Ausgabe: 07 / 2010
Seite: 6

Überschätzung

Von

LESERBRIEFE

"Steiner reloaded" - Thomas Wagner über den Einfluss des Anthroposophen Rudolf Steiner auf die Kunst (6/2010)

Der Artikel überschätzt die kreative Inspirationskraft, die vom anthroposophischen Kunstansatz ausgehen soll und blendet völlig die Schattenseiten dieses sich als spirituell sehenden Kunstverständnisses aus. Anthroposophische Kunst, ob Malerei oder Skulptur, zeigt ihre wenig kreative Gleichförmigkeit schon darin, dass sie in der Regel auf den ersten Blick als anthroposophisch beeinflusst erkennbar ist, "dass sich alles irgendwie so ähnlich sieht". Warum aber ist dies so?

Warum entsteht hier nur vordergründig eine "bunte" Vielfalt, in der Realität jedoch kreative Langeweile?

Und wo sind die "anthroposophischen Künstler" von internationalem Format, sieht man einmal von Joseph Beuys ab, der jedoch in seinen Wandtafelzeichnungen nicht nur Steiners zeichnerischen Duktus imitiert, sondern diesen bis ins Schriftbild hinein geradezu kopiert?

Volker Blum, Bünde