Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 119
Versagt?
Von Till Briegleb
Wahlsieg für Radikale in niederländischer Vorzeigesiedlung Almere
KOLUMNE: AUSSER HAUS
Die erzieherische Wirkung von Architektur scheint doch ein Phantom zu sein. In den Niederlanden, wo moderne Baukunst kultiviert wird wie nirgends sonst, hat die Ambition gerade sehr gelitten. Der Islam-Hasser Geert Wilders gewann mit seiner Partei PVV die Kommunalwahlen in Almere.
Die Trabantenstadt von Amsterdam ist ein Vorzeigeprojekt der niederländischen Supermoderne. Der Masterplan des Zentrums stammt von Rem Koolhaas, Kunstarchitekten wie SANAA, UN Studio, Christian de Portzamparc entwarfen expressive Villen, Einkaufs- und Kulturzentren, Wohnhochhäuser und Siedlungsteile.
Und trotzdem wählten 21,6 Prozent einen Mann, der Moslems als "kriminellen Abschaum, hauptsächlich Terroristen aus Marokko und von den Antillen" bezeichnet und sie zwingen will, "in Containerhäuser außerhalb des Stadtbezirks zu ziehen". Schuld ist die Architektur daran sicher nicht. Aber Zweifel am Selbstbild der Architekten weckt das trotzdem.
Vielleicht sind sich ästhetische und populistische Eitelkeit gar nicht so fremd.
Dann wäre die Wahl ein guter Anlass, die Rolle der Architektur in der Gesellschaft politisch neu zu diskutieren.
Bildunterschrift: art-Autor
Trabantenstadt Almere
