Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 112-113
Schätze hinter sieben Schlössern
Von Petra Bosetti
VORSCHAU Das afghanische Nationalmuseum zu Gast in Deutschland
Afghanistan - Bundeskunsthalle, Bonn, 11.6.-3.10.2010
Nur wenige Tage benötigten die radikalislamistischen Taliban im März 2001, um die Symbole einer verhassten Religion, die riesigen Buddhastatuen im afghanischen Bamian, zu sprengen. Als die über 1500 Jahre alten Steinstatuen zerbarsten, bangte die Welt um das gesamte afghanische Kulturgut. Wahrscheinlich zu recht, wäre da nicht ein ebenso mutiger wie beherzter Museumsdirektor gewesen. Omar Khan Massoudi, Chef des Nationalmuseums in Kabul, hatte schon während der sowjetischen Besatzungszeit die kostbarsten der bis zu 4000 Jahre alten Schätze aus seinem Institut in Sicherheit gebracht - in einen Raum im Tresor der Zentralbank von Kabul. Was dort - nach alter Tradition von sieben Schlössern gesichert - 15 Jahre lang im Verborgenen geruht hat, ist inzwischen im Pariser Musée Guimet restauriert worden und jetzt in einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen.
Und das sind Kunstschätze allererster Güte - spektakuläre Objekte aus Gold, Silber und Elfenbein, die von der hohen Zivi lisation des Königreiches Baktrien zeugen. Das lag an einer der wichtigsten west-öst lichen Handelsrouten, der berühmten Seidenstraße, und verband deshalb kulturelle Elemente aus beiden Welten sowie persische und indische Einflüsse mit einander.
Der Katalog erscheint im Verlag De Nieuwe Kerk und kostet 32 Euro
Bildunterschrift:
Links: Elfenbeinstatue einer Flussgöttin, rechts Collier, Gold mit Schmucksteinen, unten Medaillon mit geflügeltem Eros (1. Jahrhundert nach Christus)
