Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 104
Öl auf Bürowand
Von Kito Nedo
KRITIK Die Ausstellung über die Verbindung von Macht und Kunst wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet
Macht zeigen - Kunst als Herrschaftsstrategie Deutsches Historisches Museum, Berlin, 19.2.-13.6.2010
Gegenwartskunst ist heute Statussymbol, sie adelt die Sieger der Gesellschaft.
So lautet die Grundthese der von Wolfgang Ullrich organisierten Schau im Berliner DHM. Doch Ullrich will mehr zeigen und "Kunst als Herrschaftsstrategie" analysieren (Katalog: 24 Euro). Lässt sich Kunst aber heute tatsächlich im Sinne von politischer Herrschaft benutzen? Auf diese Frage liefert die Ausstellung leider keine Antwort. Kunst wird, das zeigt die wurstige Markus-Lüpertz- Skulptur im Kanzleramt, durch die Nähe zu Politik und Wirtschaft nicht besser. Politik ändert sich durch die Nähe zur Kunst offenbar auch nicht: Die Willy-Brandt- Skulptur von Rainer Fetting in der SPDZentrale wirft nur große Schatten. Und die Wirtschaft? Ergraute Herren mit verhärteten Minen werden nicht sympathischer, nur weil sie vor frischen Bildern posieren.
Kunst mag gute Kulissen für Macher-Fotos geben. Für eine aufklärerische Ausstellung braucht es mehr.
Bildunterschrift:
Gerhard Schröder in seinem ehemaligen Büro vor Baselitz-Gemälde "Fingermalerei III - Adler"
