Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 128
Eldorado für Kunstdiebe
Von Heinz Peter Schwerfel
DIEBSTAHL Kunst ist in Krisenzeiten eine stabile Investition. Das weiß auch die französische Unterwelt zu schätzen
Frankreich, wo es viel Kunst, aber auch reichlich organisiertes Verbrechen gibt, wird von einer nie erlebten Welle von Kunstdiebstählen heimgesucht. Wenige Tage nachdem aus dem städtischen Pariser Museum für moderne Kunst ein Maskierter fünf Gemälde von Pablo Picasso, Henri Matisse, Amedeo Modigliani, Georges Braque und Fernand Léger im Schätzwert von 100 Millionen Euro aus ihren Rahmen schnitt und verschwand, wurde ein 60-jähriger Privatsammler in Marseille zu Hause brutal überfallen; die Beute betrug fünf Originalgrafiken, darunter ein Picasso. Vor sechs Monaten verschwand aus dem Musée Cantini spurlos ein Aquarell von Edgar Degas, auf 800 000 Euro geschätzt.Und drei Millionen Euro soll das Skizzenbuch wert sein, das im Juni letzten Jahres am hellichten Tage aus dem Pariser Picasso-Museum entwendet wurde. Laut Expertin Aline le Visage von der britischen Agentur Art Loss ist die oft geäußerte These, es handele sich um Diebstähle im Auftrag betuchter Sammler, allerdings unrealistisch.
Sie vermutet professionelle Täter aus der Pariser Unterwelt am Werk und glaubt, die gestohlene Kunst werde für "Tauschgeschäfte oder Garantien in illegalen Märkten wie den Drogenoder Waffenhandel" benutzt.
Angesichts der heftigen Kritik an Schlamperei und Unzulänglichkeit der Sicherheitsvorkehrungen - so war die Alarmanlage des städtischen Museums für moderne Kunst in Paris bereits seit Ende März defekt - zeigt sich nun auch die Politik zunehmend nervös: Das französische Kulturministerium, zuständig für 1200 staatliche Museen, bringt elektronische Chips ins Gespräch, mit denen wertvolle Stücke gesichert werden könnten. Genaues könne man noch nicht sagen - eine Erklärung, die angesichts der Geldknappheit der öffentlichen Hand Kopfschütteln hervorrief.
Bildunterschrift:
Millionen-Coup: Beamte sichern in Paris Spuren an den leeren Bilderrahmen
