Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 103

Was die Natur zu bieten hat

Von Petra Bosetti

VORSCHAU Insgesamt sechs Städte feiern den deutschen Landschaftsmaler

Johann Wilhelm Schirmer Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 24.4.-29.8.2010, und andere

Heute klingt der Name, den Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie 1827 ihrem losen Zusammenschluss gaben, irgendwie kauzig: "Landschaftlicher Komponierverein".

So nannten Johann Wilhelm Schirmer (1807 bis 1863) und sein Kommilitone Carl Friedrich Lessing (1808 bis 1880) ihre - wie man heute sagen würde - Arbeitsgruppe.

Was die angehenden Maler im Sinn hatten, war aber damals durchaus progressiv.

Denn die beiden hatten erkannt, dass die an den Kunstschulen gelehrte akademische Malerei den romantischen Idealen, wie sie der große Caspar David Friedrich postuliert hatte, zuwiderlief.

Schirmer und Lessing gingen ins Freie und studierten mit größter Akribie Pflanzen, Wasser, Steine - alles, te. Schirmer verzichtete meist, wie damals üblich, darauf, seine Beobachtungen mit dem Zeichenstift festzuhalten, sondern setzte sie gleich vor Ort mit Ölfarben um. Diese Studien waren die Basis für raffiniert durchkomponierte Landschaftsbilder, die - ähnlich wie bei Friedrich - Gefühle und Stimmungen widerspiegeln sollten.

Aus der studentischen Arbeitsgruppe entstand ein neuer Lehrzweig, die Landschaftsklasse der Düsseldorfer Kunstakademie, deren Leiter Schirmer wurde.

Diesem Vorreiter der romantischen Landschaftsmalerei ist nun eine "Verbundausstellung" gewidmet - mehrere Institute im Rheinland haben sich zuammengeschlossen, um alle Aspekte des Werks von Schirmer zu beleuchten. "Ein bläulich silbriger Duft der Ferne" (Museum Kunstpalast Düsseldorf, 24. April bis 29. August) zeigt Schirmers Freilichtmalerei aus Italien. Skizzenbücher und Einzelblätter von Italienreisen präsentiert das Clemens-Sels-Museum Neuss (25. April bis 1. August). Die Druckgrafik wird in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch-Gladbach ausgestellt (25. April bis 16. Januar 2011). Landschaftskompositionen, die deutschen Auswanderern in Amerika ein Stück Heimat in die Ferne brachten, stehen im Museum Zitadelle Jülich im Mittelpunkt (9. Mai bis 31. Oktober).

Schirmers Maltechnik demonstriert eine Ausstellung im Landesmuseum Bonn (16. Mai bis 16. Januar 2011). Im Schloss Drachenburg in Königswinter wird gezeigt, wie er und seine Schüler Motive vom Mittelrhein bearbeitet haben (26. September bis 16. Januar 2011). Der Katalog ist im Michael Imhof Verlag erschienen (29 Euro/39,95 Euro).

Schirmers "Autobiographische Schriften" kommen ebenfalls bei Imhof heraus. (29 Euro/39,95 Euro).

Bildunterschrift:

Schirmer: "Bei Tivoli - Blick auf die Apsis der Kirche La Carità, 3. Juni 1840" (37 x 52 cm)