Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 138
Bilderroman
Von
Die erste Monografie zum Werk von Marcel van Eeden liefert einen Leitfaden durch seine Geschichtenwelten
Der Sinn von Büchern wird im digitalen Zeitalter zunehmend in Frage gestellt, und die Arbeit von Marcel van Eeden gibt den Totengräbern bedruckter Papierstapel scheinbar Recht. Denn der niederländische Künstler veröffentlicht seine Zeichnungen beinahe täglich auf seiner Website www.marcelvaneeden.nl. Seit 1992 zeichnet er nach Fotovorlagen, die Ereignisse vor seinem Geburtstag am 22.11.1965 abbilden müssen, einen labyrinthisch verzweigten um momentan vier fiktive Figuren. Die als "Enzyklopädie meines Todes" betitelte Gesamterzählung lässt sich allerdings in keinem Medium komplett erfassen. Deswegen ist die jetzt publizierte Werkschau, die auswählt, er läutert und Querverbindungen aufzeigt ein Zugriff, den wieder nur das gute alte Buch bieten kann. Der bizarre Atlas hypothetischer Weltreisen und Lebensgeschichten, den van Eeden fortlaufend erweitert, handelt zwar immer auch vom Tod, aber sicher nicht vom Tod des Buchs. T. B.
Michael Zink (Hrsg.): Marcel van Eeden. Zeichnungen und Malerei 1992-2009. DuMont Buchverlag.
344 S., 553 Abb., 39,95 Euro
