Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 127

Überfordert vom Besucheransturm

Von Adrienne Braun

KRISE Dem Stuttgarter Weißenhofmuseum im sanierten Le-Corbusier-Haus droht über kurz oder lang das Aus

Keine vier Jahre ist es her, dass der Weißenhofsiedlung in Stuttgart ein eigenes Museum gewidmet wurde. Im frisch sanierten Doppelhaus von Le Corbusier informiert seither eine Ausstellung über die architektonische Mustersiedlung von 1927.

Noch! Denn der Verein Freunde der Weißenhofsiedlung ist pleite.

Die Stadt hatte ihm die Aufgabe übertragen, das Museum zu betreiben.

Aber der unerwartete Besucherzustrom hat die Ehrenamtlichen an den Rand ihrer Kapazitäten gebracht. Wenn sie nicht zusätzlich 15 000 Euro pro Jahr von der Stadt bekommen, von denen unter anderem mehr Aufsichtspersonal eingestellt werden kann, will der Verein den Vertrag kündigen. Und die Stadt müsste sehen, ob sie ihr Vorzeigemuseum für 23 000 Euro jährlich selbst betreiben kann. Das ist die Summe, die der Verein derzeit erhält.

Dabei hat Stuttgart viel vor mit den Corbusier-Häusern, die man im Verbund mit ausländischen Corbusier-Bauten auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes bringen will. "Wir rechnen mit guten Erfolgsaussichten", sagt Anja Krämer, die Teilzeitchefin des Museums. Eine Schließung ihres Hauses aber würde die Chancen auf UNESCO-Ehren sicher reduzieren. Doch in Stuttgart ist das Geld knapp: Die Museen und Kultureinrichtungen der Stadt müssen für das Jahr 2011 weitere 450 000 Euro einsparen. Die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann hofft nun, Gelder für den Umzug des Stadtarchivs umwidmen zu dürfen, um erst einmal die akut drohende Kündigung des Vereins zu verhindern. Langfristig gesichert wäre das Weißenhofmuseum dadurch nicht. Es bliebe aber immerhin im nächsten Jahr noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Das hat die Stadt nämlich der Wüstenrot- Stiftung zugesichert, die seinerzeit die Sanierung des Doppelhauses finanziert hat. "Sonst müssen wir die Stiftungsmittel zurückzahlen", erklärt die Kulturbürgermeisterin, "das wäre sehr viel mehr als 15 000 Euro."

Bildunterschrift:

Stuttgarts Weißenhofmuseum im sanierten Doppelhaus von Le Corbusier

Die Musterwohnung strahlt in der ursprünglichen Farbgebung von 1927

Ganz ohne die berühmteste Sehenswürdigkeit der Stadt müssen die Bürger und Touristen von Kopenhagen nicht auskommen. Zwar weilt die kleine Meerjungfrau zur Zeit im dänischen Expo-Pavillon in Shanghai (rechts). Doch am Kopenhagener Hafen, wo die Skulptur von Edvard Eriksen sonst steht, hat der chinesische Künstler Ai Weiwei eine Videoinstallation errichtet. Sie dokumentiert die Reise der beliebten Meerjungfrau ins ferne China und zeigt zudem, was sich im dänischen Expo-Pavillon so alles tut.