Ausgabe: 04 / 2010
Seite: P30-P41
Dresden, barock und zeitgenössisch
Von Susanne Altmann
Albertinum, Zwinger, Grünes Gewölbe: Zum 450-jährigen Bestehen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentiert die alte Barockstadt ihre Schätze in neuem Glanz. Aber auch Kunsträume und Galerien sind einen Besuch wert. Ein Kunstführer von art-Korrespondentin (Porträts: David Brandt)
STAATLICHE KUNSTSAMMLUN- GEN DRESDEN Albertinum Galerie Neue Meister und Skulpturensammlung, Eingänge Brühlsche Terrasse und Georg-Treu-Platz (Altstadt), Wiedereröffnung am 20. Juni 2010, täglich 10-18 Von der Antike über die Romantiker bis zu DDR-Kunst und Gegenwart: Das frisch umgebaute Albertinum auf der Brühlschen Terrasse über der Elbe allein ist eine Reise nach Dresden wert.
Das kühne neue Depot des Architekten Volker Staab (siehe Seite 42) schwebt wie eine Arche über dem jetzt zugänglichen Innenhof, in luftiger Höhe entstanden nicht nur hochwassersichere Lagerflächen, sondern auch exzellente Restaurierungswerkstätten.
In den Raumfluchten darunter werden in der Galerie Neue Meister Landschaftsgemälde des späten 19. Jahrhunderts mit Werken des Chinesen Ai Weiwei kombiniert oder Caspar David Friedrich mit Skulpturen von Gordon Matta-Clark. Immer wieder streut das neue Ausstellungskonzept Dreidimensionales aus der Moderne wie etwa von Auguste Rodin, Constatin Meunier oder Wilhelm Lehmbruck in die Gemäldesammlungen ein. Gerhard Richter und Georg Baselitz werden an ihre sächsischen Wurzeln zurückgeführt und können sich nun mit Lovis Corinth, Max Slevogt und ihren in der DDR verbliebenen Zeitgenossen messen.
In den ebenerdigen Gewölben richtet sich die Skulpturensammlung mit ihrem weiteren Bestand ein, etwa mit Marmorbildwerken von Balthasar Permoser oder Bronzen von Giambologna und Filarete. Außerdem gehören wichtige Antiken wie der anmutige "Dresdner Knabe" nach Polyklet, die ekstatische "Tanzende Mänade" des Skopas und die hoheitsvolle "Athena Lemnia" nach Phidias zu dieser Sammlung.
Kunsthalle im Lipsiusbau Georg-Treu-Platz 1 (Altstadt), Eingang Brühlsche Terrasse. Die Öffnungszeiten richten sich nach den jeweiligen Sonderausstellungen In diesem ehrwürdigen, griechisch anmutenden Neurenaissance-Tempel hat Gegenwartskunst ihre Heimat gefunden. Das hat Tradition: Seit 1894 Ausstellungsort des Sächsischen Kunstvereins, fand hier 1905 die spektakuläre Schau der Brücke-Maler statt, die in Dresden den Expressionismus begründeten.
Jetzt knüpfen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, unter deren Regie das Haus steht, an diese Geschichte an. Heute haben hier Künstler wie etwa Sigmar Polke, Martin Eder, Martin Honert und Beate Gütschow wie auch illustre Privatsammler wie Erika und Rolf Hoffmann oder Pierre T. M. Chen ihren Auftritt.
Beim Wiederaufbau der Kriegsruine (2004 bis 2005) wurde das Mauerwerk zum Teil roh belassen, das gibt den Ausstellungen immer einen leicht morbiden Charme. Vom 6.
Juni bis zum 19. September zeigt hier der 1946 geborene kanadische Fotokünstler Jeff Wall seine retrospektive Schau "Transit", die mit rund 20 seiner großformatigen Leuchtkasten-Arbeiten aus der Zeit von den achtziger Jahren bis heute Wandlungen und Übergänge thematisiert - passend zur Geschichte Dresdens und ganz Ostdeutschlands in diesem Zeitraum.
ZWINGER Gemäldegalerie Alte Meister Theaterplatz 1 (Altstadt), Semperbau, Di-So 10-18 Entschlossen verriegelt Gottfried Sempers kongenialer Galeriebau die luftige Barock- Architektur des Zwingers hin zur Elbe. An dieser Gemäldegalerie kommt der Dresden-Besucher ohnehin nicht vorbei. Die Rechnung von August dem Starken, sächsischer Kurfürst und polnischer König, und seinem Sohn, der Residenz durch Kunst Glanz zu verleihen, geht bis heute auf.
Durch gezielte Ankäufe, besonders in Italien, entstand hier eine Bildersammlung von absolutem Weltrang.
Ob Tizians "Zinsgroschen", Vermeers "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster", Rembrandts "Ganymed in den Fängen des Adlers", Antonello da Messinas "Heiliger Sebastian"; Lucas Cranachs d. Ä. "Katharinenaltar", Jean-Etienne Liotards "Schokoladenmädchen" oder die Veduten von Canaletto II. - sie alle müssen damit leben, dass Raffaels "Sixtinische Madonna" mit ihren süßen Engeln den Ruhm fast für sich alleine beansprucht. Es lohnt sich, viel Zeit einzupla nen.
Auch abseits der berühmten Highlights gibt es in diesem Museum, das zu den schönsten der Welt zählt, immer Neues zu entdecken.
Rüstkammer Semperbau am Zwinger, Di-So 10-18 Für Kunstliebhaber mit einer Schwäche für Martialisches bietet dieses Museum eine wahre Augenweide - und jeder Junge wird begeistert sein. Lebensgroße, geschnitzte Holzpferde tragen kostbare Turnierausrüstungen, die zu Ritterzeiten auf der nahen Turnierbahn im Stallhof des Schlosses oder bei höfischen Festen zum Einsatz kamen. Andere Prunkwaffen oder fein ziselierte Harnische waren nur zur Repräsentation gedacht.
Anhand von 1300 Exponaten können im Geiste ganze Schlachten nachgespielt werden - eine gute Alternative zum Videospiel auf dem heimischen Sofa.
Porzellansammlung Zwinger, Eingang Glockenspielpavillon, Di-So 10-18 Weil der sächsische Potentat August der Starke an einer heftigen "maladie de porcelaine", einer "Porzellankrankheit", litt, häufte er eine exzellente Sammlung chinesischer und japanischer Kostbarkeiten an; ohne Rücksicht auf Kosten.
Etwas billiger wurde die Passion, als der Alchimist Johann Friedrich Böttger 1708 das europäische Porzellan erfand und 1710 in Meißen eine Manufaktur gegründet wurde. Bereits seit 2006 werden die ostasiatischen Kleinodien in einem eleganten Ambiente von Peter Marino gezeigt.
Nun hat der New Yorker Architekt auch noch den zweiten Teil der Sammlung opulent inszeniert. Viel Gold, geschnitzte Konsolen, kostbare Seidenstoffe und Ledertapeten bilden die phantastische Kulisse für Porzellankunstwerke etwa von Johann Joachim Kaendler oder Johann Gregorius Höroldt. So thront fast theatralisch eine Vogelplastik auf einem goldenen Felsen, darüber ein filigraner Pavillon mit Glöckchen:
Man meint, mitten in Augusts exotischen Träumen zu wandeln.
Mathematisch- Physikalischer Salon Die einzigartige Sammlung kostbarer historischer Instrumente und Uhren ist derzeit wegen Umbaumaßnahmen geschlossen Residenzschloss Taschenberg 2 (Altstadt), Zugang auch über Sophienstraße und Schlossstraße Seit seiner Wiedereröffnung kann man das einstige Residenzschloss als Herzstück und Schaltzentrale der Staatlichen Kunstsammlungen bezeichnen, nicht nur, weil hier der Generaldirektor residiert und Grünes Gewölbe sowie Kupferstich-Kabinett beheimatet sind. Das Gebäude überwinterte fast die gesamte DDR-Zeit als Ruine und konnte nur durch einige beherzte Denkmalpfleger vor dem drohenden Abriss gerettet werden. Auf der Basis historischer Pläne und Fotos entstand es seit Mitte der achtziger Jahre wieder in seinem altem Glanz aus echter und Neo-Renaissance.
