Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 130

Nur mit Documenta-Guide?

Von

DEBATTE Studiosus will eigene Reiseleiter als Documenta-Führer einsetzen, was bislang nicht erlaubt ist. Vor Gericht wurde die Klage des Reiseunternehmens abgewiesen: eine strittige Entscheidung

Contra:

Qualität!

Mit der Documenta soll ein Querschnitt zeitgenössischer Kunst einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Das Verbot von Fremdführungen behindert die erfolgreiche Vermarktung in einem hochwertigen Studienreise-Programm.

Weder renommierte Institutionen wie die Bundeskunsthalle in Bonn, die Pinakotheken in München noch die Museen des Preußischen Kulturbesitzes schließen Fremdführungen aus. Einige erheben lediglich eine Lizenzgebühr bei Privatführungen.

Das ist in Ordnung. Doch die Documenta zeigt sich dogmatisch und gestattet nur den Einsatz ihrer "Kunstvermittler". Ein Mehrwert von Studienreisen liegt aber gerade in der qualifizierten Vermittlung von Kunst und Kultur durch einen geschulten Reiseleiter. Nicht umsonst investieren wir kontinuierlich in Auswahl, Aus- und Weiterbildung unserer Reiseleiter und legen dabei nicht nur auf die Inhalte Wert, sondern insbesondere auf die Didaktik.

Bei der Vermittlung von Kunst spielt diese eine große Rolle. Auf der Documenta 12 aber war davon wenig zu spüren.

Pro: Teil der Schau Bei der Vermittlung der in der Documenta ausgestellten Kunst geht es nicht um eine Deutungshoheit der Ausstellungsleitung, sondern um das Urheberrecht der Ausstellungsmacher, die Vermittlung als integralen Bestandteil der Ausstellung definieren zu können. Das Gericht stellte fest, dass der Documenta GmbH auch das Verwertungsrecht in Form von Führungen durch die Ausstellung zusteht.

Bei der Documenta ist die (ästhetische)

Bildung von Anfang an wichtig gewesen, beginnend mit Arnold Bodes Konzept über die Besucherschulen von Bazon Brock bis zum Vermittlungsprogramm der Documenta 12, deren künstlerischer Leiter Roger M.

Buergel Bildung und Selbstbildung zu einem der Leitmotive machte. Bei der Documenta 12 wurden die Vermittler ein halbes Jahr in Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leitung ausgebildet. Nutzer des Documenta- Vermittlungsprogramms können nicht nur traditionelle Kunstvermittlung, sondern informative Inspiration sowie fundiertes Hintergrund- und Insiderwissen erwarten. Dieses Wissen haben externe Vermittler nicht.

Eine Documenta-Führung lässt sich nicht mit der Führung durch eine Museumssammlung vergleichen.

Bildunterschrift Nur Documenta-Guides dürfen - wie hier 2002 - durch die Großausstellung führen

Guido Wiegand, Studiosus Managing Director

Bernd Leifeld Documenta-Geschäftsführer