Ausgabe: 04 / 2010
Seite: 120

Die Stadt der Diebe

Von Heinz Peter Schwerfel

SKANDAL Raub, Hehlerei, Preismanipulationen - das renommierte Pariser Auktionshaus Drouot steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte

Ein prominenter Auktionator wegen Diebstahls angeklagt, drei Mitarbeiter in Haft wegen Hehlerei, wöchentlich Neuigkeiten über verschwundene oder preismanipulierte Kunstwerke: Eine der ältesten Institutionen der französischen Kunstszene, das Pariser Auktionshaus Drouot, steckt in einer selbstverschuldeten Krise. Dazu beigetragen haben die Drouot-Holding, die seit Jahren nur halbherzig auf Reformen drängt, sowie schwarze Schafe unter den Drouot- Spediteuren, den legendären "Savoyards" in ihrer schwarzen Dienstkleidung mit rotem Kragen. Deren bereits 1832 gegründete Union des Commissionnaires hat nicht nur das Monopol über Transport, Lagerung und Präsentation sämtlicher zu versteigernder Ware, sondern ihre Mitglieder dürfen auch selbst in den Auktionen mitbieten und verkaufen. Und das hat, wie jetzt publik wurde, zu Kursmanipulationen und Erpressung geführt. Mehrere Anbieter erklärten, sie seien von den "Savoyards", die alle Versteigerungsstücke in das bei der Oper gelegene Drouot-Gebäude bringen, schon beim Abtransport bestohlen worden; andere beteuerten, man hätte ihnen angeboten, gegen Kommissionen die Bieterpreise in die Höhe zu treiben. Der Präsident der Drouot-Holding, Georges Delettrez, hat nun das Transport- Monopol der "Savoyards" vorläufig aufgehoben. Für wie lange steht in den Sternen.

Eine restlose Aufklärung der Machenschaften und eine Verbesserung der Situation hält der ehemalige Drouot-Auktionator Hervé Poulain für unwahrscheinlich. Hierarchie und Besitzverhältnisse des von den Auktionatoren geführten und vom Staat nicht kontrollierten Unternehmens seien einfach zu unklar.

Bildunterschrift:

Auch Drouot-Spediteure, erkennbar an der schwarzen Uniform mit rotem Kragen, sollen die Krise im Pariser Auktionshaus Drouot mitverschuldet haben