So sind die Mauern des Großen Schlosshofs fast lückenlos mit historischen Sgraffito-Malereien bedeckt. Gelungen ist auch die Überdachung des Kleinen Schlosshofs mit einem transparenten Membrandach von Peter Kulka, wo sich heute das Besucherfoyer befindet.
Jubiläumsausstellung zu 450 Jahren Staatliche Kunstsammlungen Dresden 18.4.-7.11., Mi-Mo 10-18 In einer großen Ausstellung feiern die Kunstsammlungen im Residenzschloss ihr aktuelles Jubiläumsjahr, Titel: "Zukunft seit 1560.
Die Ausstellung". Im Zentrum der Übersichtsschau steht die Geburt der heutigen Kollektionen aus dem Geist der Renaissance, wo das Sammeln selbst schon als schöpferischer Akt galt.
Das Besondere an den Dresdner Sammlungen ist ihre Kontinuität über Jahrhunderte.
Vieles von dem, was die Stadt dennoch verlassen hat, wird für diese Schau wieder herbeigeschafft.
Dazu gehört die prachtvolle Drahtziehbank, an der sich der Kurfürst August von Sachsen (1526 bis 1586), der Begründer der Kunstkammer, unter dem Dach seines Schlosses stilvoll im Handwerk übte.
Aus München kommt die zentrale Tafel "Maria als Schmerzensmutter" von Dürers "Madonnen-Altar", den die Sachsen-Herrscher einst aus dem Nachlass von Lucas Cranach d. J. kauften, eine ausgeklügelte Planetenlaufuhr von 1568 wird restauriert. Am sächsischen Hof regierten bis weit ins 18. Jahrhundert Machtstreben, Repräsentationsverlangen und Wissbe gier - all das kann auch an Exponaten aus Natur- und Technikgeschichte sowie Völkerkunde nacherlebt werden. Dass es im 19. und 20. Jahrhundert um das Gesamtkunstwerk Dresden etwas ruhiger wurde, fällt angesichts dieses fulminanten Starts ins neue Jahrtausend nicht ins Gewicht.
Historisches Grünes Gewölbe Residenzschloss, Mi-Mo 10-19, Zeittickets über (03 51) 49 14 20 00 und unter www.skd-dresden.de 2006, pünktlich zum 800- jährigen Bestehen der Stadt Dresden verschlug es Bewohnern wie Zugereisten den Atem. Zwar hatten sich viele schon vorher die Nasen an den vergitterten straßenseitigen Fenstern platt gedrückt, vor denen sich während der langen Bauzeit extra eine kleine Holzterrasse befand. Aber was da im Inneren der historischen Raumfluchten über Jahre hinweg aufwändig restauriert wurde, übertraf alle Erwartungen. Im "Grünen Gewölbe" setzte August der Starke seine ehrgeizige Vision vom Gesamtkunstwerk in die Tat um: Verspiegelte Schauwände, vergoldete Konsolen und geschnitzte Prunktische steigern lustvoll die unerschöpfliche Pracht der etwa 3000 Exponate, darunter Wunderwerke aus Elfenbein und Bergkristall, historische Geschmeide und Pokale. Für die Schatzgemächer ist unbedingt eine rechtzeitige Voranmeldung vonnöten, da pro Stunde nur 120 Besucher durch die Hightech-Schleuse eintreten dürfen.
Neues Grünes Gewölbe Residenzschloss, Mi-Mo 10-18 In zwölf Sälen sind hier die Schätze des Wettinergeschlechts zu bewundern.
Bereits 1560 kam es in Dresden zur Gründung einer fürstlichen Kunstkammer, wo nicht nur Ankäufe und Hofgeschenke aus Edelmetall, Kristall und wertvollen Steinen gehortet wurden, sondern auch jene Stücke, die direkt im Auftrag der Sachsenherrscher von den besten Künstlern der Zeit geschaffen wurden.
Der Staatsschatz explodierte gleichsam in der Zeit Augusts des Starken und seines Hofjuweliers Johann Melchior Dinglinger, der zusammen mit seinen beiden Brüdern einzigartige Werke wie den "Thron des Großmoguls Aureng-Zeb" oder das "Goldene Kaffeezeug" schuf.
Die Türckische Cammer.
Die Sammlung orientalischer Kunst in der kurfürstlich-sächsischen Rüstkammer Residenzschloss, Mi-Mo 10-18 Diese gerade eröffnete Präsentation ist eigentlich kein neues Museum, sondern Teil der existierenden Rüstkammer.
Doch eine bloße Kammer ist die magisch und wohltuend ohne multimedialen Schnickschnack inszenierte Raumflucht mit ihren zwei osmanischen Staatszelten aus dem 17.
Jahrhundert, kostbaren Waffen, Harnischen und Helmen beileibe nicht. Seit etwa 1600 identifizierten sich die sächsischen Herrscher mit den türkischen Sultanen, deren vermeintliche Allmacht sie anstrebten.
Auf 750 Quadratmetern zeugen 600 Exponate, die als Beutestücke, diplomatische Geschenke oder Ankäufe nach Dresden kamen, von dieser Bewunderung des Orients. Innerhalb Deutschlands ist die "Türckische Cammer" wohl die bedeutendste Sammlung ihrer Art, viele der Stücke waren seit dem Weltkrieg nicht mehr zu sehen.
Kupferstich-Kabinett Residenzschloss, Mi-Mo 10-18 Ob Cranach oder Dürer, Kollwitz oder Baselitz - hier werden in einer der weltweit besten Kollektionen ihrer Art seit Jahrhunderten hingebungsvoll Papierarbeiten gesammelt. Wie überall in grafischen Sammlungen werden die lichtempfindlichen Werke weitgehend unter Verschluss gehalten und kommen nur bei Sonderschauen zum Vorschein.
Doch im Studiensaal kann man zu Forschungszwecken fast täglich ausgewählte Blätter in Augenschein nehmen. Spezialausstellungen konzentrieren sich auf den historischen Bestand, machen aber auch um Gegenwartskunst und Fotografie keinen Bogen. Zu DDR-Zeiten organisierte der damalige Direktor Werner Schmidt gewitzte Ankäufe und Schenkungen, die - einzigartig im Osten - eine fast lückenlose Kunstgeschichtsschreibung ermöglichen.
Münzkabinett Residenzschloss, Georgenbau, Mi 10-17.30, telefonische Voranmeldung: (03 51) 49 14 32 31 Das Münzkabinett ist mit seiner 500-jährigen Geschichte eines der ältesten Museen Dresdens. Die Anfänge der Sammlung lassen sich bis auf Herzog Georg den Bärtigen (1500 bis 1539) zurückverfolgen, der zahlreiche Medaillen mit seinem Bildnis in Auftrag gab. Nachfolgende Kurfürsten und Könige vermehrten kontinuierlich den Sammlungsbestand des Kabinetts.
Bevor in den nächsten Jahren auch die Dauerausstellung im Schloss eingerichtet wird, präsentiert sich die Sammlung mit wechselnden Sonderausstellungen im Hausmannsturm.
Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung Köpckestraße 1 (Neustadt), bis 26. November 2010 wg. Baumaßnahmen geschlossen, Di-So 10-18 Der kleine, dreitürmige Renaissancebau namens Jägerhof überlebte wie durch ein Wunder den Bombenangriff auf Dresden. Er liegt, heute etwas eingezwängt von DDR-Plattenbauten, auf der Neustädter Elbseite.
Hier versammelte der Gründungsdirektor Oskar Seyffert bereits seit 1913 kunsthandwerkliche Artefakte aus der Region. Dazu gehören die zauberhaften Trachten der in Sachsen heimischen sorbischen Minderheit und zarte Klöppelkunst aus dem Erzgebirge genauso wie wuchtige Bauernmöbel und traditioneller Weihnachtsschmuck.
Seit 2005 befindet sich hier auch eine Sammlung von historischen Marionetten und Spielpuppen.
Ein Geheimtipp.
