Ausgabe: 06 / 2010
Seite: 113

Kleine Helfer des Alltags

Von Gerhard Mack

KRITIK Passend zum Zeitgeist wird die Eleganz des Schnörkellosen vorgestellt

Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion - Vitra-Design-Museum, Weil am Rhein, 20.3.-19.9.2010

Man kennt sie alle: Der Kartoffelschäler, die Klopapierrolle, die Badelatschen sind Vertraute unseres Alltags geworden.

Sie liegen gut in der Hand, sitzen fast gewichtslos am Fuß, und ihre Form ist so perfekt, dass wir sie uns kaum anders vorstellen können. Was diese als "Essenz der Dinge" empfundene Wesentlichkeit eines Gegenstands ausmacht, will die Schau aufzeigen, die das Vitra-Design-Museum der Einfachheit im Design seit dem 19. Jahrhundert gerade widmet. In einer Vitrine sind die kleinen Helfer des Alltags vom steinzeitlichen Faustkeil bis zum iPod zu einem Prolog versammelt. Danach führen drei große Kapitel vor, dass Einfachheit nicht nur in der schönen Schlichtheit eines Gegenstands besteht, sondern auch den Weg umfasst, den er vom Entwurf bis zum Benutzer zurücklegt. Leichtigkeit, Verdichtung, Prä zision, Funktionalität und Logistik liefern hier zentrale Stichworte.

Natürlich stehen bei Vitra Sitzmöbel im Vordergrund. Gussfor men, Prototypen und ein Video führen vor, wie lange es gedauert hat, bis Charles und Ray Eames ihren Schalensitz aus Plastik in Serienproduktion gehen lassen konnten. Der "Thonet 14", der Kaffeehausstuhl schlecht hin, macht deutlich, wie Form, Serialität und Zerlegbarkeit der Teile die weltweite Distribution eines Produkts beeinflussen. Ein ganzes Podest mit Stühlen führt schließlich das Streben nach Einheitlichkeit in der Herstellung vor:

Ein Möbelstück, das sich aus einem Material in einem Arbeitsschritt herstellen lässt, ist der Traum jedes Produzenten.

Reduktion ist in, seit die Wirtschaftskrise die Notwendigkeit zum Sparen und zur Nachhaltigkeit wieder ins Bewusst sein gerückt hat. Im Vitra-Design-Museum ist zu sehen, welche Komplexität sich hinter scheinbar einfachen Formen verbirgt. Dass die Präsentation bisweilen sehr dicht wirkt, ist bei dem beengten Raum und den über 150 Objekten nicht verwunderlich.

Der Katalog erscheint in Deutsch und Englisch, der Preis beträgt 41 Euro

Bildunterschrift:

Der Traum jedes Produzenten: aus einem einzigen Material hergestellte Möbel