbunt, aalglatt und in der massiven Abweichung von der Realität so zynisch, dass es kaum erträglich ist. Nirgends gibt es nur den kleinsten Hinweis auf Arbeitslager, Folter, Hungersnot.
Das ist das fatale Zugeständnis, das das Museum für Angewandte Kunst machen musste, um sich damit brüsten zu können, als erstes Museum weltweit die misstrauisch gehüteten Leihgaben der Staatsgalerie Pjöngjang bekommen zu haben. "Es geht allein um die Kunst", lautet die Sprachregelung.
Diesen Kniefall aber ist sie nicht wert.
Der Katalog ist im Verlag für moderne Kunst Nürnberg erschienen und kostet 35 Euro
Bildunterschrift:
"Führer, da vorne ist die Front" von Ri Sang Mun und Kim Jong Thae (1975, 189 x 290 cm)