Japanisches Palais Palaisplatz 11 (Innere Neustadt), Di-So 10-18 1717 erwarb August der Starke dieses Gebäude von Graf von Flemming und verwandelte es in sein persönliches Porzellanschloss, wo er seine ostasiatischen Ankäufe gemeinsam mit den Produkten der 1710 gegründeten Porzellanmanu faktur Meissen zeigte. Unter dem Ausstellungstitel "Triumph der blauen Schwerter. Meißner Porzellan für Adel und Bürgertum 1710 bis 1815" feiert sich Dresden hier vom 28. Mai bis 29. August als Hauptstadt feinsten europäischen Steinzeugs. Das aktuell von verschiedenen Interessengruppen umkämpfte Palais findet so wieder zu seiner Originalbestimmung zurück. Doch noch befinden sich das Landesmuseum für Vorgeschichte sowie das Museum für Völkerkunde in dem herrschaftlichen Barockbau im Asia-Stil.
Kunstgewerbemuseum im Schloss Pillnitz August-Böckstiegel-Straße 2 (Pillnitz), geöffnet vom 1.
Mai bis 31. Oktober, Bergpalais Di-So 10-18, Wasserpalais Mi-Mo 10-18 Zum Pillnitzer Schloss reist man am besten per Dampfschiff (Abfahrt am Terrassenufer in der Altstadt).
Nur so ist nachvollziehbar, auf welch angenehme Weise Sachsenkurfürst August der Starke einst seine Mätresse Gräfin Cosel besuchte, der er dieses zauberhafte Lustschloss geschenkt hatte. Als sie in Ungnade fiel, wurde sie dann freilich wieder enteignet.
Durchweg im asiatisch angehauchten Stil erbaut, besteht die barocke Anlage nicht nur aus dem Wasserpalais mit wunderbarer Freitreppe zum Fluss und dem Bergpalais, sondern auch aus einem stilvollen historischen Garten mit allerlei exotischen Gewächsen, einer uralten asiatischen Kamelie und einer herrlichen Orangerie.
Seit 1963 befindet sich in beiden Gebäuden die Kunstgewerbesammlung, zu deren Höhepunkten nicht nur ein opulenter Thronsessel Augusts des Starken gehört, sondern auch ein sehenswertes Konvolut von schrägem DDR-Design.
STÄDTISCHE INSTITUTIONEN Stadtmuseum Dresden Wilsdruffer Straße 2 (Altstadt), Di-So 10-18, Fr bis 19 1776 als Versammlungshaus der sächsischen Landstände in schönster Synthese von Klassizismus, Spätbarock und Rokoko erbaut, ist das Landhaus eines der frühesten öffentlichen Gebäude der Stadt. Die stadtgeschichtliche Dauerausstellung erzählt Geschichten von der ersten urkundlichen Erwähnung Dresdens im Jahr 1206 über die glorreiche Barockzeit bis hin zur Zerstörung 1945, zur DDR-Zeit und dem "postwendischen" Wiederaufbau.
Großen Zuspruchs erfreut sich die umfangreiche Sonderschau zur Rekonstruktion der nahen Frauenkirche, die noch bis Ende 2010 gezeigt wird.
Städtische Galerie Dresden Wilsdruffer Straße 2 (Altstadt), Eingang Landhausstraße, Di-So 10-18, Fr bis 19 Erst 2002 auf Initiative von Dresdner Bürgern gegründet, nimmt dieses junge Kunstmuseum zwei Galerieräume in dem prächtigen Palais des Landhauses ein. Mit einer Sammlung von 1700 Gemälden, 800 Plastiken und mehr als 20 000 Papierarbeiten wird hier eine Zeitspanne vom 16. Jahrhundert bis heute erfasst. In einer der beiden Galerien werden ständig Werke aus dem Bestand wie etwa von Otto Dix, Gotthardt Kuehl, Curt Querner oder Willy Wolff gezeigt, die der seit der deutschen Teilung fast in Vergessenheit geratenen Dresdner Maltradition zu ihrem Recht verhilft.
Außerdem findet ein kontinuierliches Programm mit junger Kunst statt.
Leonhardi-Museum Grundstraße 26 (Loschwitz), Di-Fr 14-18, Sa, So 10-18 Noch bis in das späte 19.
Jahrhundert hinein wurde in dem romantischen Gebäude an der Grundstraße Mehl gemahlen. 1879 erwarb der Kunstmaler Eduard Leonhardi das idyllische Haus und nutzte es als Atelier. Ganz im Geiste seiner Zeit ließ er die Fachwerkfassade mit überschwänglicher Ornamentik und allerlei Sinnsprüchen verzieren und widmete sich ansonsten großformatigen Ansichten des deutschen Waldes. Als großzügiger Mäzen vererbte Leonhardi das Anwesen den Küns ten.
Zu DDR-Zeiten war das Haus landesweit einer der wenigen Orte, wo es für einige Jahre experimentell und recht unzensiert zugehen durfte. Heute finden hier vorwiegend Einzelausstellungen wie von Olaf Nicolai, Monika Brandmeier, Yehudit Sasportas oder Evelyn Richter statt. Im Garten steht mit der "Faltung" eine der wenigen öffentlichen Metallplastiken des Dresdner Konstruktivisten Hermann Glöckner.
Kunsthaus Dresden.
Städtische Galerie für Gegenwartskunst Rähnitzgasse 8 (Innere Neustadt), Di-Fr 14-19, Sa, So 12-20 Kein seltenes Phänomen in Dresden: Die Gegenwartskunst versteckt sich an Orten, wo man sie nicht vermuten würde. Hinter der unscheinbaren Fassade eines Bürgerhauses in der Inneren Neustadt wohnt die zeitgenössische Kunst.
Kritische und thematische Gruppenausstellungen erinnern daran, dass es in der Stadt mehr als nur Barock gibt. Verwinkelte Räume, Gewölbe und sogar ein dunkler Keller lassen den Kunstgenuss zu einem ungewöhnlichen Parcours werden. Im Kassenraum kann in zahlreichen Publikationen geschmökert werden, im Sommer finden Veranstaltungen in dem schönen Innenhof statt.
Kügelgenhaus - Museum der Dresdner Romantik Hauptstraße 13 (Innere Neustadt), Mi-So 10-18 Sie war der Stolz des sozialistischen Dresden, die 1981 eröffnete Flaniermeile Hauptstraße, damals "Straße der Befreiung". Neben begehrten neuen Wohnhäusern, in deren Erdgeschoss zahlreiche Geschäfte und Kneipen einluden, wurden hier auch einige der völlig zerstörten Bürgerhäuser wieder aufgebaut. Das Kügelgenhaus trägt den Namen seines einstigen Hausherrn, des romantischen Malers Gerhard von Kügelgen, der mit Größen wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus oder Theodor Körner regen Umgang pflegte.
Die Räumlichkeiten bieten einen intimen Ausflug in die bürgerliche Geisteswelt um 1800, inklusive des nachgestellten Malerateliers von Kügelgen.
Technische Sammlungen der Stadt Dresden Junghansstraße 1-3 (Striesen), Di-Fr 9-17, Sa, So 10-18 Weithin sichtbar thront im Ostteil von Dresden der Ernemannturm.
Wie ein gewaltiges Teleskop verweist er auf die Vergangenheit der Stadt als Standort der Kameraindustrie. In den Ernemann- Werken wurden Fotoapparate und Filmprojektoren entwickelt und hergestellt.
Auch die zu DDRZeiten produzierten Spiegelreflexkameras des dann in "Pentacon" umbenannten Werks genießen heute noch Ruhm unter Liebhabern.
Insofern ist dieser gebaute Meilenstein der Technikgeschichte die passende Bühne für eine riesige Sammlung von Apparaten und Instrumenten der Optik, der Büro-, Unterhaltungs- und Rechentechnik - ein interaktives Abenteuer nicht nur für Liebhaber. Als Highlight werden im Museumskino frühe Filme auf originalen Ernemann-Projektoren gezeigt.
