Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 129
Volkes Gespür
Von Till Briegleb
Von der neu erwachten Liebe zur Nachkriegsmoderne
KOLUMNE: AUSSER HAUS
Wenn Medien über die Nachkriegsmoderne schreiben, dann wiederholen sie mit Inbrunst: die Bauzeugnisse des Wiederaufbaus hätten einen "schlechten Ruf".
Sie seien hässlich und den Menschen verhasst. Im Geiste dieser Pauschalverurteilung wird die Architektur der fünfziger und sechziger Jahre aus dem Stadtbild eliminiert. Doch nun rebelliert der "Kronzeuge", der Bürger, gegen weiteren Flurschaden. In Köln, Hannover und Bonn wendet sich sein Zorn gegen den Abriss von Schauspielhaus, Landtag und Beethovenhalle. Drei Dinge sind für diese neue Bewegung maßgeblich. Der Stil der Moderne ist für heutige Generationen prägende Erinnerung und damit heimattauglich. Die Investorenarchitektur, die an die Stelle des Alten tritt, wirkt dagegen ort- und seelenlos.
Vor allem aber hat das Volk ein Gespür für Qualität, das Experten fehlt.
Auch bei der Nachkriegsmoderne gibt es bedeutende und banale Exponate, der Einsatz für diesen Unterschied lohnt sich.
Das Kölner Schauspielhaus konnte gerettet werden, der Abriss der Beethovenhalle wird neu diskutiert, nur in Hannover setzten sich Politiker über die Proteste hinweg. Doch das haben sie in Köln auch lange versucht.
Bildunterschrift: art-Autor
Abriss strittig: Beethovenhalle in Bonn
