Ausgabe: 04 / 2010
Seite: 119

Das Ass ausgespielt

Von

MUSEUM Das Kunsthaus Zürich zeigt testweise die grandiose Kunstsammlung von E.G. Bührle und wirbt damit für einen Erweiterungsbau von David Chipperfield

Hier treten Landschaften von Claude Monet und Vincent van Gogh in Dialog miteinander, dort entfaltet Auguste Renoir seinen Zauber, gegenüber grüßt Paul Cézanne mit strengem Blick:

Mit den Bildern der Stiftung Sammlung E. G. Bührle feiert das Kunsthaus Zürich bis zum 16. Mai ein Fest der Malerei.

Erstmals seit 52 Jahren sind sie in dem großen Ausstellungssaal zu sehen, den der Privatsammler vor seinem Tod dem Kunstmuseum seiner Heimatstadt gestiftet hat.

Das Kunsthaus verfolgt mit dieser Präsentation zweierlei.

Zum einen ist die fulminante Sammlung des Unternehmers seit dem spektakulären Raubüberfall vor zwei Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich.

Damals hatten Täter mit Waffengewalt vier Bilder aus der Zürcher Privatvilla geraubt.

Während zwei davon kurz darauf gefunden wurden, fehlt von Paul Cézannes "Knaben mit der roten Weste" und von Edgar Degas' "Ludovic Lepic und seine Töchter" jede Spur. Zum anderen ist die Ausstellung ein Testlauf: Das Kunsthaus hat eine Erweiterung geplant und braucht für das 180-Millionen- Projekt von Architekt David Chipperfield 75 Millionen Franken von der Stadt Zürich. Doch muss die stolze Summe erst noch von den Bürgern in einer Volksabstimmung bewilligt werden.

In dem geplanten Neubau sollen rund 180 Gemälde und Skulpturen als Dauerleihgabe einen eigenen Flügel beziehen, der von den eigenen Beständen des Museums flankiert wird. Das Kunsthaus erhofft sich vom Umzug der Bührle-Sammlung die besten Bestände zum französischen Impressionismus und Spät impressionismus außerhalb von Paris und einen rasanten Zuwachs der zuletzt arg geschrumpften Besucherzahlen. Ob das in Zürich funktioniert, weiß niemand.

Bildunterschrift:

Zu Gast im Kunsthaus Zürich: die Sammlung Bührle