Palais im Großen Garten Hauptallee im Großen Garten, zu besichtigen im Rahmen von Veranstaltungen, Sonderausstellungen, Führungen sonntags um 14.30 Zu seiner Bauzeit um 1680 lag es vor den Toren der Stadt. Heute bildet es den Mittelpunkt der größten städtischen Parkanlage, des Großen Gartens, und wird auf allen vier Seiten von lebhaften Verkehrsadern umschlossen. Als Lustschloss gedacht, fanden hier besonders unter August dem Starken rauschende Hoffeste statt - so etwa 1719 das Venusfest anlässlich der Hochzeit des Thronfolgers mit der Wiener Kaisertochter Maria Josepha. Bereits ab 1720 wurden hier antike Skulpturen aufgestellt, und auch heute dient das Palais zur Präsentation historischer und zeitgenössischer Bildhauerkunst.
Unter dem Titel "Permoser im Palais - Geborgene Originale des sächsischen Barock" begegnet man hier nicht nur Werken des Hofbildhauers Balthasar Permoser, sondern auch von Zeitgenossen wie Benjamin Thomae oder Johann Gottfried Knöfler.
Verkehrsmuseum Dresden (Johanneum)
Augustusstraße 1 (Altstadt), Di-So 10-17 Wer weiß schon heute noch, dass die erste deutsche Fernbahn ab 1839 zwischen Dresden und Leipzig verkehrte und dass 1710 in Dresden 20 Sänftenträger ihre Dienste anboten?
All das und noch viel mehr erfährt man im Verkehrsmuseum, das nebenbei noch eines der ältesten Gebäude in der Stadt überhaupt ist. Das 1586 fertig gestellte Bauwerk mit einer Verbindung zum Residenzschloss und seiner eleganten doppelläufigen Freitreppe diente den Kurfürsten schon damals als Remise und Stallung.
Der Stallhof auf der Rückseite, wo dereinst Turniere und Reiterspiele stattfanden, gilt als einer der ältesten erhaltenen Renaissancehöfe Europas.
SONSTIGE INSTITUTIONEN UND INITIATIVEN Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden Brühlsche Terrasse 1 (Altstadt), Ausstellungsräume im Oktogon, Di-So 11-18 1764 gegründet, ist diese Akademie auf Brühlschen Terrasse eine der ältesten in Deutschland. Für heutige Studenten ist diese Tradition ein ebenso ehrenvolles wie belastendes Erbe.
Wenn direkt über den Atelierfenstern in goldenen Lettern Namen wie "Duerer", "Lionardo" oder "Raffael" prangen und auf der gläsernen Kuppel eine Fama- Figur an den Zwang zum Ruhm erinnert, dann könnte man schon ein bisschen trotzig werden.
Zwar wird in Dresden gern über die Bürde der Geschichte geklagt, doch zu den illustren Absolventen der Schule gehören nicht nur Ludwig Richter oder George Grosz, sondern auch Eberhard Havekost oder Thomas Scheibitz. Die Riege der Professoren liest sich nicht weniger eindrucksvoll: einst Gottfried Semper, Otto Dix und Oskar Kokoschka, jetzt Martin Honert, Ulrike Grossarth, Monika Brandmeier oder Ralf Kerbach.
Zu DDR-Zeiten entwickelte sich hier ein wahres Nest der Subkultur mit legendären Faschingsfesten und provokanten Auftritten der "Autoperforationsartisten".
Es empfiehlt sich ein Besuch in der Ausstellungshalle des Oktogons, wo auch regelmäßig Studenten- und Absolventenwerke zu sehen sind.
Deutsches Hygiene-Museum Lingnerplatz 1 (Seevorstadt, Nähe Großer Garten), Di-So 10-18 Der Dresdner Odol-Fabrikant Karl August Lingner fühlte sich nicht nur für die Mundhygiene zuständig, sondern auch für das Volkswohl insgesamt. So betrieb er seit der erfolgreichen Internationalen Hygiene- Ausstellung von 1912 in Dresden den Aufbau eines entsprechenden Museums.
Der Mundwassermagnat selbst starb schon 1916, doch 1930 wurde der moderne Bau des Architekten Wilhelm Kreis eröffnet.
In der Dauerausstellung "Abenteuer Mensch" fasziniert noch immer die lebensgroße "Gläserne Frau" mit ihren Einblicken in Anatomie und Blutkreislauf.
Doch neben medizinischen und hygienischen Themen sieht sich das Museum schon viele Jahre als Plattform für soziale und naturwissenschaftliche Fragestellungen. Dabei wird in die klugen und unterhaltsamen Sonderausstellungen meist auch Gegenwartskunst einbezogen - so auch in der aktuellen Schau "Was ist schön?" (art 3/2010), die vom 27.
März bis zum 2. Januar 2011 zu sehen ist.
Motorenhalle.
Projektzentrum für zeitgenössische Kunst Wachsbleichstraße 4a (Friedrichstadt), Di-Fr 16- 20, Sa 14-18 Nur wenige Gehminuten vom historischen Stadtzentrum entfernt, liegt zu Füßen der ehemaligen Tabakfabrik in Moscheengestalt Yenidze die Friedrichstadt.
Dass hier Ludwig Richter geboren wurde und dass sich im 18. Jahrhundert Graf Marcolini hier ein zauberhaftes Palais, heute Krankenhaus, kaufte, wissen nur wenige. Brachen und eher unansehnliche Bauten bestimmen das Bild. Doch seit 2003 gibt einen Lichtblick. Unter dem Schutz des alteingesessenen Kulturvereins riesa efau wurde eine ehemalige Motorenhalle zu einem Ort für das Zeitgenössische umgebaut. Der Laufkran von einst gehört bis heute zum Inventar und wird gerne in die Kunstprojekte einbezogen. Besonders Gegenwartkunst aus Osteuropa und allerlei experimentelle Strategien haben hier ein festes Domizil gefunden.
Kunsthaus Raskolnikow/Galerie Böhmische Straße 34 (Äußere Neustadt), Mi-Fr 15-18, Sa 11-14 Nach der Maueröffnung gründeten Künstler in dem alten Bürgerhaus eine Szenekneipe und einen Kunstverein. Nach außen hin eher unspektakulär wirkend, öffnet sich zum Hinterhof ein stiller Sommergarten mit plätscherndem Kunstbrunnen. Im ersten Stock führt Iduna Böhning mit Engagement zwei Ausstellungsräume, die immer wieder mit einem ausgesuchten internationalen Programm überraschen.
Wer sich noch ein Zimmer in der darüberliegenden Pension nimmt, erfährt die vitale Atmosphäre der Dresdner Neustadt aus erster Hand.
Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Zellescher Weg 18 (Südvorstadt), Mo-Fr 10-17 In der Schatzkammer des Buchmuseums herrscht eine weihevolle Atmosphäre.
Dämmeriges Licht lässt goldene Buchdeckel und Artefakte umso verführerischer glänzen. Hier wird der weltberühmte "Codex Dresdensis" aufbewahrt, eine der vier erhaltenen Maya-Handschriften.
Die rund 800 Jahre alte Kostbarkeit wurde 1739 im Auftrag vom Sohn Augusts des Starken erworben. Heute teilt sie sich den Platz im Schautresor auch mit einem Skizzenbuch von Albrecht Dürer und Vorlesungsmanuskripten von Martin Luther.
Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Olbrichtplatz 2 (Albertstadt), Di-So 9-17 Als gewaltiger Keil schiebt sich ein Neubau von Daniel Libeskind mitten durch das historische Arsenalgebäude in der Dresdner Albertstadt.
Hier am Stadtrand zur Dresdner Heide, wo seit Jahrhunderten das Militär heimisch ist, erfindet sich derzeit das Militärhistorische Museum neu. Ist der Umbau abgeschlossen, läuft man in dem Libeskindschen Einschub wie auf einer großen Rampe nach unten, vorbei an meterlangen Vitrinen und schließlich schwerem Kriegsgerät. Der Besuch wird gekrönt von einem weiten Ausblick über die Stadt im Elbtal, den der Architekt ganz oben als Balkon inszeniert. Bis zur Eröffnung des Libeskind-Baus 2011 zeichnet eine Übergangsausstellung die Militärgeschichte Dresdens und Deutschlands nach.
Universitätssammlungen.
