Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 136
Verdichtet
Von
Die Deutschland-Bilder von Barbara Klemm haften im kollektiven Gedächtnis
Sie hat das Elend der deutschen Teilung fotografiert und den Jubel bei der Wiedervereinigung, sie hat beobachtet, wie Willy Brandt mit Leonid Breschnew palaverte und dieser Erich Honecker einen sozialistischen Bruderkuss verpasste; sie hat Demonstranten gegen die Atomrüstung begleitet und Trauernde bei der Beerdigung des Schriftstellers Heiner Müller: Barbara Klemm, über 30 Jahre lang Fotoreporterin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", war (fast) immer dabei, wenn zwischen 1970 und 2005 deutsche Geschichte passierte.
Auf die "Verdichtung einer Handlung" kam es ihr an, und dabei ist im Laufe der Zeit eine solche Fülle von (durchweg schwarzweißen) Aufnahmen entstanden, dass sie Dutzende Bücher füllen könnten. Dieser Band, der zu einer Ausstellungstournee des Instituts für Auslandsbeziehungen (IFA) erschienen ist, versammelt 199 ihrer besten Bilder und belegt, mit welcher Souveränität die heute 70-Jährige, die bei der "FAZ" einst als Laborantin begonnen hatte, ihre Devise einlöste: "Ich möchte Fotos, die die Situation so zeigen, als wäre ich nicht dagewesen." P. M.
Barbara Klemm: Helldunkel - Fotografien aus Deutschland.
Verlag für moderne Kunst. 196 S., 199 Abb., 45 Euro
