Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 145
Was bleibt, wenn das Geld verschwunden ist
Von
Sieben Autoren analysieren höchst unterschiedlich, wie Kunst, Gesellschaft und Wirtschaft - nicht erst seit der Finanzkrise - miteinander verwoben sind
Das Sprechen über Geld gehört zu den Lieblingsthemen des Kunstbetriebs. Nur wie darüber gesprochen wurde - das hat sich in den letzten zwei Jahren geändert. Ursache ist die globale Finanzkrise, deren langfristige Auswirkungen nicht nur auf den Kultursektor - aber eben auch da - für weiteren Diskussionsstoff sorgen werden. "Die Kunst, das Geld und die Krise" ist ein erstes Buch zur Lage, das helfen soll, die der zeitigen Prozesse zu verstehen und historisch einzuordnen. Der Band stellt die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Geld und danach, was bleibt, "wenn das Geld verschwunden ist". Neben dem Herausgeber, dem Kunstkritiker Holger Liebs, selbst bemühen sich fünf Autoren, darunter der Städelschul-Rektor Daniel Birnbaum und der Direktor des Münchner Hauses der Kunst, Chris Dercon, in den versammelten Essays um Antworten.
Dass sich das Verhältnis zwischen privaten Sammlungen und der öffentlichen Institution Museum heute grundlegend gewandelt hat, das wird dabei, etwa bei Dercon, deutlich. Dass es aber auch historische Parallelen zur Gegenwart gibt, etwa angesichts der Marktingstrategien eines Damien Hirst, kann man bei Liebs nachlesen, der dem exzentrischen zeitgenössischen Briten den nicht weniger draufgängerischen historischen Franzosen Gustave Courbet gegenüberstellt.
Auch der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Micheal Hutter interessiert sich für die Verwobenheit von Kunst und Wirtschaft, der er sich in seinem "Wertwechselstrom" von ganz unterschiedlichen Seiten nähert. Erschwert wird die Lektüre seiner Texte, trotz zahlreicher Fallbeispiele, wie Florentiner Renaissance- Fresken oder dem Picasso-Gemälde "Les Demoiselles d' Avignon", jedoch durch den spröden Klang seiner Wissenschaftssprache.
Wenn Hutter etwa über "Konsumtion, Pro duktion und Innovation" von Kunstwerken und deren Anteil an der Stabilisierung zur Wirtschaftskonjunktur schreibt, dann wird es dem Leser schwer gemacht, am Text zu bleiben. K. N.
Holger Liebs (Hrsg.): Die Kunst, das Geld und die Krise. Verlag der Buchhandlung Walther König. 158 S., 14 Euro Michael Hutter: Wortwechselstrom. Texte zu Kunst und Wirtschaft.
Philo Fine Arts. Fundus Band Nr. 183, 320 S., 16 Euro