Kunst + Technik, Altana- Galerie der Technischen Universität Dresden Helmholtzstraße 9, Görgesbau (Südvorstadt)
Erst 2003, zum 175. Bestehen der Technischen Universität Dresden gegründet, werden hier Exponate der Technikgeschichte mit Werken der bildenden Kunst kombiniert. Besonders Konkrete Kunst und kinetische Arbeiten spiegeln den Schulterschluss zwischen Wissenschaft und Kunst. Von hier aus kann man einen Rundgang über den Campus antreten und sowohl die interessanten Architekturen der Institute besichtigen wie auch Arbeiten im Außenraum, etwa von Wieland Förster oder Hermann Glöckner.
Dessen "Mast mit zwei Faltungszonen" von 1984 ist eine Rarität - nicht nur im Werk des Dresdner Konstruktivisten, sondern auch generell, da geometrische Abstraktionen in der DDR offiziell verpönt waren.
Festspielhaus Hellerau Karl-Liebknecht-Str. 56 (Hellerau), Mo-Fr 10-16 Auf dem sandigen Boden der Dresdner Heide verwirklichte der Möbelfabrikant Karl Schmid um 1900 seinen Lebenstraum. In den Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH), einer Anlage von Richard Riemerschmid, ließ er Holzmöbel nach den Idealen des Deutschen Werkbunds fertigen und siedelte seine Arbeiter in einer modellhaften Gartenstadt an. Seine Vision besiegelte Schmidt mit dem eindrucksvollen Festpielhaus von Heinrich Tessenow, das seit 1911 den grünen Hügel krönt.
Dort trafen sich für einige inspirierte Jahre Künstler und Intellektuelle aus ganz Europa, um zu arbeiten und um den experimentellen Aufführungen im Festspielhaus beizuwohnen.
Man kann diesen Ort, wo der Schweizer Tanzpädagoge Emile Jaques-Dalcroze und der Bühnenreformer Adolphe Appia wirkten, getrost als eine Wiege der Moderne bezeichnen. Bereits der Erste Weltkrieg setzte dem kreativen Treiben ein jähes Ende, Nazis und Sowjets nutzten das Areal, das langsam verkam, als Kaserne und Lazarett.
Heute, nach einer umfänglichen Sanierung, besinnt sich Hellerau wieder auf seine glorreiche Vergangenheit.
Die Forsythe Company feiert hier Premieren und auch das innovative Tanztheater Derevo.
Im Januar wagte hier der Neue Sächsische Kunstverein einen Neustart und will die Räume regelmäßig mit Gegenwartskunst bespielen.
Hellerau liegt nur wenige Autominuten von der Dresdner Neustadt entfernt und bietet sich mit einem Besuch von Festpielhaus, der Dauerausstellung des Deutschen Werkbunds Sachsen, den DWH und Gartenstadt für einen Tagesausflug an.
PRIVATE GALERIEN Galerie Gebr. Lehmann Görlitzer Straße 16 (Äußere Neustadt), Di-Fr 10-18, Sa 11-14 Das weltweit erfolgreiche Unternehmen wurde 1988 in der tristen Dresdner Friedrichstadt als subversive Wohnungsgalerie gegründet.
Mit den Erfolgen von Dresdner Kunstheroen wie Thomas Scheibitz oder Eberhard Havekost um 2000 gelang dem Brüderpaar Frank und Ralf Lehmann der Durchbruch in die internationale Liga.
Noch heute, mittlerweile im Szenequartier Neustadt beheimatet, entdecken sie ihre Stars gerne in der Kunsthochschule am anderen Elbufer. Seit einigen Jahren vermarkten sie ihre Entdeckungen in einer Berliner Dependance und zeigen dort auch gerne aktuelle Kunst aus dem asiatischen Raum wie die von Yeondoo Jung oder Keiichi Tanaami.
Zum erprobten Stammpersonal gehören neben Havekost und Martin Honert auch Slawomir Elsner, Tatjana Doll oder Olaf Holzapfel.
Galerie Baer - Raum für aktuelle Kunst Louisenstraße 72 (Neustadt), Di, Mi 10-15, Do, Fr 12-19, Sa 12-17 Vor sieben Jahren wagte der junge Kunsthistoriker Patrick-Daniel Baer den Sprung ins Galeriegeschäft.
Wie andere lokale Kollegen setzte auch er auf den reichen Fundus an Absolventen der Kunstakademie und behielt mit seiner Spürnase Recht. Die Ausstellungschoreografie, die Baer gemeinsam mit seinen Künstlern wie Theo Boettger oder Sebastian Hempel entwirft, hat Kunstvereinsqualität.
Empfehlenswert sind auch Positionen wie die des beherzten Holzschneiders Jan Brokof, der mit dieser altväterlichen Technik ganze Environments schafft, oder der Videokünstlerin Martina Wolf, die sich für ihre bewegten Gemälde gern in Russland inspirieren lässt.
Galerie Elly Brose-Eiermann Bischofsweg 24 hh (Äußere Neustadt), Di-Sa 12-18 In einem Hinterhof an der belebten Nordkante der Äußeren Neustadt findet man diese Galerie, die seit ihrer Gründung 1999 als "büro für kunst" bekannt war. Seit einiger Zeit führt Galeristin Elly Brose-Eiermann die Räume unter ihrem Klarnamen.
Unabhängig von den wechselnden Ausstellungen, erfreut zu jeder Jahreszeit der "Fremde Garten" der Dresdner Künstlerin Ulrike Gärtner. Diese kleine Anlage mit Stilelementen japanischer Zen-Gärten besteht keineswegs aus exotischen Gewächsen, sondern aus vor Jahrhunderten eingewilderten asiatischen Pflanzen; aus dem Fremden, das uns längst als das Eigene erscheint. In diesem Sinne mischt Elly Brose-Eiermann in ihrem Programm auch einheimische mit überregionalen Künstlern.
So gehören die Dresden-Absolventen wie Sophia Schama, Martin Borowski, Dirk Heerklotz oder Christoph Rodde genauso zum Stamm wie der Tscheche Pavel Mrkus oder der Engländer Matthew Houlding.
Galerie Döbele Pohlandstraße 19 (Striesen), Di-Fr 10-12 u.14-18, Sa 11-17 Als die Schwaben Hedwig Döbele und ihr Mann Johannes 1995 nach Dresden kamen, waren sie beileibe keine Newcomer in der lokalen Kunstszene.
Schon Ende der Siebziger hatten sie sich unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen für die sächsische Avantgarde stark gemacht und im heimischen Ravensburg sowie in Stuttgart Künstler wie Ernst Hassebrauk, Wilhelm Rudolph, Helmut Schmidt-Kirstein, Albert Wigand oder Curt Querner ausgestellt. In der noblen Striesener Bürgervilla kann man von den "zugereisten" Döbeles fast mehr über Dresdner Vorkriegsmoderne erfahren als anderswo in der Stadt. Bis heute vertritt die Galerie die Werke von Schmidt-Kirstein und Wigand, hat aber auch mit Ralf Kerbach einen einflussreichen Professor der Dresdner Kunsthochschule im Programm, der eine ganze Generation von jungen Malern prägte.
Galerie Margareta Friesen Basteistraße 3 (Gruna), Di-Do 14-19 In einem stillen Villenviertel am Ostrand des Großen Gartens betreibt die Kunsthistorikerin Margareta Noeske eine elegante Galerie unter ihrem vorehelichen Namen. Die Eröffnungen hier erinnern an unterhaltsame Salonabende. Mit Evelyn Richter, Gundula Schulze-Eldowy oder Klaus- Dieter Weber macht sie sich für Fotografie stark, zeigt diese aber auch immer wieder in Verbindung mit Objekten und Skulpturen. zanderkasten Leipziger Straße 2 (Neustadt), Di-Fr 14-20, Sa 11-16 Die jüngste Dresdner Galerie für Gegenwartskunst siedelt im rauen Niemandsland zwischen Leipziger Vorstadt und Elbufer. Hier haben der Architekt Jens Heinrich Zander und der Künstler Holger Kasten- Grauberg vor knapp zwei Jahren einen großzügigen Raum eröffnet. Zu ihren Favoriten gehört der Maler Wolfram Neumann, der mit seinen psychedelischen Farborgien an Munch oder Van Gogh eher erinnert als an irgendeine aktuelle Schule aus dem sächsischen Raum. zanderkasten setzt gerne auf Überraschungen - etwa mit dem Holzschneider Frank Lippold, der gleich die ganzen Druckstöcke ausstellt und dessen geschwärzte Holztafeln Romantik und Experiment gekonnt fusionieren.
