Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 108-109

Elementare Verbindungen

Von Adrienne Braun

VORSCHAU Wie hängen Leitern, Hähne, Sterne und Frauen zusammen? Die Retrospektive des spanischen Publikumslieblings gibt Aufschluss

Joan Miró. Die Farben der Poesie Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 2.7.-14.11.2010

Sie kannten sich noch persönlich: Jean- Louis Prat war nicht nur befreundet mit Joan Miró, er organisierte auch viele Ausstellungen für den katalanischen Künstler (1893 bis 1983). Im Museum Frieder Burda richtet der frühere Direktor der französischen Fondation Maeght ihm nun wieder eine große Werkschau ein. Sie zeichnet Mirós gesamtes Schaffen nach, angefangen 1916 bei figürlicher Malerei und fast kubistischen Stillleben.

Ein Hauptaugenmerk gilt dabei der "Poesie der Farben". Denn während viele seiner Kollegen sie aus ihren Bildern verbannten, blieben kräftiges Rot sowie Grün, Gelb und Blau in Mirós Werk extrem wichtig. Darüber hinaus lässt sich die Entwicklung einzelner Figuren oder Formen nachvollziehen. Auf dem Gemälde "Landschaft mit Hahn" (1924) etwa taucht erstmals ein solcher auf - zeitlebens ein Hauptmotiv bei Miró, das für ihn Kampfgeist, Paarungsbereitschaft und Männlichkeit symbolisierte. Auch Sterne kehren immer wieder oder eine Leiter, die Erde und Himmel verbindet. "Die Verbindung der Elemente und die Welt der Imagination waren wichtig für ihn", sagt Christiane Righetti, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Haus.

Neben Gemälden und Zeichnungen kommen zahlreiche Skulpturen nach Baden- Baden: In den vierziger und fünfziger Jahren hat Miró sich Keramik und dem Kunsthandwerk gewidmet. Es entstehen plastische Frauenfiguren, aber auch Teller und Vasen, die er mit seinen bekannten Motiven bemalt. Am Ende seines Lebens verwendet er zunehmend Alltagsgegenstände - vom Strohhut bis zum altmodischen Klositz -, die er kombiniert und in Bronze gießt. Da wird ein Stuhl zum Zeichen für eine Frau, auf der Sitzfläche liegt ein Klumpen: das Kind. "Das ist oft sehr humorvoll und abstrus", sagt Righetti, "aber wenn man in diese Welt eintaucht, versteht man, wie sie funktioniert." Der Katalog erscheint im Verlag Hatje Cantz und kostet 29,80 Euro

Bildunterschrift:

Mirós frühes Gemälde "Mont-roig, l' église et le village" (1919, 73 x 60 cm, oben) neben "Goutte d' eau sur la neige rose" von 1968 (195 x 130 cm, rechts)