Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 108

Augusts Leidenschaft

Von Petra Bosetti

VORSCHAU Zwei Ausstellungen feiern 300 Jahre Meissner Porzellan

Triumph der blauen Schwerter Japanisches Palais, Dresden, 9.5.-29.8.2010 Zauber der Zerbrechlichkeit Stadtmuseum, Berlin 8.5.-29.8.2010

Das könnte den Engländern wohl so passen: den Sachsen die Feiern zum 300- jährigen Bestehen der ältesten Porzellanmanufaktur Europas in Meißen zu vermiesen!

Denn dort wird Porzellan hergestellt, seit es dem deutschen Alchimisten Johann Friedrich Böttger (1682 bis 1719) als erstem Nicht-Chinesen gelungen war, das "weiße Gold" herzustellen. Weit gefehlt, sagen englische Wissenschaftler: Drei Gefäße, die im Burghley House in Lincolnshire verwahrt werden, sind nach Untersuchungen mit Rasterelektronen- und Röntgenspektroskopie als Hartporzellan identifiziert und wurden außerdem in einer Schenkungsurkunde von 1683 erwähnt.

Das ließ den deutschen Kollegen keine Ruhe. Materialforscher der Bergakademie Freiburg und des Instituts für Ionenstrahlphysik und Materialforschung Dresden stellten eine verdächtige Ähnlichkeit mit historischem Porzellan aus China und Japan fest. Ihr Schluss: Weißware aus Ostasien, die nachträglich in England bemalt wurde. Und so kann denn mit zwei Ausstellungen das Meissen-Jubiläum sorgenfrei gefeiert werden.

Unter dem Titel "Triumph der blauen Schwerter" - gemeint ist das Markenzeichen des Meissner Porzellans - konzentriert sich eine Ausstellung (Katalog: E. A.

Seemann Verlag, 39,90 Euro/ 49,90 Euro) der Porzellansammlung im Japanischen Palais in Dresden auf die ereignisreichen ersten 100 Jahre von 1710 bis 1815. Das Geheimnis des Hartporzellans war enträtselt, Meissen besaß ein europäi sches Monopol. Der geradezu porzellansüchtige Kurfürst August hätte an der Ausstellung im Japanischen Palais seine helle Freude gehabt - war dieses Gebäude doch zu seinen Lebzeiten der Hort seiner grandiosen Porzellansammlung. Die setzt ein mit dem zwar harten, aber noch gar nicht weißen "Böttgersteinzeug", das sich im Laufe der Zeit durch die Schmelzfarbenmalerei in das heute bekannte elegante, farbige Porzellan verwandelte.

In einer zweiten Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Stadtmuseum entstand, erweisen 50 der bedeutendsten europäischen Porzellanzentren Meissen, der "Mutter aller Porzellane", ihre Referenz.

"Zauber der Zerbrechlichkeit" ist der Titel der Ausstellung (Katalog:

E. A. Seemann Verlag, 39,90 Euro/49,90 Euro) im Ephraim- Palais, in dem der Einfluss Meissens auf die einzelnen Manufakturen demonstriert wird.

Bildunterschrift:

Prunkvolles Meissner Uhrengehäuse von George Fritzsche, Bemalung Höroldt-Werkstatt (1727)

Meissner Deckelpokal von Johann Gottlieb Kirchner (um 1727)