Galerie Beyer Seitenstraße 4b (Neustadt), Mi-Sa 15-20 Bernd Beyer fährt im umtriebigen Hechtviertel mit dessen zahlreichen Kneipen und Läden ein generationenübergreifendes Programm, bei dem sich ältere Künstler wie Gustav Kluge, Elke Hopfe, Strawalde oder Wolfram Ebersbach mit jungen wie Margret Hoppe oder Annett Oehme abwechseln. Während die Leipziger Fotografin Hoppe seit langem das Verschwinden der DDR aus dem Blickwinkel einer wachen Nachgeborenen dokumentiert, stellt die ehemalige Porzellanmalerin Oehme farbintensive Häkelobjekte her. Wer zur Galerie läuft, kommt an der verwilderten Kirchruine St. Pauli vorbei, wo im Sommer experimentelle Theateraufführungen stattfinden. Unmittelbar neben den Beyer-Räumen lässt sich in dem hübschen "Café & Restaurant Saite" noch genüsslich speisen.
Galerie Drei Prießnitzstraße 43 (Äußere Neustadt), Di-Fr 14- 18.30, Sa 11-18 In dem Eckladen am Neustädter Prießnitzbach befindet sich bereits seit 1996 der Hauptsitz der "Dresdner Sezession '89", einer Künstlerinneninitiative, die im Dezember 1989 von Angela Hampel, Gudrun Trendafilov und anderen Mitstreiterinnen gegründet wurde. Als erste Frauengalerie in einem Umfeld, das "Emanze" lange als Schimpfwort begriff, hatten es die 23 Damen der ersten Stunde nicht leicht. Doch mit Ausstellungen etwa von Leiko Ikemura, Tina Bara, Valie Export, Rune Mields, Natalia LL oder Nuria Quevedo hat sich die "Galerie Drei" einen festen Platz auf der Dresdner Kunstlandkarte gesichert und unterstützt auch bis heute engagiert weibliches Kunstschaffen.
Galerie Mitte Striesener Straße 49 (Johannstadt-Süd), Di-Fr 15-19, Sa 10-14 1979 als DDR-Stadtbezirksgalerie gegründet, bildete die Galerie Mitte jedoch immer einen Zufluchtsort für Subkultur und unangepasste Experimente. Die letzte offizielle Leiterin des Ortes, Karin Weber, überführte ihn nach 1989 in eine Privatgalerie.
Viele der damals ausgestellten Künstler wie Claus Weidensdorfer oder Angela Hampel blieben der Galerie treu, auch wenn diese vor einigen Jahren von der ursprünglichen Beletage in den Oberstock eines nahen Mietshauses zog. Die berühmte Warhol- Banane an der Haustür erleichtert die Orientierung.
Kunstausstellung Kühl Nordstraße 5 (Radeberger Vorstadt), Di-Do 11-18, Fr 11-19, Sa 10-14 Dieser Ort ist eine durchaus ehrwürdige Adresse, weil er mit Gründungsjahr 1924 die älteste noch existente Kunsthandlung in Dresden ist. Inmitten der üblichen Feindseligkeit gegenüber allem Bürgerlichen, lavierte Johannes Kühl, Sohn des Gründers Heinrich, das Unternehmen durch die DDRZeit, mit einigen nach 1989 etwas umstrittenen Winkelzügen.
So konnte man in der damals würdevoll verfallenden Villa im Preußischen Viertel eine fast surreal-behagliche Atmosphäre aus Kunstwerken, Antiquitäten und verwelkenden Blumensträußen genießen. Bis heute ist die Galerie im Familienbesitz und widmet sich so unterschiedlichen Positionen wie Wilhelm Lachnit und Hans Jüchser oder Christine Schlegel und Karola Smy.
Galerien der Inneren Neustadt/Kunstquartier Königstraße Hier lässt sich ausgezeichnet flanieren. Nicht nur laden zahlreiche Restaurants wie etwa das beliebte tschechisch-böhmische "Wenzel" zum Verweilen ein, sondern auch zahlreiche nette Boutiquen. Ganz besonders empfiehlt sich der Besuch in den vier Galerien, die sich in diesem Viertel auf der Rückseite der Dreikönigskirche in den Gassen verstecken. Ob bei Sybille Nütt oder Ines Schulz, bei Finckenstein oder Brigitte Utz, überall wird Malerei und Grafik geschätzt. Während bei Schulz oder Nütt vor allem Entdeckungen in den jüngeren Jahrgängen gelingen, hat sich Finckenstein besonders der Klassischen Moderne verschrieben. Bei Utz findet man mit Künstlern wie Hans-Hendrik Grimmling, Hans Scheib oder Peter Herrmann vorzügliche, noch aktive Vertreter der unangepassten DDR-Kunst. Erst recht bei Papierarbeiten dürfte hier so manches exzellente Schnäppchen gelingen.
Galerie Brigitte Utz Rähnitzgasse 17, Mo, Sa 10-14, Mi-Fr 10-19 Finckenstein. Galerie und Kunsthandlung Obergraben 8a, Mo-Fr 11-18, Sa 10-15 Galerie Ines Schulz Obergraben 21, Mo-Fr 10- 18.30, Sa 11-16 Galerie Sybille Nütt Obergraben 10, Mo 10-18, Di-Fr 11-18, Sa 10-15 Galerien am Körnerplatz (Loschwitz)
Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben scheint - rote Backsteinfassaden umschließen den kleinen Platz an der berühmten stählernen Elbbrücke "Blaues Wunder". Von hier aus fahren Standseilbahn und Schwebebahn in die Loschwitzer Hänge und das Villenviertel "Weißer Hirsch", wo der "Der Turm" von Uwe Tellkamp spielt. Am Körnerplatz präsentiert der Rahmenbauer Peter Eisermann immer wieder kleine Ausstellungen der Elbhangkünstler in seinem Laden, Angelika Makolies betreut in einem Fachwerkhaus ihre Galerie "Hieronymus" mit Künstlern wie A.R. Penck, Winfried Dierske oder Strawalde.
Auch Urgestein Gunter Ziller pflegt mit seiner "Galerie am Blauen Wunder" kreative Kontakte zu jener Generation, die besonders in den siebziger Jahren das inoffizielle Kunstgeschehen belebten. Im Kaffeehaus "Arabusta" an der Ecke Schillerstraße oder im "Clara", neben dem väterlichen Wohnhaus der Pianistin Clara Schumann, kann man vortrefflich von vergangenen Zeiten träumen. Ein Abstecher in die nahe "Alte Feuerwache", einem vitalen Kunst- und Kulturverein, bringt wieder zeitgenössische Impulse. Zum Schluss des Ausflugs unbedingt noch in Thomas Schmidts winzigem, wohlbestückten Antiquariat "Traumfährte" nach Mitbringseln stöbern.
Auf der anderen Elbseite lockt das "Café Toscana" mit seinen legendären Torten und das sehr gute Restaurant "Villa Marie".
Galerie am Damm/ Peter Eisermann Körnerplatz 10, Di-Fr 10-13 u. 15-19 Galerie Hieronymus/ Angelika Makolies Friedrich-Wieck-Straße 11, Mi-Fr 13-18, Do 14-19, Sa 11-14 Alte Feuerwache Loschwitz Kunst- und Kulturverein Fidelio-F.-Finke-Straße 4, So-Do 14-18 Galerie am Blauen Wunder Pillnitzer Landstraße 2, Do-Sa 14-18 OFF SPACES bautzner69 Bautzner Straße 69 (Äußere Neustadt), www.bautzner69.de In einem kleinen Laden auf der Bautzner Straße betreiben die Fotokünstlerin Karen Weinert und der Architekt Uwe Patzer ihren Projektraum, den sie schlicht nach dessen Adresse benannten.
