Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 142
Der Aufstand der Musen
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Auch bei den Surrealisten waren Frauen eher als Modelle und Sexobjekte begehrt. Karoline Hille erinnert an die starken Künstlerinnen der Bewegung
Wer heute den Namen Dora Maar hört, assoziert damit sofort das Bild der unglücklichen Geliebten von Picasso. Doch die 1907 in Paris geborene Theodora Markovitch war eine gefeierte Fotografin mit eigenem Atelier und engen Kontakten zum inneren Kreis der Surrealisten, als sie 1936 eine Liaison mit dem frauenverschlingenden Katalanen einging.
Ihr mysteriöses "Bildnis von Ubu" gehört ähnlich wie Meret Oppenheims berühmte Pelztasse zu den wichtigsten Ikonen des Surrealismus. Dass die Leistungen solcher Künstlerinnen immer noch im Schatten ihrer männlichen Kollegen stehen, liegt einerseits daran, dass Kunstgeschichte von Männern geschrieben wurde. Andererseits hatten die Frauen des Surrealismus tatsächlich oft viel gebrochenere Karrieren. Einen knappen, aber anschaulichen Überblick bietet dieses Buch des Belser Verlags. Kunsthistorikerin Karoline Hille stellt zehn wichtige Protagonistinnen des Surrealismus vor. Neben Maar und Oppenheim sind das die tschechische Pionierin Toyen, deren Gemälde "Der Paravent" den Titel ziert, die Fotografinnen Claude Cahun und Lee Miller, die Malerinnen Leonor Fini, Leonora Carrington, Dorothea Tanning und Kay Sage und die Dichterin Unica Zürn. Neben kurzen Biografien und Werkbeispielen spannt die Autorin auch den Bogen zu den Ursprüngen des Surrealismus und seinen literarischen Wurzeln - und enthüllt, dass Lautréamonts "Chants de Maldoror", die Bibel der Surrealisten, von einer Frau, der Fotografin Ré Soupault, ins Deutsche übersetzt wurde. U. T.
Karoline Hille: Spiele der Frauen. Künstlerinnen im Surrealismus.
Belser Verlag. 192 S., 120 Abb., 22,95 Euro
