Ausgabe: 05 / 2010
Seite: 121
Alte Meister statt Yachten
Von Andrea Graf
KUNSTMARKT Trotz der weltweiten Krise ist der Kunstmarkt relativ stabil geblieben und ein neuer Appetit auf Kunst erkennbar
Das Jahr 2009 wird in die Geschichte als das Jahr eingehen, in dem ein kompletter Zusammenbruch des Kunstmarkts gerade noch verhindert werden konnte", erklärt Thierry Ehrmann, Gründer der Kunstpreisdatenbank Artprice, in seiner Jahresbilanz 2009. Dazu beigetragen haben sowohl die Auktionshäuser, die ihre Preise gesenkt haben, um die Aktivität des Marktes aufrechtzuerhalten, als auch die Käuferschaft selbst: Vermögende investierten wieder eher in Kunst statt in Statussymbole wie Yachten und Jets. Kunst gelte in ihrem Wert als beständiger, und diese Attitüde wirkte sich positiv auf die internationale Marktpsychologie aus. Der Umsatz belief sich im Jahr 2009 auf 31,3 Milliarden Euro - ist demnach im Vergleich zum Rekordjahr 2007 mit 48,1 Milliarden Euro zwar stark geschwunden, allerdings versprechen neue Käufer Besserung.
Während die europäischen Länder zusammengenommen immer noch den höchsten Marktanteil stellen, zeigen sich China und Indien auf aufsteigendem Kurs, und China landet nach den USA und Großbritannien auf Platz drei. Die moderne Kunst bleibt nach wie vor der dominierende Kunstsektor mit fast 50 Prozent Marktanteil, auffällig ist das wieder zunehmende Interesse an Alten Meistern. Eine rund 500 Jahre alte Kohlezeichnung von Raffael (1483 bis 1520) wurde für sensationelle 32 Millionen Euro versteigert und gilt damit als zweitteuerster Altmeister der Auktionsgeschichte.
Grafik:
Welche Länder und welche Kunstsparten dominieren den Kunstmarkt?
Europa bleibt 2009 stabil, dafür ist China im Kommen. Und: Alte Meister kehren zurück und bringen Rekorde
Bildunterschrift:
Zum Rekordpreis versteigert: Raffaels "Kopf einer Muse" (31 x 22 cm)
Frisch graublau gestrichen sind die Wände der 33 neu gestalteten Räume, in denen das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg seit Kurzem seine Schausammlung mit rund 1000 Werken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert wieder präsentiert. Sechs Jahre war der Kernbestand der einzigartigen Sammlung mit Bildern von Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer und Lucas Cranach nicht zu sehen, weil das Obergeschoss des Galeriebaus saniert wurde. "Mit der Neueröffnung setzen wir Maßstäbe in Präsentation und innovativer Museumstechnik", schwärmt Generaldirektor Ulrich Großmann. Viele Objekte wurden eigens für den Wiederauftritt aufwändig restauriert.