Besonders junge Fotografie wird hier groß geschrieben. Hier gelingen spannende Entdeckungen jenseits des gängigen "Who's Who" der Kunstsze- ne. Danach empfiehlt sich eine Stärkung im Eckcafé "Neustadt". geh8. Kunstraum und Ateliers e.V.
Gehestraße 8 (Pieschen- Süd), www.geh8.de Über 20 Künstler, Architekten und sonstige Kreative tummeln sich in diesem ehemaligen Fabrikgebäude im Dresdner Norden.
Sie bilden eine dynamische Ateliergemeinschaft, beherbergen internationale Gäste und organisieren regelmäßig Ausstellungen in der weitläufigen Halle des Gebäudes. Zu Eröffnungen trifft man sich gerne draußen am Lagerfeuer und blickt auf eine abenteuerliche Brachenlandschaft.
Vielleicht gelingt auch ein Blick in die Ateliers der Künstler - bei der Japanerin Michiko Nakatani etwa, einer Studentin von Martin Honert mit ihren poetischen Gipsplastiken, oder bei dem Maler und Zeichner Eckehard Fuchs mit seinen bizarren Figuren.
Idee 01239 e.V. - Stadtteilforum Gamigstraße 26 (Prohlis), Di, Do 10-14, Mi 10-18 In einem der größten Plattenbaugebiete Dresdens gründete das Künstlerpaar Eva Hertzsch & Adam Page zusammen mit Thilo Fröbel vor einigen Jahren einen Kunstraum, der von Anfang an mit den dortigen Einwohnern organisiert wurde. Hier finden Kunstworkshops, Ausstellungen, Filmvorführungen und Schreibwerkstätten statt.
Das Publikum ist angenehm gemischt, vom lokalen Trinkbudenbetreiber über den Wohngebietsliedermacher bis hin zum Kunsttheoretiker trifft man sich hier zum Bier. 2009 erhielt das Vorzeigeprojekt den sächsischen "Kunstpreis für Demokratie und Toleranz".
Von Tristesse ist also keine Spur in Dresden-Prohlis.
KOLONI Torgauer Straße 40 (Pieschen), www.koloni.wordpress.com In einem brüchigen Mietshaus ohne Wasseranschluss schlägt das kulturelle Herz des Stadtteils Pieschen.
Die ungarische Künstlerin Kata Huszár und ihr Kollege Jens Besser organisieren in diesem lebhaften Atelierhaus Ausstellungen und Rundgänge. Jens Besser hat sich besonders der Street Art verschrieben und lädt regelmäßig Aktivisten aus ganz Europa zu Workshops auf innerstädtischen Brachen in Dresden und Leipzig ein. Sein Projekt "Muralismo Morte" erregte großes Aufsehen, weil es den vitalen, künstlerischen Geist von städtischer Wandmalerei in den Fokus rückte. Wenn man Glück hat, kann man an einer von Jens Bessers geführten Fahrradtouren quer durch die spannende Geschichte der Dresdner Street Art teilnehmen.
AUSSERHALB Schloss Moritzburg Moritzburg, Barockschloss, April bis Oktober 10-17.30, 1.-10. Januar, November, Dezember, Di-So 10-16, Februar und März, Sa, So 10-16 Lustbarkeiten ohne Ende - das Repräsentationsbedürfnis von August dem Starken kannte keine Grenzen.
Auf den Mauern eines Renaissanceschlosses ließ sich der Kurfürst hier von seinem Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann ein barockes Jagdanwesen mit Garten, Teichen und Wildgehegen anlegen.
Der viertürmige Bau (bekannt aus dem Weihnachtsklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel") grüßt die Besucher schon von der Ferne. In seinem Inneren befinden sich zahlreiche historische Prunkräume, ein nobles Porzellanquartier und vor allem das aufwändig restaurierte Federzimmer, aus abertausenden von farbigen Vogelschwingen kunstvoll zusammengefügt.
Wer heute hier lustwandelt, sollte allerdings auch wissen, dass die jungen Künstler der Brücke Anfang des 20. Jahrhunderts hier ihre Experimente unternahmen und nackt dem Badevergnügen frönten. Auch Käthe Kollwitz lebte hier bis zu ihrem Tode und wird in einem kleinen Museum im Ort gewürdigt.
Barockschloss Rammenau Am Schloss 4, Rammenau, Sommerhalbjahr 10-18, Winterhalbjahr So-Fr 10- 16, Sa 12-16 Dieses zauberhafte Landschlösschen leistete sich einst Ernst Ferdinand von Knoch, ein Kammerherr Augusts des Starken. In reinstem Barockstil gehalten, liegt es zwischen Dresden und Bautzen. Das Restaurant in den Erdgeschossräumen bietet "Ess- und Tafelfreuden" nach barockem Vorbild im historischen Ambiente an. Zum Verdauungsspaziergang empfiehlt sich der Schlosspark, wo eine Büste daran erinnert, dass in diesem sächsischen Dörfchen der Philosoph Johann Gottlieb Fichte geboren wurde.
Barockgarten Großsedlitz Parkstraße 85, Heidenau, April bis August, 8-20, September bis März, 8 bis Dämmerung Um an dessen Schloss Vaux le Vicomte zu kommen, ließ Ludwig XIV. seinen Finanzsekretär Fouqet kurzerhand verhaften. Obwohl August der Starke den französischen Sonnenkönig heftig bewunderte und nachahmte, kaufte er jedoch das herrliche Anwesen von Großsedlitz seinem Generalintendanten, dem Grafen von Wackerbarth, ganz legal ab und ließ es von seinen Hofbaumeistern Pöppelmann und Longuelune zum Juwel aufrüsten.
Augusts Begeisterung lässt sich noch heute nachvollziehen, wenn im Frühling Goldlack und Tulpen auf den Terrassenbeeten leuchten und im Sommer barocke Allegorien der Jahreszeiten durch die dichten Buchenhecken lugen.
Kasten:
ZUKUNFT SEIT 1560 Die nächsten Höhepunkte im Jubiläumsjahr Zukunft seit 1560.
Die Ausstellung Die große Jubiläumsausstellung im Residenzschloss (siehe Seite 32) bereitet die 450-jährige Geschichte der Dresdener Sammlungen von der Gründung der Kunstkammer im Dachgeschoss des Schlosses bis heute anhand von erlesenen Exponaten in mehreren thematischen Kapiteln auf.
Residenzschloss, Mi-Mo 10-18, 18.4.-7.11.2010 Triumph der blauen Schwerter.
Meißner Porzellan für Adel und Bürgertum 1710 bis 1815 Die Schau (siehe Seite 34) zeigt mit vielen internationalen Leihgaben, wie Meißen in den ersten 100 Jahren nach der Erfindung des europäischen Porzellans eine ganz eigene, bis heute prägende Formensprache entwickelte.
Japanisches Palais, Di-So 10-18, 8.5.-29.8.2010 Jeff Wall. Transit Eine retrospektive Schau des kanadischen Fotokünstlers (siehe Seite 31) mit 20 großformatigen Arbeiten von den achtziger Jahren bis heute.
Kunsthalle im Lipsiusbau, Di-So 10-18 Uhr, 20.6.- 19.9.2010 Wiedereröffnung des Albertinums: Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart Nach vierjähriger Sanierung und Einbau eines spektakulären Depots über dem Innenhof (siehe Seite 30) wird das Albertinum als Heimat der Skulpturensammlung und der Galerie Neue Meister wiedereröffnet.
Ab 20. Juni, tägl. 10-18 Der frühe Vermeer Zum ersten Mal werden die Frühwerke von Jan Vermeer aus Dresden, Den Haag und Edinburgh in einer Ausstellung vereint. Dazu fertigen Studenten der Dresdner Kunstakademie eine begehbare 3-D-Kopie von Vermeers "Brieflesendem Mädchen am offenen Fenster", einem der Meisterwerke der Galerie Alte Meister.
Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger, Di- So 10-18, 3.9.-28.11.2010
BÜCHER Dresden erlesen Museumskataloge, Bildbände und Kunstführer Vom Schönsten das Beste.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Hatje Cantz Verlag. 240 S., 293 Abb. 39,80 Euro Harald Marx (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister Dresden.
Bd.1: Die ausgestellten Werke.
