Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 125

"Die Lage im Land verschärft sich"

Von Ralf Schlter

Interview mit dem Berliner Galeristen Alexander Ochs, der seit 2004 eine Filiale in Peking betreibt, über die Veränderungen in China

RALF SCHLÜTER

art: Zwei Bildern Ihres Künstlers Yang Shaobin wurde die Einreise nach China verweigert.Welche Bedeutung hat dieser Akt der Zensur?

Seit dem Ende der Olympischen Spiele verschärft sich die Lage im Land. An diesem Fall zeigt sich nicht zum ersten Mal die restriktivere Kulturpolitik der chinesischen Regierung. Seit einem guten Jahr mussten Bilder nur zur Ausfuhr dem Kulturministerium vorgelegt werden, seit kurzem aber auch Arbeiten, die eingeführt werden. Dies gilt für Künstler, für Galerien und ebenso für die Museen.

Warum schwenkt die Politik um?

Es geht einerseits um inhaltliche Fragen, aber auch um Kontrolle. In einem kommunistischen Land ist der Staat immer auch der größte Dealer. Die chinesischen Kulturbehörden sichern sich zur Zeit den Einfluss auf dem Kunstmarkt; manche Galerien werden unter Druck gesetzt, bei anderen steigt der Staat ein, um mitzuverdienen. Daneben wartet China höchst nervös auf eine neue Regierung, deren Besetzung hier natürlich hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wird. Da passt dann jeder im Apparat auf, dass er keine Fehler macht, und deshalb werden schon bestehende Gesetze reaktiviert und neu gehandhabt.

Wie reagiert die Kunstszene?

Es gibt etablierte Künstler wie Zhang Xiaogang, die ihren Status nicht verlieren wollen, die malen das, was verlangt wird und loten hier aber oft auch die Grenzen des Möglichen aus. Für die anderen ist die Lage komplizierter. Zum Beispiel Yang Shaobin: Während es da einerseits ein Problem mit der Einfuhr gibt, sucht die Minsheng-Bank andererseits nach älteren‚ blutigen Bildern des Künstlers für die Sammlung des bankeigenen Museums in Shanghai. Die Bank hat gerade einen Kooperationsvertrag mit dem Privatmuseum Ullens in Peking abgeschlossen, das Yang Shaobin im Herbst eine große Einzelausstellung widmet. Oder: Das Galerienviertel Caochangdi ist derzeit vom Abriss bedroht und so gefährdet. Aber alle wehren sich, inklusive des kommunistischen Stadtteil-Bürgermeisters und vieler europäischer Botschafter, mit dem deutschen Botschafter Michael Schaefer an der Spitze.

Sie wollten sich vor kurzem aus Peking zurückziehen.

Ja, ich war ja schon weg, aber dann baten mich Freunde zurückzukommen.

Nun betreiben wir mit chinesischen Partnern zwei eigenständige Galerien mit eigenem Programm in einem Haus. Und dieses neue Modell funktioniert sehr gut. INTERVIEW: RALF SCHLÜTER

Bildunterschrift:

Alexander Ochs