Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 100

Monströse Bräute und Zwitter

Von Claudia Bodin

VORSCHAU Die Kenianerin spielt mit Frauenklischees und Kolonialismus

Wangechi Mutu - My Dirty Little Heaven Deutsche Guggenheim, Berlin, 30.4.-13.6.2010

Harmlose Ausrisse aus Zeitschriften verwandelt sie in einen Alptraum von Fraulichkeit. Mit grotesken, aus Collagen bestehenden Wesen, die sie bereits seit ihrer Studienzeit an der Cooper Union in New York gefertigt hat, wurde die 1972 in Kenia geborene Wangechi Mutu bekannt. Ihre Arbeiten haben Postkolonialismus, Konsumkultur und humanitäre Katastrophen zum Thema. Und immer wieder drehen sie sich um die Weiblichkeit, insbesondere um die auf exotische Sexsymbole reduzierten afrikanischen Frauen, und wie die Medien mit diesen Bildern spielen. Dass Wangechi Mutu, die Bildhauerei und Anthropologie studierte, auch Installationskunst macht, ist Wenigen bekannt. Die Deutsche Bank zeichnete die in Brooklyn lebende Mutu zur Künstlerin des Jahres 2010 aus und widmet ihr ihre erste Soloausstellung in Deutschland (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 34 Euro).

Bei der Biennale von New Orleans 2008 hatte sich Mutu mit der Installation "Miss Sarah's House" beteiligt. Sie baute das Haus von Sarah Lastie, der Frau des verstorbenen Schlagzeugers von Fats Domino nach, die durch Hurrikan Katrina ihr Heim verloren hatte. Danach sorgte sie für den Wiederaufbau.

"Sarah's House" ist in Berlin zu sehen.

40 Arbeiten werden gezeigt, darunter Serien von Aquarellen, zwei Videos und Mutus Collagen auf transparenter Polyesterfolie und Papier, das für die Aufnahmen von Röntgenbildern eingesetzt wird.

Die für Mutu typischen Zwitter geschöpfe wie ihre monströse Braut in "The Bride Who Married a Camel's Head" werden mit Bildern aus der Botanik und Zoologie oder aus betont männlichen Motorradzeitschriften konfrontiert. "Frauen tragen die Kennzeichen, die Sprache und Zwischentöne ihrer Kultur stärker als Männer", hat Mutu über ihre Vorliebe für die Frau als Objekt gesagt.

"Was auch immer als begehrenswert oder verachtungswürdig gilt, wird auf den weiblichen Körper übertragen."

Bildunterschrift:

"Intertwined", Collage und Wasserfarben auf Papier (2003, 40 x 30 cm)