Ausgabe: 04 / 2010
Seite: 119

O Gott!

Von Till Briegleb

Wohnen in den Wolken: Wird Gott diesen Menschheitstraum strafen?

KOLUMNE: AUSSER HAUS

Wenn es den Gott im Himmel des Alten Testaments wirklich gibt, dann muss er jetzt einschreiten.

Hat er nicht den Turmbau zu Babel verhindert, damit niemand in seine Wohnung guckt? Nun hat der Mensch wieder beschlossen, in die Wolken zu ziehen.

"Aircruise" nennt er seine Erfindung, mit der rund 100 Gäste im Luftraum schwebend ihren Urlaub verbringen können.

Ab 2015 sollen diese Wasserstoffgefährte, die aussehen wie Technoversionen der fliegenden Felsen aus "Avatar", all jenen gelangweilten Reichen ein Domizil in den Wolken bieten, die gerade ihre Villen auf "The Palm" in Dubai wie der verkaufen, weil es dort zu heiß ist. 265 Meter wollen die fliegenden Hoch häuser jetzt hoch werden: Das muss Gott also endlich als Affront verstehen.

Für jene, die jetzt seinen Zorn fürchten, gibt es aber bereits eine irdische Alternative: das hydraulische Haus.

Die "Vil la Hush Hush", inspiriert vom Minimalismus Donald Judds, kann auf Knopfdruck 40 Meter hochgefahren werden.

Das reicht zwar nicht in die Wolken, ist aber trotzdem geiler als die Villa des Nachbarn.

Bildunterschrift: art-Autor

"Aircruise"-Studie von Seymourpowell