Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 142-145

Hammer-Lose

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Weltrekorde, Höchstmarken und Überraschungen: Wenn in den großen internationalen Auktionshäusern die Frühjahrs- und Herbstversteigerungen stattfinden, geht häufig ein Raunen durch den Kunstmarkt, aber auch kleinere Unternehmen können nicht selten Ergebnisse für rare oder außergewöhnliche Kunstwerke vermelden, die Museen, Händler und Sammler aufhorchen lassen. art zeigt Objekte aus der letzten Dekade, die höchst spektakuläre, völlig unerwartete oder einfach bemerkenswerte Zuschläge erzielen konnten

Bildunterschrift:

Eines der "Piazza d' Italia"-Bilder vom Maler der "Pittura metafisica", Giorgio de Chirico (zirka 1960) war im Jahr 2008 einer der Spitzenreiter aus der Moderne im Wiener Dorotheum. Das 40 mal 50 Zentimeter große Gemälde erbrachte 260 300 Euro - ein beachtlicher Preis für ein Spätwerk des Künstlers.

Aufsehen erregte 2009 bei Ketterer in München eine "Dame mit Hut". Das rare Bild, 1909/11 von dem Expressionisten Hanns Bolz in Öl auf Leinwand gemalt - die meisten Werke gelten als verschollen -, wurde mit 18 000 Euro aufgerufen und konnte in einem Bietgefecht diesen Betrag um 494 Prozent auf 107 000 Euro (ohne Aufgeld) steigern.

Im Februar dieses Jahres konnte der Kunstmarkt einen neuen Weltrekord für Auktionskunst verzeichnen: Bei Sotheby's in London wurde Alberto Giacomettis Skulptur "Der Schreitende I" (1961) für 65 Millio nen Pfund versteigert. Einst das Prachtstück der Kunstsammlung Dresdner Bank, hatte die 183 Zentimeter große Figur des Schweizer Künstlers die Vorstandsebene der Zentrale in Frankfurt am Main geziert.

Im Jahr 2004 war es wieder einmal ein Werk von Pablo Picasso, das den Rekord für sich verbuchen konnte. Das Ölgemälde "Garçon à la pipe" von 1905 (100 x 81 cm) war am 5. Mai bei Sotheby's in New York einem Sammler rund 104 Millionen Dollar wert - und damit damals das teuerste Bild, das je auf einer Auktion verkauft wurde.

Im Februar 2009 landete Christie's Paris einen Coup, als das Haus die bereits legendäre Sammlung des französischen Modeschöpfers Yves Saint Laurent anbieten konnte. Unter den ebenso hochrangigen wie extravaganten Objekten des Haute- Couture-Genies war auch ein "Dragons Armchair" (um 1918) der Designerin Eileen Gray, der 21,9 Millionen Euro für sich verbuchen konnte.

Als 2007 die Finanzkrise noch nicht ihre Schatten über den Kunstmarkt warf, konnte bei Sotheby's in London das Gemälde "White Canoe" von 1990/91 (200 x 2417 cm) des Schotten Peter Doig für 5,7 Millionen Pfund den Besitzer wechseln - damals der höchste Auktionspreis für das Werk eines lebenden europäischen Künstlers.

Das geheimnisvolle Mädchen "Anni" mit Fächer, das der deutsche Expressionist Max Beckmann 1942 gemalt hatte, stieg im Jahr 2005 zum teuersten Kunstwerk im deutschen Auktionsmarkt auf. Das 85 mal 45 Zentimeter große Ölbild war so begehrt, dass es im Frühjahr bei Villa Grisebach in Berlin über 3,9 Millionen Euro erzielte. Dort konnte man 2009 mit zwei Beckmann-Landschaften wieder die ersten Plätze im deutschen Jahres-Ranking besetzen.

Im letzten Jahr hatte Ursula Nusser doppelten Grund zum Feiern: Zum 25. Geburtstag ihres Auktionshauses in München spielten zwei Tapisserien runde 200 000 Euro (ohne Aufgeld) ein - zehnmal so viel wie geschätzt. Die etwa 300 Jahre alten, hervorragend erhaltenen Wandteppiche (380 x 280 cm) stammen von dem Flamen Jan Frans van den Hecke.

Die Taxe von 200 000 Euro verdoppeln konnte 2009 eine Rouleau- Vase mit zwei erotischen Szenen. Das nur 40 Zentimeter hohe Gefäß, um 1640 in China entstanden, fand bei Nagel in Stuttgart für 558 000 Euro einen neuen Liebhaber.

Die Bronzeskulptur "La Pudeur" (die Scham) von 1981 des Künstlers Fernando Botero brachte im Dezember 2009 bei Van Ham in Köln 611 500 Euro ein, ein stolzer Preis für die nur 152 Zentimeter hohe und damit vergleichsweise eher zarte Figur des Kolumbianers.

Bei Karl & Faber in München gab es schon öfter grafische Blätter von Blinky Palermo unter den Losen, aber 2009 erklommen Vier Prototypen, Serigrafien auf Karton von 1970, für 28 700 Euro die Rekordmarke für Grafik des früh verstorbenen Künstlers.