728 S., 818 Abb., 28 Euro, Bd. 2: Illustriertes Gesamtverzeichnis.
872 S., 2850 Abb., 38 Euro Harald Marx: Sehnsucht und Wirklichkeit. Malerei für Dresden im 18. Jahrhundert.
Katalog. 520 S., 361 Abb., 49,80 Euro, alle im Verlag der Buchhandlung Walther König Harald Marx: Gemäldegalerie Dresden. Alte Meister. Sammlung.
Bau. Geschichte. E. A.
Seemann Verlag. 208 S., 150 Abb., 39,90 Euro Angelica Dülberg, Norbert Oelsner, Rosemarie Pohlack:
Das Dresdner Residenzschloss.
Kunstführer. 96 S., 109 Abb., 9,80 Euro Das Grüne Gewölbe zu Dresden. Kunstführer. 96 S., 102 Abb., 9,80 Euro, Holger Schuckelt: Türckische Cammer. Orientalische Pracht in der Rüstkammer Dresden.
136 S., 120 Abb., 24,90 Euro, alle im Deutschen Kunstverlag Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann Verlag.
504 S., 544 Abb., 25 Euro Heinrich Magirius: Die Dresdner Frauenkirche von George Bähr. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft. 462 S., 413 Abb., 98 Euro Dresden. Baedeker Allianz- Reiseführer. 294 S., 183 Abb., 17,95 Euro Dresden & Sächsische Schweiz.
DuMont Reise-Taschenbuch.
288 S., 108 Abb., 14,95 Euro, beide bei MairDuMont Dresden. Eine literarische Einladung. Mit Beiträgen von Marcel Beyer, Durs Grünbein, Ingo Schulze. Verlag Klaus Wagenbach. Reihe Salto. 15,90 Euro, als Hörbuch, CD, 76 Min. DAV Lesung. 15,99 Euro
Bildunterschrift:
Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie Dresden über "Alba Urbana (Straßenkämpfer)" von Hartmut Bonk "Meine Dresdner Entdeckung mache ich im eigenen Hause. Diese Figurengruppe des Künstlers Hartmut Bonk stammt aus dem Jahr 1981. Wer hätte sich damals gewagt, ausgerechnet Straßenkampf in Dresden als Thema zu wählen? Visionär nahm Bonk Aggressionen und offene Kämpfe auf der Straßen der DDR acht Jahre später vorweg. Wahrscheinlich hatte er nicht mehr viel zu verlieren, denn kurz darauf verließ er die DDR in Richtung Westen. Natürlich wurde die Gruppe zu DDR-Zeiten niemals gezeigt und ist erst jetzt, nach fast 30 Jahren, endlich öffentlich präsent."
Der 1709 von Matthäus Daniel Pöppelmann begonnene Zwinger war glanzvolle Kulisse für höfische Feste, heute beherbergt er Museen
China, Japan und die Glanzzeit von Meißen: Porzellansammlung im Zwinger
Ein Tempel für die Gegenwartskunst: Lipsiusbau auf der Brühlschen Terrasse
Angela Hampel, Malerin/Grafikerin/Fotografin, über den Kulturpalast Dresden (1969), Architekt Wolfgang Hänsch "Er ist mittlerweile eines der wenigen, noch nicht geschliffenen Bauwerke der klassischen DDR-Moderne - beispielhaft in seiner Funktionalität und Formensprache und (auch) deshalb ein schützenswertes Gut. Architektur wird hier bestimmt durch die soziale und kulturelle Funktion innerhalb des Stadtraumes. Er ist identitätsstiftend für viele der Dresdner und Dresdnerinnen, die diese Stadt wieder aufgebaut haben und in ihr seit Jahrzehnten zu Hause sind. Er gehört zur Geschichte Dresdens und hat mit Begriffen wie Heimat und Vertrautheit zu tun. Er ist für mich ein Gesamtkunstwerk."
Hommage an das Osmanische Reich: Die "Türckische Cammer", hier eines der beiden Staatszelte, 17. Jahrhundert
Ein transparentes Dach überspannt den Kleinen Residenzschlosshof
Auferstanden aus Ruinen: Der Pretiosensaal im Historischen Grünen Gewölbe
Bernhard Maaz, Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Gemäldegalerie Alte Meister an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, über zwei Bildnisse von Lucas Cranach d. Ä. (1514)
"Die Bildnisse des Herzogs Heinrichs des Frommen und der Herzogin Katharina von Mecklenburg erinnern mich an prägende Museumserlebnisse meiner Kindheit, an die Weimarer Cranach-Sammlung, durch die ich die Schönheit altdeutscher Malerei kennen lernte. Unsere Museumsgäste können anhand dieser Bilder daran denken, dass diese Werke schon im 16.
Jahrhundert zur Dresdner Kunstkammer gehörten, also Zeugnisse einer viele Hundert Jahre umfassenden Sammlungsgeschichte sind. Im Übrigen bestechen diese Porträts nicht nur durch die feine Ausführung der Malerei, sondern auch durch die geradezu artifiziellen Gewänder. Es sind die ersten ganzfigurigen weltlichen Bildnisse in der europäischen Malerei, also durchaus Inkunabeln einer neuzeitlichen Sicht auf das Individuum, auf seinen Stand, seine Haltung, seine Charakterzüge."
Technik trifft Kunst: die Schau "color continuo" in der Altana-Galerie
Die prachtvolle Brühlsche Terrasse mit der Kunstakademie
Von Odol-Fabrikant Lingner gegründet, heute ein Ort für spannende Ausstellungen: das Deutsche Hygiene-Museum
Patrick-Daniel Baer, Galerist, über eine noch unvollendete Skulptur von Franka Hörnschemeyer "Wohl kaum ein Kunstwerk im Stadtraum hier war so umstritten wie Franka Hörnschemeyers gemauerter Einstieg in die Dresdner Kanalisation - mit Sichtfenster in das alte Schachtbauwerk, mitten in der Stadt, am Altmarkt. Zwar war der Entwurf bereits 2003 Wettbewerbssieger einer Ausschreibung für das historische "Seetor", aber besonders konservative Kommunalpolitiker liefen jahrelang dagegen Sturm. Im November hat sich der Stadtrat mit knapper Mehrheit endlich für die Realisierung entschieden - ein klarer Sieg für die Gegenwartskunst in Dresden. "
Silke Wagler, Leiterin des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, über die Installation "aqualux" von Kirsten Kaiser (2003) hinter der Synagoge "Ein Tipp für Nachtschwärmer: Wenn alle Kunst- und Kulturräume schließen, erwacht ‚aqualux' so richtig. Diese sinnliche und phantasievolle Installation im öffentlichen Raum markiert einen unterirdischen Bach, der hier in die Elbe mündet.
In ein künstliches Bett gezwungen, wurde der Kaizbach bei der Flut von 2002 zur Gefahr - nicht nur für das nahe Albertinum.
Das leuchtende Band in der Wiese ist für mich eine ungewöhnliche Spurensuche nach historischen Schichten. Ich wünsche mir mehr qualitätvolle Gegenwartskunst im Stadtraum, besonders weil sich Dresden ja immer so gern an seiner Tradition orientiert."
Kunstaktion von Ulf Aminde zum Denkmalstag in Prohlis
Blick in die Galerie Baer - Werke der Ausstellung "Gehäuse" des Malers und Holzschneiders Jan Brokof
Ralf Lehmann, Galerist, über alte Etuis im Grünen Gewölbe "Den Grundsatz ‚form follows function' gab es offenbar schon, bevor ihn der amerikanische Architekt Louis Henri Sullivan Ende des 19. Jahrhunderts formulierte.
Die kunstvollen Lederfutterale für barocke Kleinodien im Grünen Gewölbe stehen dafür. Besonders mag ich das Etui für eine ‚Große Bergkristallschale auf Delphinkörper' (um 1700). Betrachtet man es ohne Kenntnis des Inhalts, könnte man es für eine zeitgenössische Skulptur oder für ein visionäres Architekturmodell halten. Auch die abstrakten Muster der Goldprägung wirken völlig zeitlos. Diese ‚Nurverpackungen' sind es wert, gleichberechtigt zu den Schätzen gezeigt zu werden."
